Offener Brief in Sachen Nims und Shishapangma

Nirmal Purja

Liebe chinesisch-tibetischen Behörden, nun liegt es an euch, ob Nirmal, genannt „Nims“ Purja sein „Project Possible“ – alle 14 Achttausender in sieben Monaten – erfolgreich abschließen kann oder nicht. Heute hat er auch den 8163 Meter hohen Manaslu bestiegen, den achthöchsten Berg der Erde. Es war der 13. Achttausender für den 36 Jahre alten Nepalesen seit Ende April, als der frühere Soldat des britischen Gurkha-Regiments den Reigen mit dem Erfolg an der Annapurna eröffnete. Nun fehlt ihm nur noch die Shishapangma, mit 8027 Meter Höhe der „kleinste“ Achttausender. Und damit kommt ihr ins Spiel.

Ihr habt die Shishapangma, die komplett auf tibetischem Territorium liegt, für diesen Herbst gesperrt. Aus Sicherheitsgründen, wie es heißt. Ob ihr damit die Sicherheit am Berg meint oder eher allgemein jene in Tibet, sei dahingestellt. Schließlich wird am 1. Oktober der 70. Geburtstag der Volksrepublik China gefeiert – und nicht allen Tibetern dürfte dabei nach Feiern zumute sein. Aber lassen wir die Politik beiseite und tun so, als ob es euch bei der Weigerung, Herbst-Permits für die Shishapangma auszustellen, ausschließlich um die Sicherheit am Berg geht.

Shishapangma

Die ist durch Nirmal Purja und sein starkes „Project Possible“-Team nun wirklich nicht gefährdet. Auch unter schwierigsten Bedingungen – etwa am Dhaulagiri oder am K 2 – haben Nims und Co. die Gipfel der anderen 13 Achttausender erreicht, dank ihrer Stärke und Entschlossenheit. Sie würden auch an der Shishapangma kein Harakiri-Bergsteigen veranstalten. Sie nähmen die Normalroute und würden wahrscheinlich auch Flaschensauerstoff verwenden. Wenn ihr wollt, legen sie bestimmt sogar Fixseile bis zum höchsten Punkt.

Wie wäre es damit? Ihr lasst Nims gewähren und schickt eine chinesische Expedition in seinen Fußstapfen hinterher, unter anderem mit Luo Jing. Dann hätte Luo wirklich die 14 Achttausender voll, als erste Frau aus dem „Reich der Mitte“. Das hattet ihr ja schon im Herbst 2018 verkündet – bis sich herausstellte, dass die chinesische Expedition „nur“ den 8008 Meter hohen Mittelgipfel erreicht hatte, nicht aber den Hauptgipfel der Shishapangma.

Auf diesem Weg würdet ihr zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen könntet ihr euch für eure Großherzigkeit feiern lassen, Nims Purja „Project Possible“ nicht unmöglich gemacht zu haben. Zum anderen könntet ihr den möglichen Erfolg der chinesischen Expedition noch propagandatechnisch ausschlachten. Also gebt euch einen Ruck und stellt Nirmal Purja ein Permit für die Shishapangma aus! Bergsportfans in aller Welt, die Nims die Daumen drücken, würden euch dafür feiern. Wir sagen auch ganz höflich bitte. Wenn es sein muss, sogar zweimal: Bitte, bitte!

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