Kim Hong-bin: Fingerlos auf 13 Achttausendern

Kim Hong-bin

Er ist fast am Ziel seiner Träume. Am Sonntag bestieg der Südkoreaner Kim Hong-bin mit seinen Landsleuten Cho Cheol-hee und Cheong Ha-young sowie dem Nepalesen Pechhumbe Sherpa und dem Pakistaner Muhammad Hussain den 8080 Meter hohen Gasherbrum I im Karakorum. Es war Kims 13. Achttausender-Erfolg. Um seine Sammlung zu vervollständigen, muss der 54-Jährige nur noch auf den Broad Peak steigen. In diesem Falle wäre Kim der erste behinderte Bergsteiger, der auf allen 14 Achttausendern gestanden hätte. Seit 1991 fehlen ihm alle zehn Finger.

Behinderung durch Bergsteigen überwunden

Alle Finger verloren

Es passierte am 6190 Meter hohen Denali in Alaska, dem höchsten Berg Nordamerikas. Dort zog sich Hong-bin so schwere Erfrierungen zu, dass alle Finger amputiert werden mussten. In seinem Tatendrang gebremst hat Kim die Behinderung nicht, ganz im Gegenteil.  „Wenn der Unfall am Denali nicht passiert wäre, wäre ich ein ganz normaler Bergsteiger geblieben“, sagte Hong-bin einmal. „Die Not ließ mich das scheinbar Unmögliche versuchen. Ich habe die Behinderung, die mir ein Berg beibrachte, dadurch überwunden, dass ich Berge bestieg.“

Auch auf den Seven Summits

2012 auf dem Gipfel des K 2

Seine ersten beiden Achttausender-Erfolge feierte der „Mann ohne Finger“ 2006, als er den Gasherbrum II und die Shishapangma bestieg. 2007 stand Kim auf dem „Dach der Welt“ , dem Gipfel des Mount Everest, 2008 auf dem Makalu. Knapp ein Jahr später, Anfang 2009, komplettierte er mit dem Mount Vinson in der Antarktis seine Sammlung der „Seven Summits“, der höchsten Berge aller Kontinente. 

Und er bestieg weiter Achttausender: Dhaulagiri (2009), Cho Oyu (2011), K 2 (2012), Kangchendzönga (2013), Manaslu (2014), Lhotse und Nanga Parbat (beide 2017), Annapurna (2018) – und jetzt den Gasherbrum I.

Gold als alpiner Skifahrer

Koreanischer Meister

Der 1,76 Meter große Südkoreaner, der in der Stadt Gwanju im Süden des Landes lebt, ist nicht nur Höhenbergsteiger, sondern auch paralympischer Sportler. So startete er 2002 für Südkorea bei den Paralympischen Spielen in Salt Lake City und belegte in Slalom und Super G jeweils den neunten Platz. Noch im vergangenen Februar gewann er bei den koreanischen alpinen Ski-Meisterschaften der Behindertensportler Gold. Und auch als Radfahrer, Inlineskater und Sprinter in der Leichtathletik bestritt Kim erfolgreich Wettkämpfe.

Seine Träume aber lebt der 54-Jährige vor allem in den Bergen. „Ich habe mein ganzes Leben in den Bergen verbracht“, sagte Kim Hong-bin kürzlich in einem Interview. „Träume sind mehr als das Leben. Im Leben kannst du mittellos sein, aber deine Träume darfst du niemals aufgeben.“

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