Luis Stitzinger: „Aktuell Stillstand am Everest“

Luis Stitzinger

Die Ausläufer des Wirbelsturms „Fani“ haben auch den Mount Everest erreicht. Von beiden Seiten des höchsten Bergs der Erde werden heftige Winde und Schneefall gemeldet. Den Expeditionsteams bleibt nichts anderes übrig, als das schlechte Wetter im Basislager auszusitzen. Luis Stitzinger ist für den österreichischen Expeditionsveranstalter „Furtenbach Adventures“ auf der tibetischen Nordseite des Everest. Ich habe Kontakt zu dem 50-jährigen Deutschen aufgenommen, der bereits acht Achttausender bestiegen hat, allesamt ohne Flaschensauerstoff.

Luis, du warst in den vergangenen Tagen zum ersten Mal in dieser Saison am Nordsattel auf 7000 Metern. Wie sind die Verhältnisse am Berg?

Neuschnee im vorgeschobenen Basislager

Die Verhältnisse sind allgemein gut, auf der Ostseite des Nordsattels (Aufstiegsseite) hatte es nur einigen Triebschnee und etwas Lawinengefahr, sodass sich die Versicherungsarbeiten etwas verzögerten. Die Route wird voraussichtlich im Vergleich zu anderen Jahren erst später fertiggestellt sein, nachdem nun der Jetstream über uns liegt und auf etwa eine Woche nichts groß weitergehen wird.

Vor der Saison wurde berichtet, dass es am Nordsattel auf 7000 Metern diesmal „Öko-Toilettengeben werde, aus denen die menschlichen Abfälle gesammelt und abtransportiert würden. Stehen diese „Toilettenschon dort und wenn ja, wie hat man sie sich vorzustellen?

Am Nordsattel ist dahingehend noch nichts passiert, in allen anderen Lagern (BC 5200 m, Middle Camp 5800 m, ABC 6400 m) werden die Exkremente in Chemiefässern aufgefangen, die von den Teams vom Berg abtransportiert werden müssen. Ein System ähnlich wie am Denali oder Aconcagua. Das ist sehr lobenswert und wird, was ich gesehen habe, auch von allen eingehalten. Auch die Sammlung und der Abtransport von Müll werden sehr streng gehandhabt.

Die chinesischen Behörden hatten angekündigt, die Zahl der Permits in diesem Jahr auf 300 zu begrenzen. Wie viele Bergsteiger sind denn de facto im ABC?

Nordseite des Mount Everest

Gerüchte beliefen sich zunächst auf etwa 150, ich habe aber jetzt, da tatsächlich alle Teams da sind, den Eindruck, dass es mehr sein müssen, aber die 300 wohl nicht stark überschritten sein dürften, da es nirgends am Berg zu großen Aufläufen kommt. Wenn ich den Liaison Officer das nächste Mal treffe, erkundige ich mich nach der offiziellen Zahl.

Gibt es eine Zusammenarbeit der diversen Teams auf der Nordseite?

Keine nennenswerte, außer unter Veranstaltern/Expeditionsleitern, die untereinander befreundet sind. Dies ist aber auch auf der Nordseite des Everest vielleicht weniger erforderlich als an anderen Bergen, da das chinesische Fixing-Team (das für die Verlegung der Fixseile zuständig ist) den Part übernimmt, bei dem üblicherweise die größte Kooperation unter den Teams erforderlich ist.

Wie sieht es mit deinen persönlichen Ambitionen aus, den Everest ohne Flaschensauerstoff zu versuchen?

Die sind immer noch hoch, und hoffentlich ergibt sich nach der Führung noch eine Chance dazu gegen Ende der Saison. Aber eins nach dem anderen, zunächst hat absolute Priorität, alle Teilnehmer erfolgreich und sicher auf den Berg und wieder hinunter zu begleiten.

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