Wie viele 8000er-Winterexpeditionen bleiben übrig?

Mingma Gyalje Sherpa auf dem Gipfel des K2 (im Sommer 2017)

Der meteorologische Winter hat begonnen, der kalendarische steht vor der Tür. Und doch ist noch immer nicht ganz klar, wie viele Achttausender-Winterexpeditionen in dieser kalten Jahreszeit wirklich zustande kommen. Die bereits im September angekündigte Expedition von Mingma Gyalje Sherpa (Nepal), John Snorri Sigurjonsson (Island) und Gao Li (China) zum K2, dem einzigen noch nicht im Winter bestiegenen Achttausender, steht wegen finanzieller Probleme auf der Kippe. „Wir haben unser Geld zusammengelegt, alles durchkalkuliert und festgestellt, dass es nicht reicht“, schreibt Mingma auf Facebook. „Weil es sich um Winterbergsteigen handelt, gibt es riesige versteckte Kosten.“ Der 33-Jährige, der den K2 bereits zweimal im Sommer bestieg, hat eine Crowdfunding-Aktion (hier klicken) gestartet, um über Internetspenden die offenkundig noch fehlende Summe von 75.000 US-Dollar hereinzuholen.

Urubko: „K2 nur Ziel Nummer zwei“

Denis Urubko auf dem Gasherbrum II (am 18. Juli)

Denis Urubko, der einen polnischen und einen russischen Pass hat, und der Kanadier Don Bowie (die beiden werden von der früheren „Miss Finnland“, Lotta Hintsa begleitet – wie ernst ich das nehmen soll, weiß ich, ehrlich gesagt, nicht) haben wie Mingma und Co. ein Permit für den K2 – und für den Broad Peak. „Ich weise ganz klar darauf hin, dass der K2 nur das Ziel Nummer 2 ist“, sagte Urubko in einem Interview mit „Przeglad Sportowy“ aus Polen. „Wenn es uns gelingt, den Broad Peak zu besteigen, wir aber erschöpft sind, ist es besser, den K2 nicht anzugehen. Es wäre riskant und gefährlich.“

Franzosen nur mit Trekking-Permit?

Der K2, der zweithöchste Berg der Welt

Mit den Franzosen Vincent Saura und Jonathan Bordes hat ein weiteres Team einen K2-Winterversuch angekündigt. Angeblich haben die beiden in der Szene noch weitgehend unbekannten Bergsteiger jedoch nur ein Trekking-Permit und damit keine Erlaubnis, den zweithöchsten Berg der Erde zu besteigen. „Explorersweb“ berichtete vor einigen Tagen, dass die Franzosen in Skardu festgehalten worden seien, weil sie für ein Trekking viel zu viel Ausrüstung dabei gehabt und allerorts damit geprahlt hätten, den Berg besteigen zu wollen.

Solche Probleme wird das italienische Duo Tamara Lunger/Simone Moro nicht bekommen. Die beiden haben die Erlaubnis der pakistanischen Behörden, den Gasherbrum I und den Gasherbrum II zu besteigen. Wie berichtet, planen Tamara und Simone eine Doppelüberschreitung dieser beiden Achttausender, wie sie bisher nur den Südtirolern Reinhold Messner und Hans Kammerlander im Sommer 1984 gelungen war.

Kobusch auf drei Sechstausendern

Jost Kobusch auf dem Gipfel des Amotsang

In Nepal geht es derweil für den deutschen Bergsteiger Jost Kobusch „so langsam in die richtig heiße Phase“ seiner Everest-Winterexpedition, wie er es selbst auf Facebook formuliert. Seit zweieinhalb Monaten hält sich der 27-Jährige bereits in dem Himalaya-Staat auf, um sich in aller Ruhe zu akklimatisieren. In dieser Zeit gelang Jost im Westen Nepals im Alleingang die Erstbesteigung des 6393 Meter hohen Amotsang. Außerdem bestieg er nach eigenen Angabeen die Sechstausender Chulu Far East (6059 Meter) und Pachermo (6273 Meter). Kobusch will den Mount Everest von der Südseite aus angehen, über den Lho La (einen 6000 Meter hohen Pass nach Tibet) auf den Westgrat und dann durch das Hornbein-Couloir zum Gipfel steigen – ohne Flaschensauerstoff, im Alleingang.

An einen Gipfelerfolg im ersten Versuch scheint Jost selbst nicht so recht zu glauben. „Seien wir mal realistisch“, sagte er mir vor seiner Abreise nach Nepal. „Falls ich überhaupt 8000 Meter erreiche, wäre das schon ein Mega-Erfolg. Es ist ein gigantisches Projekt. Es geht erst einmal darum herauszufinden, was unter diesen Bedingungen überhaupt möglich ist. Vielleicht komme ich wieder und ich sage dir dann: Nein, vergiss die Route, so lässt es sich nicht lösen.“ 

Auch Txikon zieht es zum Everest

Alex Txikon 2018 im Everest-Basislager

Im Januar wird Jost am Everest Gesellschaft von Alex Txikon erhalten. Der Spanier kündigte heute an, dass er zum dritten Mal nach 2017 und 2018 versuchen werde, den höchsten Berg der Erde im Winter zu besteigen. Zur Vorbereitung startet der 37-Jährige in der nächsten Woche zu einer Expedition zu den Südlichen Shetland-Inseln in der Antarktis. Anschließend will Alex mit seinem Team die Ama Dablam (6,812 Meter) im Khumbu-Gebiet besteigen, ehe er sich auf den Weg zum Everest-Basislager machen will.

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