Trauer um Robert Grasegger

Robert Grasegger (1992-2022)

Ein aufgehender Stern am deutschen Bergsteiger-Himmel ist viel zu früh erloschen. Bei einem Lawinenunglück in Patagonien kam Robert Grasegger ums Leben. Der Bergsteiger aus dem Zugspitzdorf Grainau bei Garmisch-Partenkirchen wurde nur 29 Jahre alt. Seine Freundin, eine 28 Jahre alte Österreicherin, wurde schwer verletzt geborgen, ihr Zustand ist nach argentinischen Medienberichten stabil.

Von Nassschneelawine mitgerissen

Die Aguja Guillaumet

Gemeinsam mit einem deutschen Teamgefährten hatten die beiden am vergangenen Donnerstag versucht, die Aguja Guillaumet zu besteigen, einen 2579 Meter hohen Granitgipfel im Massiv des Fitz Roy. Grasegger und seine Freundin stiegen ein 45 Grad steiles Schneefeld hinauf, als sie von einer Nassschneelawine erfasst und in das darunter liegende Geröllfeld mitgerissen wurden.

Ihr deutscher Teamgefährte, der sich zum Zeitglück des Unglücks in den Felsen am Rande aufhielt, kümmerte sich zunächst um die beiden Schwerverletzten. Dann holte er Hilfe. Die Retter trafen am späten Donnerstagabend ein, fanden in der Dunkelheit die Österreicherin, aber nicht Grasegger. Erst am Freitagmorgen entdeckten sie die Leiche des deutschen Bergsteigers.

„Die Ziele gehen mir nicht aus!“

Sein Leben waren die Berge

Im November hatte Robert Grasegger seine Bergführer-Ausbildung beendet – mit dem Zertifikat des Bergführer-Weltverbands IFMGA. Parallel dazu hatte er sich in den vergangenen Jahren in der Bergsteiger-Szene einen Namen gemacht, vor allem mit Erstbegehungen beim Eis- und Mixedklettern in den Alpen.

„Die Touren wurden immer größer, doch die Ziele gehen mir bis heute nicht aus“, schrieb Robert. „Ich liebe es, die Welt kletternd zu entdecken: Von einer Skibesteigung des Elbrus über Bolivien und Patagonien bis hin zur Nose am El Cap war alles dabei.“

Zu den vielen Seilpartnerinnen und -partnern Graseggers gehörte unter anderen der britische Topkletterer Tom Livingstone – aber auch auch die frühere deutsche Weltklasse-Biathletin Laura Dahlmeier, eine begeisterte Kletterin.

Mit dem Rad durch die Alpen

Zuletzt war Robert überwiegend mit seiner österreichischen Freundin in den Bergen unterwegs. Im vergangenen Sommer hatten die beiden mit dem Fahrrad von Innsbruck aus die Südalpen bis nach Slowenien durchquert, einige Klettertouren gemacht und auch den Triglav bestiegen, den höchsten Berg Sloweniens.

R.I.P.

Zum Jahreswechsel hatte Robert seinen Sponsor gewechselt. „Ich freue mich auf neue Abenteuer“, schrieb er in seinem letzten Instagram-Post an Neujahr. Dazu sollte es leider nicht mehr kommen. Zuvor hatte er einmal, als er sein Leben in den Bergen beschrieb, das Zitat gesetzt: „Die Berge können dir viel geben, aber auch alles nehmen.“ Als hätte er es geahnt.