Ich erinnere mich noch gut an die Reaktion von Everest-Legende Apa Sherpa. Als ich 2013 – anlässlich des 60. Jahrestags der Everest-Erstbesteigung – prophezeite, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis Apas damalige Bestmarke von 21 Gipfelerfolgen am höchsten Berg der Erde gebrochen würde, war der Sherpa verstimmt. Er hatte das Gefühl, ich bringe seiner Leistung nicht den nötigen Respekt entgegen – was nicht stimmte. Aber es war schon absehbar, dass in nicht allzu ferner Zeit andere häufiger als er den Everest bestiegen haben würden.
Heute stand Kami Rita Sherpa zum 32. Mal auf dem „Dach der Welt“ – möglicherweise zum letzten Mal in seiner Karriere. „Wenn ich mich 2026 vom Everest-Bergsteigen zurückziehe, möchte ich weiterhin Trekkingtouren und andere Abenteueraktivitäten unternehmen,“ sagte der 56-Jährige vor seinem diesjährigen Aufbruch zum höchsten Berg der Erde.
„Demut ist alles“
Seinen ersten Everest-Gipfelerfolg feierte Kami Rita bereits 1994. Bis heute folgten 31 weitere Aufstiege des bescheidenen Mannes aus dem Dorf Thame im Khumbu-Gebiet. „Wenn ich auf dem Everest bin, bin ich total fokussiert“, schreibt der nepalesische Bergsteiger in seinem Ratgeber „How to climb Everest“. Die Sehnsucht nach der Familie, Heimweh, all das müsse man „beiseiteschieben und stattdessen den Berg zu deinem Zuhause machen“. Dazu müsse die körperliche Fitness kommen.
Doch auch dies reiche noch nicht aus, so der Sherpa, der häufiger als jeder andere Mensch auf dem Gipfel des Everest stand: „Viele Leute denken, weil sie in guter Form sind, werden sie nicht unter der Höhe leiden, aber manchmal sind es die fittesten Leute, die die größten Probleme bekommen. Wenn es um Berge geht, ist Demut alles.“
Elfter Everest-Streich für Lhakpa Sherpa
Die Frau mit den meisten Everest-Besteigungen ist seit Langem Lhakpa Sherpa. Die 52 Jahre alte Nepalesin, die in den USA lebt und arbeitet, erreichte heute zum elften Mal den Gipfel auf 8849 Metern. Es war ihr dritter Erfolg auf der nepalesischen Südseite des Bergs, acht Mal stieg sie über die tibetische Nordseite auf.

Dutzende Bergsteigerinnen und Bergsteiger standen heute auf dem Gipfel des Mount Everest. Alleine die beiden nepalesischen Veranstalter Seven Summit Treks und 8K Expeditions brachten zusammen mehr als 50 Kunden auf den höchsten Punkt der Erde.
Fixseilteams an den Gipfeln von Lhotse und Nuptse – Harila ohne Atemmaske auf Nuptse
Am benachbarten Lhotse erreichte heute – wie erwartet – das fünfköpfige Fixseil-Team unter Leitung von Mingma Dorchi Sherpa den Gipfel auf 8516 Metern. Damit ist auch diese Route für die kommerziellen Teams offiziell eröffnet.
Mingtemba Sherpa, der bereits das Fixseil-Team am Everest angeführt hatte, war auch für die Sicherung der Route am 7861 Meter hohen Nuptse zuständig. Er führte heute Kristin Harila auf den Gipfel. Die Kundin aus Norwegen verzichtete bei ihrem Aufstieg auf Flaschensauerstoff.
„Das war seit vielen Jahren mein großer Traum“, ließ die 40-Jährige via Instagram wissen. „Jetzt konzentriere ich mich darauf, sicher wieder herunterzukommen.“ Wie berichtet, hat sich Kristin vorgenommen, in dieser Saison die sogenannte „Triple Crown“ – Besteigungen von Everest, Lhotse und Nuptse – ohne Atemmaske zu schaffen. Teil 1 ist ihr gelungen.
