Soria, Hamor, Colisabanu, Gane, Troguet: Auf zum Dhaulagiri!

Carlos Soria

Eigentlich könnte man den Dhaulagiri, den „weißen Berg“, fast umbenennen: in Soriagiri, „Sorias Berg“. Zum nun schon elften Mal (wie er selbst sagt – laut Himalayan Database ist es sogar schon das zwölfte Mal seit 1998) versucht der Spanier Carlos Soria, den 8167 Meter hohen Dhaulagiri im Westen Nepal zu besteigen. Zusammengenommen mehr als anderthalb Jahre seines Lebens hat Carlos am siebthöchsten Berg der Erde verbracht. Einmal, im Herbst 2017, war Soria fast oben. Auf 8050 Metern musste er umkehren, weil er und seine Mitstreiter im Gipfelbereich die Orientierung verloren und das falsche Couloir erwischt hatten.

Was seine Hartnäckigkeit am Dhaulagiri noch ausgewöhnlicher macht, ist Carlos‘ Alter: Stolze 82 Lenze zählt er inzwischen. Zwölf Achttausender hat der ehemalige Polsterer, der in der Kleinstadt Moralzarzal nahe Madrid lebt, schon bestiegen – elf davon mit über 60. Nur der Dhaulagiri und die Shishapangma fehlen ihm noch in seiner Sammlung. Er hält die Altersrekorde am K 2 (65 Jahre), Makalu (69, damals stieg er solo und ohne Flaschensauerstoff auf), Gasherbrum I (70), Manaslu (71), Lhotse (72), Kangchendzönga (75) und an der Annapurna (77).

Noch nie Retter in Anspruch genommen

Dhaulagiri

„Aber der Rekord, über den ich mich am meisten freue, ist, dass ich in meinen 68 Jahren als Bergsteiger noch niemals von einem Berg heruntergeholt werden musste, ich bin immer alleine heruntergekommen. Und ich habe mir noch niemals eine Erfrierung zugezogen“, sagte Carlos in einem Youtube-Video (s.u.), mit dem er seinen neuerlichen Anlauf am Dhaulagiri ankündigte. Wie viele andere Bergsteiger, hatte die Corona-Pandemie im vergangenen Jahr auch Soria ausgebremst. „Ich will zeigen, dass wir älteren Menschen noch viele Träume haben, viel Lebenswillen. Wir haben eine sehr schlimme Zeit hinter uns. Und es gibt Menschen, die ich ermutigen möchte, sich diesen Lebenswillen zu erhalten.“

Von Carlos‘ Willen könnten sich viele jüngere Bergsteiger eine Scheibe abschneiden. Ende 2018 wurde ihm eine Knieprothese eingesetzt. Neun Monate später brach er wieder zum Dhaulagiri auf – und scheiterte abermals. Auch für seine Expedition in diesem Frühjahr hat er wieder hart trainiert: frühmorgens auf dem Ergometer in seiner Garage und anschließend in den heimischen Bergen der Sierra de Guadarrama.

Am 5. April will Soria nach Nepal aufbrechen. Sollte es diesmal endlich am Dhaulagiri klappen (mit Flaschensauerstoff), will er im Herbst auf die Shishapangma steigen und damit seine Achttausender-Karriere abschließen. „Danach werde ich andere Dinge machen. Es gibt auch weiter unten schöne Berge“, sagte Carlos gegenüber dem spanischen Portal „Uppers“: „Ich werde weiterhin das tun, was mein Körper und mein gesunder Menschenverstand mir gestatten. Etwas erzwingen zu wollen, macht keinen Sinn.“

Versuche ohne Flaschensauerstoff

Peter Hamor (l.) und Horia Colibasanu (r.)

Der Slowake Peter Hamor hat bereits alle 14 Achttausender bestiegen – bis auf den Mount Everest alle ohne Flaschensauerstoff. 2017 schloss er die Sammlung mit dem Dhaulagiri ab. Auch der Rumäne Horia Colibasanu hat schon neun Achttausender ohne Atemmaske bestiegen, darunter 2011 den Dhaulagiri. Dort wollen Peter und Horia jetzt gemeinsam eine neue Route über den noch unbegangenen Nordwestgrat vollenden. Im Frühjahr 2019 waren sie wegen schlechten Wetters nicht höher als 5600 Meter gelangt. Dritter im Bunde ist wie vor zwei Jahren der Rumäne Marius Gane.

Über die Normalroute, aber ebenfalls ohne Flaschensauerstoff will die 28 Jahre alte Bergsteigerin Estefania („Stefi“) Troguet aus Andorra den Gipfel des Dhaulagiri besteigen. 2019 stand sie auf den Gipfeln von Nanga Parbat und Manaslu, ohne Atemmaske. Stefi, die fleißig auf den sozialen Netzwerken unterwegs ist und dort niemals ohne rot geschminkte Lippen zu sehen ist, hat angekündigt, dass sie alle Achttausender ohne Flaschensauerstoff besteigen will. Für den kommenden Sommer hat sie sich im Karakorum in Pakistan den K2 und den Broad Peak vorgenommen.

P.S.: Carlos Soria beklagt sich übrigens darüber, das niemand ihn sponsern will. Er führt das auf die schwierige wirtschaftliche Lage durch die Pandemie zurück – und auf sein hohes Alter. Sollte sich also ein Unternehmen angesprochen fühlen, nur zu!