K2: Vermisste Winterbergsteiger gefunden, erste Gipfelerfolge

K2
Der 8611 Meter hohe K2 im Karakorum (2004)

Vom K2 werden die ersten Gipfelerfolge der Sommersaison gemeldet. Unter denen, die heute – mit Flaschensauerstoff – den höchsten Punkt auf 8611 Metern erreichten, war auch der erst 19 Jahre alte pakistanische Bergsteiger Shehroze Kashif. Im vergangenen Mai hatte Kashif auch den Mount Everest bestiegen, 2017 den Broad Peak – seitdem wird er in seiner Heimat „Broad Boy“ gerufen.

Alle, die heute den Gipfel des K2 erreichten, waren auch an den Leichen von Muhammad Ali Sadpara, John Snorri Sigurjonsson und Juan Pablo Mohr vorbeigestiegen. Die Sherpas eines kommerziellen Teams, das die Fixseile verlegte, hatte gestern die Körper der drei Bergsteiger entdeckt, die seit ihrem Winter-Gipfelversuch Anfang Februar vermisst und später für tot erklärt worden waren.

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Trauer um Rick Allen nach Lawinenunglück am K2

Rick Allen starb am K2 – dieses Bild machte der Kanadier Louis Rousseau im Sommer 2018

Einer der großen britischen Bergsteiger ist nicht mehr unter uns. Der 68 Jahre alte Schotte Rick Allen starb gestern in einer Lawine am K2. Angeblich wollte Rick gemeinsam mit dem Österreicher Stephan Keck und dem Spanier Jordi Tosas eine neue Route auf den zweithöchsten Berg der Erde eröffnen – im Alpinstil, also ohne Flaschensauerstoff, Hochträger und vorbereitete Hochlager. Wo genau die Route hinaufführen sollte, ist unklar, in einigen Berichten heißt es auf der Südostseite des K2, in anderen ist von der lawinengefährdeten, noch nie durchstiegenen Ostwand die Rede. Keck und Tosas entkamen der Lawine. Der Spanier blieb im Basislager, der Österreicher ließ sich in die Stadt Skardu ausfliegen. Laut Berichten aus Pakistan wurde Allens Leiche nahe dem vorgeschobenen Basislager gefunden.

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K2 und Broad Peak: Schwierige Suche nach Vermissten

Broad Peak (2004)

Der südkoreanische Bergsteiger Kim Hong-bin ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit seit vergangenem Montag tot, doch von seinem Satellitentelefon konnten später noch Signale geortet werden – auf 7000 Metern auf der schwer zugänglichen chinesischen Ostseite des Achttausenders Broad Peak. Ob Kims Körper dort liegt oder nur das Satellitentelefon, ist noch offen. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete am Freitag , die chinesischen Behörden hätten erlaubt, dass pakistanische Rettungshubschrauber auch auf chinesischem Territorium nach Kim suchen dürften. Die Chinesen hätten nahe dem Unglücksort ein Einsatzzentrum eingerichtet, um die Suchaktion zu unterstützen.

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Tragödie um Kim Hong-bin am Broad Peak

Kim Hong-bin am Broad Peak (Ende Juni)

Der Grat zwischen Triumph und Tragödie kann an den Achttausendern sehr schmal sein. Zunächst ging die Schlagzeile um die Welt, dass der Südkoreaner Kim Hong-bin den 8051 Meter hohen Broad Peak im Karakorum bestiegen und damit als erster behinderter Bergsteiger der Welt auf allen 14 Achttausendern gestanden habe – mit Flaschensauerstoff. Sogar der südkoreanische Präsident Moon Jae-in gratulierte Kim via Twitterzur Komplettierung der Achttausender-Sammlung: „Du hast den Menschen, die des Coronavirus müde sind, mehr Stolz und Hoffnung gegeben.“

Wenige Stunden später kam die Nachricht, dass der 56-Jährige vermisst werde. Russische Bergsteiger, die ebenfalls am Berg waren, berichteten schließlich, Kim sei beim Abstieg weit oben am Berg in eine 15 Meter tiefe Spalte gefallen und dabei ums Leben gekommen. In anderen Meldungen in den sozialen Netzwerken hatte es zuvor geheißen, Hong-bin sei auf die chinesische Seite des Broad Peaks abgestürzt.

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Auf den Spuren der Vermissten vom K2

John Snorri Sigurjonsson, Juan Pablo Mohr und Muhammad Ali Sadpara (v.l.)

Vermisst, aber unvergessen. Vor fünf Monaten waren der Pakistaner Muhammad Ali Sadpara, der Isländer John Snorri Sigurjonsson und der Chilene Juan Pablo Mohr nicht von ihrem Winter-Gipfelversuch am K2 zurückgekehrt. Nach mehreren vergeblichen Suchaktionen aus der Luft waren die drei Bergsteiger 13 Tage nach ihrem Aufbruch für tot erklärt worden.

Vor zwei Wochen verabschiedete sich die Familie und Freunde Sigurjonssons in Island mit einem Gottesdienst von John Snorri.

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Pakistanischer Vater will mit Zwölfjähriger auf den Achttausender Broad Peak

Selena Khawaja
Selena Khawaja

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Kinder gehören nicht auf Achttausender. Und das meine ich ohne Wenn und Aber. Ich habe fünf Kinder großgezogen – und dies nicht im Stile eines übervorsichtigen „Helikopter“-Vaters, der seine Sprösslinge immer in dicke Watte packt. Aber ich frage mich: Wie nur können Eltern ihre Kinder bewusst der Todesgefahr an einem Achttausender aussetzen? Dafür fehlt mir jedes Verständnis. Und so schüttle ich auch jetzt wieder den Kopf.

Die erst zwölf Jahre alte Pakistanerin Selena Khawaja ist gemeinsam mit ihrem Vater auf dem Weg zum Broad Peak. In diesem Sommer wollen sie den 8051 Meter hohen Berg im Karakorum besteigen. Sollte Selena den höchsten Punkt erreichen, wäre sie der jüngste Mensch, der jemals auf einem Achttausender stand.

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Hansen und Dujmovits: Gipfelversuch am Biarchedi I gescheitert

Ralf Dujmovits

Das Schönwetterfenster öffnete sich nicht weit genug. „Wir brauchten sechs Tage gutes Wetter, um den abgelegenen, unbestiegenen Biarchedi I (6.810 Meter) im pakistanischen Karakorum-Gebirge sicher auf- und absteigen zu können“, schreibt Ralf Dujmovits auf Instagram nach dem Abbruch des Gipfelversuchs. „Mit einer Vorhersage von viereinhalb Tagen guten Wetters machten wir uns auf den Weg nach oben. Aber schon nach einem Tag begann es wieder zu schneien, und unser Schönwetterfenster verkürzte sich auf zweieinhalb Tage – nicht annähernd das, was wir brauchten.“

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Samina Baig: Für die Frauen auf den K2

Samina Baig (r.) im K2-Basislager

Samina Baig lebt ihre Träume. Einen weiteren will sich die bekannteste Bergsteigerin Pakistans am K2 erfüllen: Als erste Frau ihres Heimatlandes will sie in diesem Sommer auf dem 8611 Meter hohen Gipfel stehen. Mit ihrem pakistanischen Team traf die 30-Jährige am vergangenen Donnerstag im Basislager zu Füßen des zweithöchsten Bergs der Erde ein. Wieder einmal will Samina eine Lanze für ihre Landsfrauen brechen. „Als Frau ist meine Botschaft an die Menschen, ihre Töchter zu ermutigen und zu unterstützen und sie ihren eigenen Beruf wählen zu lassen“, sagte die Bergsteigerin vor ihrem Aufbruch in den Karakorum. „Lasst sie ihre eigenen Zeichen setzen!“

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Hansen und Dujmovits: Gipfelversuch am Biarchedi I

Geplante Route auf den Biarchedi I

Ich gebe zu, dass ich etwas befangen bin. Ich drücke Nancy Hansen und Ralf Dujmovits bei ihrem Gipfelversuch am 6810 Meter hohen, noch unbestiegen Biarchedi I im Karakorum vielleicht ein bisschen fester die Daumen, als ich es bei anderen Bergsteigern mache. Ich kenne Ralf, den bisher einzigen deutschen Bergsteiger, der alle 14 Achttausender bestiegen hat (bis auf den Mount Everest alle ohne Flaschensauerstoff) nun schon seit über 20 Jahren.

Ralf und ich vor der neuen Schule in Thulosirubari (2019)

2005 waren wir (gemeinsam mit Gerlinde Kaltenbrunner und Hirotaka Takeuchi) auf der Nordseite des Mount Everest. 2007 begleitete ich eine von ihm geleitete kommerzielle Expedition zum Achttausender Manaslu. Nach dem verheerenden Erdbeben 2015 in Nepal sorgten wir beide gemeinsam mit Gerlinde und der Nepalhilfe Beilngries dafür, dass im Bergdorf Thulosirubari eine vom Beben zerstörte Schule für mehrere hundert Kinder und Jugendliche wieder aufgebaut wurde. All das hat uns verbunden und zu Freunden gemacht – und erklärt euch vielleicht, warum ich bei dem Abenteuer von Ralf und seiner Frau Nancy besonders mitfiebere.

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David Göttler: „Der Everest ist ein Spiegel unserer Gesellschaft“

David Göttler zeigt auf Everest
David Göttler am Mount Everest

„Das Umdrehen ist nicht das Schwierige“, sagt mir David Göttler. „Schwierig wird es hinterher, wenn man mit dem Schicksal hadert. Aber ich glaube nicht, dass der Mount Everest mein Schicksalsberg wird.“ Zum zweiten Mal nach 2019 ist der deutsche Top-Bergsteiger ohne Gipfelerfolg vom höchsten Berg der Erde zurückgekehrt, den er nur ohne Flaschensauerstoff besteigen will. Vor zwei Jahren kehrte er auf 8650 Metern um, rund 200 Meter unterhalb des Gipfels. Diesmal war am Südsattel auf knapp 8000 Metern Endstation.

„Es lief bei uns beiden nicht rund“, schildert der 42-Jährige, was ihn und den 33 Jahre alten Spanier Kilian Jornet bewog, wieder abzusteigen. „Wir sind immer wieder eingenickt, es hat sich nicht richtig angefühlt.“ Göttler war die Nacht durch von Lager 2 auf 6400 Metern zum Südsattel aufgestiegen, Jornet vom Basislager aus. „Es war da oben relativ eindeutig, dass wir in dem Stil, in dem wir unterwegs sind, umdrehen mussten.“ David vermutet, dass sie sich an einem der heißen Vortage „einen kleinen Sonnenstich eingehandelt“ hatten: „Irgendwann hätten uns unsere Körper die Rote Karte gezeigt.“

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Karakorum-Sommersaison im Zeichen der Pandemie

Biarchedi I (in der Bildmitte, rechts der Biarchedi II)

„Der Berg ist nicht umsonst noch unbestiegen“, erzählte mir Ralf Dujmovits, bevor er mit seiner Frau Nancy Hansen nach Pakistan aufbrach. „Schon der Zustieg zum Fuße des Biarchedi I ist schwierig.“ Das deutsch-kanadische Bergsteiger-Paar versucht sich in diesem Sommer an dem noch unbestiegenen 6810 Meter hohen Berg im Karakorum.

2016 hatte Ralf bei Nancys und seinem gescheiterten Versuch am ebenfalls noch unbestiegenen 7134 Meter hohen Praqpa Ri die Biarchedi-Gruppe erblickt und hinterher erfahren, dass der höchste Berg des Massivs noch nicht bestiegen wurde – im Gegensatz zum 6781 Meter hohen Biarchedi II, den 1984 der legendäre polnische Kletterer Jercy Kukuczka (1948-1989) im Alleingang erstbestiegen hatte. Inzwischen haben die beiden ihr Basislager auf 4500 Metern bezogen. Die ersten acht Tage in Pakistan seien „unglaublich reibungslos verlaufen, und wir wurden von jedem, den wir getroffen haben, herzlich willkommen geheißen“, schreibt Ralf auf Instagram.

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Trauer um Everest-Besteiger Lhakpa Nuru Sherpa

Lhakpa Nuru Sherpa (1978 – 2021)

Lhakpa Nuru Sherpa ist der fünfte Tote der in der vergangenen Woche abgeschlossenen Frühjahrssaison am Mount Everest. Am 3. Juni starb Lhakpa Nuru im Khangri International Hospital in Kathmandu. In diesem Monat wäre er 43 Jahre alt geworden. Der Sherpa sei an Herz-Lungen-Versagen in Folge eines schweren Höhenlungenödems gestorben, steht auf dem Totenschein des Krankenhauses.

Chhang Dawa Sherpa, Vorstand des größten nepalesischen Expeditionsveranstalters Seven Summit Treks, bestätigte mir den Todesfall. Lhakpa Nuru sei am 29. Mai mit einem Rettungsflug aus dem Everest-Basislager gebracht und direkt in das Krankenhaus eingeliefert worden, wo er wegen des Lungenödems behandelt worden sei – am Ende vergeblich. Der 42-Jährige hinterlässt seine Ehefrau und ihren gemeinsamen Sohn.

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Felix Berg: „Sehr spezielle Saison“ am Mount Everest

Felix Berg (r.) und Renji Sherpa (l.) auf dem Gipfel des Mount Everest

„Es erinnerte an einen Apokalypse-Film“, beschreibt Felix Berg den Augenblick, als er am 29. Mai mit seinem Kunden Robert Westreicher per Hubschrauber im Everest-Basislager landete. „Die ganze Zeit über sind permanent mindestens drei Helikopter gelandet und dann wieder gestartet. Es war schon speziell: Wir sind zu zweit rein, während gefühlte Hundertschaften aufbrachen, um nicht zu sagen flüchteten.“ Der deutsche Expeditionsleiter vom Veranstalter Summit Climb kam erst zum Mount Everest, als diese Frühjahrssaison, die unter dem Schatten des Corona-Ausbruchs lag, eigentlich schon so gut wie vorbei war.

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Göttler und Jornet brechen Everest-Versuch ab

David Göttler unterhalb des Everest-Südsattels (mit einer Maske, die für feuchteren Atem sorgt)

Wochenlang wurde in der Szene darüber gerätselt: Was haben David Göttler und Kilian Jornet am Mount Everest genau vor? Dass sie den höchsten Berg der Erde ohne Flaschensauerstoff besteigen wollten, war klar. Doch auf welcher Route? Eventuell als Traverse, und den Lhotse noch dazu?

Die gängigste Spekulation lautete, dass der Deutsche und der Spanier versuchen würden, über den Westgrat zum Gipfel aufzusteigen. Dazu kam es jedenfalls nicht. David und Kilian brachen ihren Versuch ohne Atemmaske am Südsattel ab, also auf der Normalroute. Der 42 Jahre alte Göttler war dorthin von Lager 2 aufgestiegen, der 33 Jahre alte Jornet direkt vom Basislager aus.

Nicht hundertprozentig gefühlt

„Wir kletterten beide durch die Nacht und trafen uns am Südsattel, und wir hatten beide das gleiche Gefühl, uns nicht gut oder stark zu fühlen“, beschrieb David auf Instagram die Entscheidung, auf knapp 8000 Metern umzukehren. „Es wäre töricht gewesen, in diesem Zustand noch höher zu steigen. Man kann den Everest nicht in unserem Stil besteigen, wenn man sich nicht hundertprozentig fühlt. Und zum Glück wissen wir beide sehr gut, wie wir uns in diesen Höhen fühlen sollten.“

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Weitere Gipfelerfolge am Mount Everest – Anja Blacha oben

Nepalesische Südseite des Mount Everest

Fast auf den letzten Drücker in der Frühjahrssaison haben einige Teams heute noch den Gipfel des Mount Everest erreicht. „Mission erfüllt“, ließ Nirmal „Nims“ Purja wissen, Chef des Veranstalters Elite Expeditions. Außer dem 37-Jährigen selbst hätten sechs seiner Kunden und neun Sherpas den höchsten Punkt auf 8849 Metern erreicht. „Nachdem sie auf ein Wetterfenster warten mussten, das gut genug für den Gipfelvorstoß war, wurde ihre Geduld belohnt“, schrieb Purja. Alle seien wohlbehalten zum Südsattel auf knapp 8000 Metern zurückgekehrt. Neun Teammitglieder, inklusive Nims, wollen am Dienstag noch auf den benachbarten 8516 Meter hohen Lhotse steigen – übrigens wie am Everest mit Flaschensauerstoff.

Eigentlich wollten die „Icefall Doctors“ am Mount Everest bereits heute damit beginnen, die Leitern und Seile aus dem gefährlichen Khumbu-Eisbruch zu entfernen, der ersten Etappe auf der Route zum Gipfel. Doch wegen des schlechten Wetters in der vergangenen Woche gab es mit Erlaubnis der nepalesischen Regierung für diese Frühjahrssaison einen Nachschlag von drei Tagen.

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