Seinen Humor hat Jost Kobusch noch nicht verloren. „Und ich warte immer noch auf besseres Wetter…“, schrieb der 29 Jahre alte deutsche Bergsteiger auf den sozialen Netzwerken und postete dazu ein verfremdetes Porträt, das ihn als alten Mann mit grauem Bart zeigt. Seit anderthalb Wochen schlägt Jost im Dorf Lobuche, das auf rund 5000 Metern im Everest-Tal liegt, die Zeit tot. Schneefall und Stürme in Orkanböen machen Bergsteigen in der Region rund um den höchsten Berg der Erde derzeit unmöglich.
„Winterexpeditionen an Everest und Co.: Geduld ist gefragt“ weiterlesenNoch ein nepalesisches Winterteam am Cho Oyu
Doppelt gemoppelt hält besser? Heute startete ein weiteres achtköpfiges nepalesisches Bergsteiger-Team des kommerziellen nepalesischen Expeditionsveranstalters „Pioneer Adventure“ von der Hauptstadt Kathmandu aus Richtung Cho Oyu. Sein Ziel ist dasselbe wie jenes der zehnköpfigen Mannschaft um Gelje Sherpa, die sich am Dienstag auf den Weg gemacht hatte: eine Winterbesteigung des 8188 Meter hohen Bergs über eine Route auf der nepalesischen Seite des Bergs, die künftig auch von kommerziellen Expeditionen genutzt werden kann.
„Noch ein nepalesisches Winterteam am Cho Oyu“ weiterlesenGelje Sherpas Cho-Oyu-Winterexpedition ist unterwegs
Der Start verlief ein wenig holprig. Eigentlich wollten Gelje Sherpa und sein nepalesisches Team heute von Kathmandu aus nach Lukla fliegen. Doch wegen des schlechten Wetters im Khumbu mussten die zehn Bergsteiger zunächst einmal auf Jeeps umsteigen. Das tat ihrer guten Laune keinen Abbruch, wie Videos auf den sozialen Netzwerken zeigten. Wie berichtet, wollen Gelje Sherpa und Co. in diesem Winter (mit Flaschensauerstoff) eine neue Route auf den Achttausender Cho Oyu erschließen, die auch für kommerzielle Expeditionen tauglich ist.
„Gelje Sherpas Cho-Oyu-Winterexpedition ist unterwegs“ weiterlesenGöttler und Barmasse brechen Nanga-Parbat-Winterexpedition ab
„Laut langfristiger Wettervorhersage zeichnet sich am Horizont kein vernünftiges Wetterfenster ab. Der Jet-Stream macht es sich dauerhaft genau über dem Gipfel des Nanga Parbat bequem“, schreibt der deutsche Bergsteiger David Göttler aus dem Basislager zu Füßen des 8125 Meter hohen Bergs in Pakistan.
Sein italienischer Teampartner Hervé Barmasse ergänzt, dass im Gipfelbereich Windgeschwindigkeiten von 70 bis 200 Stundenkilometern erwartet würden. „Und wie fast immer werden nach einem so starken Wind die heftigen Schneefälle wieder einsetzen und das Warten im Basislager sinnlos machen.“ So werden Göttler und Barmasse nach rund vier Wochen ihre Zelte in Pakistan abbrechen und heimkehren.
„Göttler und Barmasse brechen Nanga-Parbat-Winterexpedition ab“ weiterlesenVollbetreutes Winterbergsteigen am K2
Nima Gyalzen Sherpa, Chhiring Sherpa, Dawa Sherpa, Furi Sherpa, Ngima Tendi Sherpa, Ningma Dorje Tamang, Muhammad Sharif Rasool. Ich nenne hier schon mal vorsorglich die sechs nepalesischen und den pakistanischen Bergsteiger, die aktuell auf dem Weg zum K2 sind (heute erreichten sie den Lagerplatz Goro II auf dem Baltoro-Gletscher auf 4200 Metern). Denn allzu oft werden hinterher diejenigen verschwiegen, die Erfolge an den Achttausendern durch ihre harte Arbeit erst möglich gemacht haben.
Das siebenköpfige Team des nepalesischen Veranstalters Dolma Outdoor Expedition will in diesem Winter die Taiwanesin Tseng Ko-erh, auch „Grace“ Tseng genannt, auf den Gipfel des zweithöchsten Bergs der Erde führen. Eigentlich hatte auch Tashi Sherpa im Team sein sollen. Doch er erhielt wegen Problemen mit seinem Pass kein Einreisevisum nach Pakistan und wurde durch Rasool ersetzt, wie mir Dolma Outdoor Expedition mitteilt.
„Vollbetreutes Winterbergsteigen am K2“ weiterlesenWinterexpeditionen: Schwierige Verhältnisse am Mount Everest, Nanga Parbat und Manaslu

Blankeis oder tiefer Schnee – so präsentieren sich derzeit die Achttausender, an denen sich Bergsteiger in diesem Winter versuchen. „Im Vergleich zum letzten Mal sind die Verhältnisse deutlich eisiger“, sagt mir Jost Kobusch.
Vor gut einer Woche war er am Mount Everest in Richtung der Westschulter aufgestiegen, auf jener Route, auf der er bei seinem ersten Winterversuch vor zwei Jahren bis auf knapp 7400 Meter gelangt war. Wie damals ist Jost auch diesem Jahr solo und ohne Flaschensauerstoff unterwegs. „Es gab nicht so viel Schneefall wie beim letzten Mal. Und der wenige Schnee blieb auf dem Eis natürlich nicht liegen, sondern wurde gleich weggeblasen.“
„Winterexpeditionen: Schwierige Verhältnisse am Mount Everest, Nanga Parbat und Manaslu“ weiterlesenMount Everest, Manaslu, Nanga Parbat: Schnee bremst Winterexpeditionen
Es wird wohl ein Basislager-Wochenende. Ob am Mount Everest und Manaslu in Nepal oder am Nanga Parbat in Pakistan– an allen Achttausendern, an denen sich bereits Bergsteiger aufhalten, um diese Berge in diesem Winter zu besteigen, erwarten die Meteorologen für dieses Wochenende Schneefälle.
Jost Kobusch erholt sich – laut seinem GPS-Tracker – im Dorf Lobuche auf knapp 5000 Metern von seinem Aufstieg der vergangenen Tage Richtung Everest-Westschulter. Die maximale Höhe, die sein Tracker anzeigte, war am gestrigen Donnerstag 6464 Meter, bevor er wieder über den Lho La, einen 6000 Meter hohen Pass zwischen Nepal und Tibet, ins Khumbu-Gletscher-Tal abstieg.
„Mount Everest, Manaslu, Nanga Parbat: Schnee bremst Winterexpeditionen“ weiterlesenDavid Göttler am Nanga Parbat: „Wahrscheinlich über die Schell-Route“
Der „nackte Berg“ – das heißt Nanga Parbat übersetzt – ist noch nackt, was Winterbesteigungen über die nach Südosten ausgerichtete Rupalflanke betrifft, die höchste Bergwand der Welt. Die einzigen beiden Winter-Gipfelerfolge bisher an dem 8125 Meter hohen Berg in Pakistan gelangen über die Nordwestseite, die Diamirflanke: die Wintererstbesteigung 2016 durch den Spanier Alex Txikon, den Italiener Simone Moro und den Pakistaner Muhammad Ali „Sadpara“ (die Südtirolerin Tamara Lunger kehrte 70 Meter unter dem Gipfel um) und die zweite Besteigung in der kalten Jahreszeit durch die Französin Elisabeth Revol und den Polen Tomek Mackiewicz (der beim Abstieg starb).
In diesem Winter wollen der deutsche Topbergsteiger David Göttler (43 Jahre alt) und der Italiener Hervé Barmasse (44) den Nanga Parbat über die Rupalseite besteigen – in sauberem Stil, also ohne Fixseile und Flaschensauerstoff. Der US-Amerikaner Mike Arnold (34), der die beiden nach Pakistan begleitete, wird „wie geplant bald wieder Richtung Heimat zurückreisen“, wie mir David aus dem Basislager auf 3500 Meter Höhe schreibt. „Nur Hervé und ich werden den Berg probieren.“
David war schon einmal im Winter auf dieser Seite des Nanga Parbat unterwegs: 2014 gelangte er auf der sogenannten „Schell-Route“ (benannt nach dem Österreicher Hanns Schell, der 1976 dort aufstieg) bis zum Mazeno-Grat auf 7200 Metern, ehe er wegen schlechten Wetters umkehrte. Im Frühjahr 2017 kletterten Göttler und Barmasse in Tibet gemeinsam durch die Südwand des Achttausenders Shishapangma – bis fünf Meter unterhalb des Gipfels.
David, wie fühlt es sich für dich an, wieder am Nanga Parbat zu sein – acht Jahre nach deinem ersten Winterversuch?
„David Göttler am Nanga Parbat: „Wahrscheinlich über die Schell-Route““ weiterlesenSchneesturm am Manaslu
Da hilft nur schaufeln, schaufeln und noch einmal schaufeln. Die Winterbergsteiger im Basislager am Achttausender Manaslu haben alle Hände voll zu tun, um der Neuschnee-Massen Herr zu werden. „Wir stecken in einem großen Schneesturm, es schneit seit mehr als 24 Stunden ununterbrochen, die Druckwellen der großen Lawinen erreichen beinahe das Basislager“, twitterte heute der Spanier Alex Txikon. „Die Zelte halten sehr gut, obwohl wir mehr als anderthalb Meter Neuschnee haben.“
Die bisherigen Arbeiten an der Route seien jedoch zunichte gemacht worden, schreibt der 40-Jährige. „Wir müssen jetzt wieder bei Null anfangen, die Route spuren und mit Bambusstangen markieren.“
„Schneesturm am Manaslu“ weiterlesenWinterexpedition am Nanga Parbat: Alles muss passen
Das Basislager zu Füßen des Nanga Parbat steht. Und wenn der Deutsche David Göttler, der Italiener Hervé Barmasse und der US-Amerikaner Mike Arnold aus ihren Zelten blicken, sehen sie auf die Rupalwand des Achttausenders Nanga Parbat – „eine fast 4500 Meter hohe Wand aus Schnee, Eis und Fels“, wie Hervé in einem Interview der italienischen Sportzeitung „La Gazetta dello Sport“ sagte. „Es ist die höchste Wand der Welt, und noch nie ist es jemandem gelungen, sie in der kältesten Jahreszeit zu überwinden.“ Zum Vergleich: Die Rupalwand ist rund 1000 Meter höher als die Nordwand des Mount Everest und zweieinhalbmal so hoch wie die Eiger-Nordwand.
„Winterexpedition am Nanga Parbat: Alles muss passen“ weiterlesenAchttausender-Winterexpeditionen in den Startlöchern

Weihnachten im Schnee – das gilt auf jeden Fall für die meisten Bergsteiger, die sich in diesem Winter Projekte an Achttausendern vorgenommen haben. Jost Kobusch traf am Montag im Everest-Basislager ein. Nach seinem Versuch im vorletzten Winter geht der 29 Jahre alte Deutsche zum zweiten Mal sein Projekt an, im Alleingang und ohne Flaschensauerstoff über den Lho La, einen 6000 Meter hohen Pass zwischen Nepal und Tibet, den Westgrat und das in der Nordwand gelegene Hornbein-Couloir Richtung Everest-Gipfel aufzusteigen. Bei seinem ersten Solo-Anlauf auf dieser Route hatte Jost im Februar 2020 eine Höhe von 7366 Metern erreicht. Diesmal hat er sich als Ziel die 8000-Meter-Marke gesetzt.
Zur Akklimatisierung war er im Westen Nepals unterwegs. Dort gelang ihm am 30. November mit seinem deutschen Landsmann Nicolas Scheidtweiler die Erstbesteigung des 6465 Meter hohen Purbung.
„Achttausender-Winterexpeditionen in den Startlöchern“ weiterlesenWintersaison am Manaslu endet ohne Gipfelerfolg
Der Achttausender Manaslu im Westen Nepals bleibt eine kaum einnehmbare Winterfestung. Mit den Spaniern Alex Txikon und Inaki Alvarez und ihrem Sherpa-Team warfen am Wochenende auch die letzten Bergsteiger am achthöchsten Berg der Erde das Handtuch.
„Wir waren sehr nah dran, aber am Ende war es nicht möglich“, sagte Alex Txikon. „Die Wettervorhersagen zeigen für mindestens 10 Tage keine Besserung und danach wissen wir nicht, wie es weitergeht. Es ist also sehr riskant, die Genehmigung zu verlängern.“ Das Permit der nepalesischen Regierung galt nur bis zum 28. Februar, dem Ende des meteorologischen Winters. Zweimal waren Txikon und Co. bis auf eine Höhe von rund 7000 Metern vorgedrungen, ehe schlechtes Wetter und große Schneemengen sie zur Umkehr gezwungen hatten.
„Wintersaison am Manaslu endet ohne Gipfelerfolg“ weiterlesenAuch der zweite Manaslu-Gipfelversuch gescheitert
Wieder nichts. Zum zweiten Mal innerhalb von fünf Tagen endete für das Team um den Spanier Alex Txikon am Achttausender Manaslu im Westen Nepals ein Gipfelversuch auf einer Höhe von etwa 7000 Metern. Wie schon am vergangenen Sonntag machte offenbar auch heute das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Txikon, sein spanischer Landsmann Inaki Alvarez und die Sherpas Chhepal, Gelum and Namja machten kehrt und stiegen ins Basislager zurück. „Die Vernunft hat uns dazu bewogen, auf 7050 Metern umzudrehen, als wir die Rampe in Richtung Lager 4 vor uns hatten“, sagt Alex. „Die Sicherheit des Teams steht über allem, und wenn wir bei diesem Wind weitergegangen wären, hätten wir es sicher nicht geschafft.“
„Auch der zweite Manaslu-Gipfelversuch gescheitert“ weiterlesenZweiter Gipfelversuch am Manaslu – ohne Simone Moro
Es wird ein Wettlauf gegen die Zeit. Für Samstag werden am 8163 Meter hohen Manaslu im Westen Nepals wieder starke Höhenwinde erwartet. Nichtsdestotrotz brachen die Spanier Alex Txikon und Inaki Alvarez, der Italiener Simone Moro und die drei Sherpas Chhepal, Gelum und Namja gestern zu einem weiteren Gipfelversuch auf. Moro drehte jedoch in Lager 1 auf gut 5700 Metern wieder um, nachdem er mit dem österreichischen Meteorologen Karl Gabl gesprochen hatte.
„Zweiter Gipfelversuch am Manaslu – ohne Simone Moro“ weiterlesenManaslu-Gipfelversuch endet auf rund 7000 Metern
Die gute Nachricht zuerst: Alle Bergsteiger am Achttausender Manaslu im Westen Nepals sind von ihrem Gipfelversuch wohlbehalten ins Basislager zurückgekehrt. Die weniger gute Nachricht: Die harte Arbeit, die das Team um Alex Txikon in den vergangenen Tagen geleistet hat, war letztlich vergebens. Laut Txikon war am Sonntag, dem ursprünglich geplanten Gipfeltag, auf über 7000 Metern Endstation. „Der Wind und der Schnee haben uns zur Umkehr gezwungen“, ließ der 39 Jahre alte Spanier gestern nach der Rückkehr ins Basislager wissen.
Durch teilweise hüfthohen Schnee hatten sich die Bergsteiger nach oben gewühlt. „Wir haben uns sehr angestrengt, aber es hat sich gelohnt“, legte Alex heute nach. „Wir haben unter Kälte, Hunger und Angst gelitten. Jetzt, im Basislager, realisieren wir erst richtig, was wir geschafft haben. Uns hat nur ein Tag gefehlt. Jetzt freuen wir uns auf eine weitere gute Chance. Los, los, looos!“
In dieser Woche werden jedoch am achthöchsten Berg der Erde zunächst weitere Schneefälle erwartet. Bei einem neuerlichen Gipfelversuch müssten sich die Bergsteiger wahrscheinlich wieder durch tiefen Schnee kämpfen, Lawinengefahr inklusive.
„Manaslu-Gipfelversuch endet auf rund 7000 Metern“ weiterlesen













