Laufsteg Everest

Die nepalesischen Models werden für die Everest-Modeschau gecastet

Einmal mehr soll der Mount Everest für einen Eintrag ins „Guinness Buch der Rekorde“ herhalten. Wenn alles läuft wie geplant, wird am 25. Januar auf dem 5643 Meter hohen Kala Patthar, einem Aussichtsberg vis-à-vis dem Everest, die „höchste Modeschau“ der Welt veranstaltet.

Beim „Mount Everest Fashion Runway“ sollen 15 weibliche und männliche Models aus aller Welt, fünf davon aus Nepal, die Winterkollektion eines einheimischen Mode-Labels präsentieren. Damit die Models nicht höhenkrank werden, sollen sie mit fachkundiger Begleitung durch das Khumbu-Gebiet trekken, um sich in aller Ruhe zu akklimatisieren. „Das Sherpa-Team, das den Weg weisen soll, besteht aus Einheimischen. Sie kennen jeden Winkel des Khumbu“, sagte Dawa Steven Sherpa, Chef des Expeditions- und Trekkingveranstalters „Asian Trekking“, der das Projekt in Kathmandu mit vorstellte. Der „Mount Everest Fashion Runway“ ist eine jener Aktionen, von denen sich die nepalesische Regierung im Rahmen ihrer PR-Kampagne „Visit Nepal 2020“ weltweit positive Schlagzeilen erhofft.

Selfiestick im Expeditionsgepäck

Stefi Troguet in Lager 2 am Nanga Parbat

Public Relations spielt auch im Expeditionsbergsteigen eine immer größere Rolle. Trommeln gehört zum Geschäft, nicht nur am Everest. Längst vorbei sind die Zeiten, in denen Bergsteiger von mehrwöchigen Aufenthalten an den höchsten Bergen der Welt übel riechend, mit dreckigen Klamotten, zotteligen Haaren und Bärten zurückkehrten und leicht für Yetis gehalten werden konnten. Das kann sich kaum leisten, wer Tag für Tag die Leser in den sozialen Netzwerken mit Neuigkeiten versorgen und dabei eine gute Figur machen will.

Estefania („Stefi“) Troguet aus Andorra ist eine der jungen Influencer (Gibt es dafür eigentlich ein deutsches Wort? Beeinflusser? Oder doch eher Werbeträger?) am Berg, die vor allem bei den jungen Internet-Usern gut ankommen. Der Selfiestick gehört für Stefi so selbstverständlich zur Expeditionsausrüstung dazu wie der Eispickel. Die 27-Jährige hat im Sommer den Nanga Parbat bestiegen, ihren ersten Achttausender,  im Herbst mit dem Manaslu ihren zweiten, beide nach eigenen Angaben ohne Flaschensauerstoff. „Gipfel jagen mit rotem Lippenstift“ stand noch bis vor kurzem auf ihrem Twitter-Profil. Übrig geblieben ist jetzt nur noch das Motto: „Süchtig nach Höhe“. Doch auf allen Bildern, die sie im Internet verbreitet, sieht man Troguet mit geschminkten Lippen.

Miss Finnland auf Winterexpedition

Jerzy Kukuczka, Andrzej Czok und Janusz Baranek (v.l.) bei der Wintererstbesteigung des Dhaulagiri 1985

Dass selbst eine Achttausender-Expedition in der kalten Jahreszeit zu einem modischen Schaulaufen werden könnte, hätte in den 1980er Jahren wohl kaum jemand für möglich gehalten. Damals prägten die polnischen „Ice Warriors“ die Szene, wie wilde Krieger sahen sie während der Expeditionen häufig auch aus. In diesem Winter begleitet Lotta Hintsa, die „Miss Finnland“ von 2013, die erfahrenen Winterbergsteiger Denis Urubko und Don Bowie zum Achttausender Broad Peak.

Lotta Hintsa (2.v.r.) mit Don Bowie (r.) und Denis Urubko (l.) in Skardu

„Sie ist eine Freundin von Don, ich habe sie im Juli am Gasherbrum II getroffen. Sie und Don begleiteten mich einen Teil des Weges zum Gipfel und während des Abstiegs,“ sagte Urubko in einem Interview mit „Przeglad Sportowy“ aus Polen. „Lotta ist eine schöne Frau, nett und positiv, aber ich kann dir versichern, dass sie auch sehr gut klettert.“  Am Gasherbrum II zeigte die Finnin, dass Sie – wie  Stefi Troguet – durchaus in der Lage ist, auch an den Achttausendern eine „bella figura“ zu machen. Und Werbung in eigener Sache.