8000er-Winterexpeditionen: Schon oder noch nicht im Basislager

Denis Urubko am Broad Peak

Das Jahr kippt ins nächste. Höchste Zeit, noch einmal einen kurzen Blick auf die 8000er-Winterexpeditionen zu werfen, die uns Anfang 2020 in Atem halten werden. Der gebürtige Kasache Denis Urubko, inzwischen Russe mit polnischem Pass (oder Pole mit russischem), der Kanadier Don Bowie und die Finnin Lotta Hintsa haben ihr Basislager am Broad Peak bezogen. Alle drei kämpften während des Trekkings über den Baltoro-Gletscher mit Krankheiten und mussten Antibiotika schlucken. Offenbar haben sie aber das Schlimmste hinter sich. Denis und Lotta legten ein erstes Materialdepot auf 5100 Metern an. „Wir versuchen jetzt, auch unser letztes Teammitglied Don Bowie in den Kampfmodus zu bekommen“, schrieb Lotta gestern auf Instagram.  „Heute war der erste Tag, an dem sich meine Lungen frei anfühlten“, ließ Don am vergangenen Samstag wissen. „In ein paar Tagen sollte ich bereit sein zu klettern.“

Das italienische Duo Tamara Lunger und Simone Moro dürfte heute das Basislager zu Füßen der Gasherbrum-Gruppe erreicht haben. Gestern meldeten sie sich vom Concordiaplatz, der vorletzten Station ihres Baltoro-Trekkings. Die beiden haben sich die Winterbesteigung des Gasherbrum I und wenn möglich auch des Gasherbrum II vorgenommen.

„Es fühlt sich groß an“

Jost Kobusch

Am Mount Everest hat der deutsche Bergsteiger Jost Kobusch laut seinem Live-Tracker am 28. Dezember einen ersten Erkundungsausflug zum Fuße des Lho La gemacht, einem 6006 Meter hohen Pass nach Tibet. Von dort aus will er über den Everest-Westgrat Richtung Hornbein-Couloir in der Nordwand aufsteigen – solo und ohne Flaschensauerstoff. „Ich liebe es, ‚akzeptiertes Denken‘ herauszufordern. Ich bin total aufgeregt und freue mich wirklich dass jetzt alles startet. Es fühlt sich alles groß und bedeutungsvoll an“, schrieb der 27-Jährige am ersten Weihnachtstag auf Facebook.

Txikon mit Gipfelerfolg in der Antarktis

Alex Txikon in der Antarktis

Noch weit weg von ihren Winter-Zielorten sind der Spanier Alex Txikon und der Nepalese Mingma Gyalje Sherpa und ihre Mitstreiter. Alex und Co. bestiegen am zweiten Weihnachtstag in der Antarktis einen „Gipfel, von dem wir nicht wissen, ob jemals zuvor jemand oben gewesen ist“, wie der Spanier auf Facebook schrieb. Von der Antarktis wird Txikon nach Nepal reisen, um – nach einem Winterversuch an der 6812 Meter hohen Ama Dablam – zum dritten Mal nach 2017 und 2018 den Everest anzugehen. Wie Kobusch will auch Alex auf Flaschensauerstoff verzichten. Im Winter 2019 hatte sich Txikon vergeblich am K2 versucht – dem letzten noch niemals in der kalten Jahreszeit bestiegenen Achttausender. Dorthin wollen Mingma Gyalje Sherpa und seine Teammitglieder. Mingma kehrte vor dem Jahreswechsel von seiner Expedition zum Aconcagua (die er wegen Schwierigkeiten seines doppelt beinamputierten Kunden Xia Boyu aus China ohne Gipfelerfolg beendete) nach Nepal zurück.