Die etwas andere Frühjahrssaison in Nepal: Erstbegehungen an Sechs- und Siebentausendern

Symon Welfringer und Charles Duboulaz auf dem Gipfel des Hungchhi
Symon Welfringer (l.) und Charles Dubouloz auf dem Gipfel des Hungchhi

Fragt irgendjemanden, welcher Name eines Bergs ihm oder ihr spontan einfällt, und ihr werdet vermutlich bis auf wenige Ausnahmen die Antwort Mount Everest erhalten. Ganz einfach, weil der Höchste geradezu ein Synonym für die Berge allgemein ist. Das erklärt auch das überwältigende Interesse der breiten Öffentlichkeit, für alles, was mit dem 8849 Meter hohen Berg im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet zu tun hat. Der Everest-Hype lässt noch ein wenig Aufmerksamkeit für die anderen 13 Achttausender übrig. Aber was sich unterhalb der magischen, aber eigentlich doch willkürlichen Grenze von 8000 Metern abspielt, interessiert die breite Masse wenig bis gar nicht.

Dabei zeigt sich seit Jahren der wahre Alpinismus an den Sieben-, Sechs- oder Fünftausendern. Denn dort finden die besten Bergsteigerinnen und Bergsteiger der Welt nicht nur ihre technischen Spielwiesen, sondern auch die nötige Ruhe, um sich großen Herausforderungen zu stellen. Wie in diesem Frühjahr die beiden Franzosen Charles Dubouloz and Symon Welfringer.

Neue Route am Hungchhi

Die beiden meisterten am 7029 Meter hohen, technisch anspruchsvollen Hungchhi in zwei Tagen erstmals die 1700 Meter hohe Westwand –  im Alpinstil, also ohne Flaschensauerstoff, ohne Fixseile, ohne feste Hochlager und ohne Sherpa-Unterstützung. Weil das Wetter umschlug, stiegen sie über die ihnen unbekannte Ostseite des Bergs ab. Der Hungchhi, der im Khumbu-Gebiet zwischen den Achttausendern Cho Oyu und Everest liegt und auch unter dem Namen Chakhung bekannt ist, war zuvor erst von drei Expeditionen bestiegen worden. Zuerst im Frühjahr 2003 von einer japanischen Expedition, die mehr als vier Kilometer Fixseile über den Südwestgrat legte. Wenige Tage später folgte eine koreanische Expedition mit einer Variante dieser Route. 2006 bestiegen zwei Japaner den Hungchhi erstmals von Tibet aus über den Nordwestgrat des Bergs.

Panorama vom Gokyo Ri
Hungchhi (Bildmitte), vom Gokyo Ri aus gesehen

Es sei eine „komplizierte und intensive Kletterei“ gewesen, schrieben Dubouloz und Welfringer auf Instagram nach ihrer Erstbegehung der Westwand. Sie tauften ihre neue Route nach einem Songtitel des französischen Sängers Damien Saez „Le cavalier sans tete“, der kopflose Reiter. „Der Reiter, das sind wir: zwei eigensinnige, glückliche und erfüllte Wesen“, erklärten Charles und Symon.

Durch die Nordostwand des Tengkangpoche

Zwei glückliche Wesen waren auch die beiden US-Amerikaner Patrick „Perry“ Johnson und Patrick Gephart, die im April am 6482 Meter hohen, formschönen Tengkangpoche nahe der Ortschaft Thame im Khumbu-Gebiet eine neue Route durch die Nordostwand eröffneten und dann nach einem windigen Biwak über den Ostgrat zum Gipfel weiterstiegen.

Tengkangpoche
Tengkangpoche (Route verläuft links im Schatten)

Die beiden US-Bergsteiger tauften ihre rund 1800 Meter lange, „moderate“ (so Perry mir gegenüber wörtlich) Route „Sunshine Spring Roll“ – nach der vorzüglichen Frühlingsrolle, die sie in der Sunshine Lodge in Thame genossen hatten. Der Brite Trevor James Pilling und der US-Amerikaner Andy Zimet hatten den Tengkangpoche 1984 über den Ostgrat erstbestiegen. 2008 hatten die beiden Schweizer Ueli Steck und Simon Anthamatten erstmals die schwierige Nordwand des Bergs gemeistert, ebenfalls im Alpinstil.

Erstbesteigung des Patrasi

Pasang Rinzee Sherpa, Vinayak Jaya Malla, Pasang Kami Sherpa (v.l.)

Dass sich auch nepalesische Bergsteiger inzwischen eigene, ambitionierte Ziele abseits der kommerziellen Achttausender-Routen suchen, bewies die Erstbesteigung eines Sechstausenders im Westen Nepals in der vergangenen Woche. Vinayak Jaya Malla, Pasang Rinzee Sherpa und Pasang Kami Sherpa bestiegen am 12. Juni im Distrikt Jumla den 6450 Meter hohen Patrasi – und das ebenfalls im Alpinstil. Der Patrasi ist ein Nebengipfel des 6627 Meter hohen Kangde Hiunchuli, der 1963 von einer japanischen Expedition erstbestiegen wurde.

„Der Aufstieg war hart und technisch, anders als das Klettern an Fixseilen, das wir gewohnt sind. Diese Art des technischen Kletterns bringt die wahre Freude am Bergsteigen““, sagte Expeditionsleiter Malla, einer der immer noch wenigen nepalesischen Bergsteiger, die ein internationales Bergführer-Zertifikat haben. Und auf Facebook legte er nach: „Wenn wir die Gelegenheit erhalten, können wir auch unsere Grenzen verschieben. Wir sind nicht nur dafür gemacht, Lasten zu tragen und eine Steigklemme nach oben zu schieben.“

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