Die Sommer-Klettersaison im Karakorum ist gerade erst angelaufen, da gibt es schon den ersten Todesfall zu beklagen. Nach pakistanischen Medienberichten kam der französische Skibergsteiger Guillaume Pierrel bei einem Lawinenunglück am 7282 Meter hohen K6 ums Leben. Pierrels Team sei auf etwa 5000 Metern von den Schneemassen getroffen worden, sagte Ishaq Ali, Chef des pakistanischen Expeditionsanbieters North Pakistan Adventure, der Zeitung „Dawn“. Pierrels Begleiter, die Skibergsteiger Christina Lustenberger aus Kanada und Boris Langenstein aus Frankreich, hätten das Unglück unbeschadet überstanden, so Ali.
Der K6 wurde 1970 von einer österreichischen Expedition unter Leitung von Eduard Koblmüller erstmals bestiegen. 2020 gelang Priti und Jeff Wright aus den USA im Alpinstil die Traverse vom Westgipfel (7040 Meter) zum bis dahin noch unbestiegenen Mittelgipfel (7100 Meter).
Zahlreiche extreme Skiabfahrten
Guillaume, genannt „Gee“ Pierrel gehörte zu den besten Skibergsteigern der Welt. Der 1983 in den Vogesen geborene Franzose sorgte mit zahlreichen extremen Skiabfahrten für Schlagzeilen. Pierrel hatte auch eine Filmproduktionsfirma und dokumentierte seine Abenteuer selbst.

So fuhr Gee 2021 vom Gipfel des Gasherbrum II ab, nachdem er den Achttausender mit drei Landsleuten im Alpinstil auf der selten begangenen Route über den Süd- und dann den Ostgrat bestiegen hatte. Pierrel ließ weitere Meilensteine des Skibergsteigens folgen. So gelang ihm (mit Boris Langenstein) 2022 in den französischen Alpen die Abfahrt durch das Couloir „Le Linceul“ in der Nordwand der Grandes Jorasses (4208 Meter).
2024 eröffnete er (mit Christina Lustenberger) eine extrem anspruchsvolle Abfahrtsroute am Aoraki (3724 Meter), auch als Mount Cook bekannt, dem höchsten Berg Neuseelands. 2025 schaffte Pierrel (wieder gemeinsam mit Lustenberger) die bahnbrechende Skiabfahrt durch die Südwand des Mount Robson (3954 Meter) in Kanada.
„Geht euren eigenen Weg!“

Welche Botschaft er jungen Menschen mitgebe, die ihm nacheifern wollten, fragte einer seiner Sponsoren den französischen Top-Skibergsteiger. „Macht nicht einfach das nach, was schon einmal gemacht wurde“, antwortete Gee Pierrel, „sondern geht euren eigenen Weg und glaubt an euch selbst!“
Update 26. Juni: Ein vierköpfiges pakistanisches Rettungsteam hat den Körper des tödlich verunglückten Gee Pierrel vom K6 geborgen.
