Samina Baig: Für die Frauen auf den K2

Samina Baig (r.) im K2-Basislager

Samina Baig lebt ihre Träume. Einen weiteren will sich die bekannteste Bergsteigerin Pakistans am K2 erfüllen: Als erste Frau ihres Heimatlandes will sie in diesem Sommer auf dem 8611 Meter hohen Gipfel stehen. Mit ihrem pakistanischen Team traf die 30-Jährige am vergangenen Donnerstag im Basislager zu Füßen des zweithöchsten Bergs der Erde ein. Wieder einmal will Samina eine Lanze für ihre Landsfrauen brechen. „Als Frau ist meine Botschaft an die Menschen, ihre Töchter zu ermutigen und zu unterstützen und sie ihren eigenen Beruf wählen zu lassen“, sagte die Bergsteigerin vor ihrem Aufbruch in den Karakorum. „Lasst sie ihre eigenen Zeichen setzen!“

Erste pakistanische Frau auf dem Everest

Baig stammt aus dem kleinen Bergdorf Shimshal in Gilgit-Baltistan im Norden Pakistans. Als jüngstes von sechs Kindern entdeckte sie schon früh ihre Leidenschaft für die Berge. „Wenn ich als als kleines Kind gefragt wurde, was ich später im Leben einmal werden wolle, antwortete ich gewöhnlich: Ich will Bergsteigerin werden“, sagt Samina (s. Video unten). „Alle haben über mich gelacht, weil es jenseits der Vorstellungskraft lag, dass ein Mädchen eine Bergsteigerin sein könnte.“

Sie ließ sich davon nicht entmutigen. 2010 bestieg sie im Shimshal-Tal mit einem Team, zu dem auch ihr Bruder und Bergsteiger-Mentor Mirza Ali Baig gehörte, den rund 6000 Meter hohen Chaskin Sar. Heute heißt er Samina Peak. Er wurde umbenannt, nachdem Samina Baig 2013 als erste Frau aus Pakistan den Mount Everest bestieg (mit Flaschensauerstoff).

Damals war sie 22 Jahre alt. Ein Jahr später komplettierte sie als erster Mensch aus Pakistan die Sammlung der Seven Summits, der höchsten Berge aller Kontinente. Ihr Bruder Mirza Ali, der Samina das Bergsteigen beigebracht hatte, begleitete sie auf sechs der sieben Gipfel, lediglich am Everest drehte er auf 8600 Metern um. 2019 stand er dann selbst ganz oben.

Für gleiche Chancen von Frauen

Samina Baig

Samina Baig gehört zu den bekanntesten Frauen Pakistans und nutzt ihre Popularität. So setzt sie sich seit 2017 als Sonderbotschafterin des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) in ihrem Heimatland für nachhaltige Entwickung ein, insbesondere mit Blick auf den Klimawandel, den Umweltschutz und die Chancengleichheit von Frauen. 2020 beriet Baig die Interimsregierung der Provinz Gilgit-Baltistan in Sachen Sport, Tourismus und Kultur.

Dass Bergsteigerinnen im öffentlichen Bewusstsein Pakistans bisher so gut wie nicht vorkommen, wurde Samina spätestens 2018 bewusst. Damals wollte sie eine pakistanische Frauen-Expedition zum Mount Everest organisieren. Das Projekt scheiterte an mangelnder Unterstützung.

Vor ihrer K2-Expedition appellierte Baig an die Regierung von Ministerpräsident Imran Khan, einem früheren pakistanischen Kricket-Star, das Bergsteigen finanziell in ähnlichem Maße zu unterstützen wie traditionelle Sportarten. Dann würde es sicher auch mehr pakistanische Frauen in die Berge ziehen, sagt Samina: „Ich möchte sie ermutigen, das Bergsteigen auszuprobieren. Bisher gehen Frauen höchstens zum Trekking in die Berge.“

Ihr Versuch am K2 wird übrigens von einem pakistanischen Mobilfunk-Unternehmen gesponsert. Der Konzern hat am Concordia-Platz, rund zwölf Kilometer vom K2-Basislager entfernt, einen neuen Sendemast aufgestellt. Seitdem können die Bergsteiger an den Achttausendern K2, Broad Peak, Gasherbrum I und II mit 4G im Internet surfen.