Meagan Martin und Molly Thompson-Smith: Zwei schwarze Kletterinnen reden über Rassismus

Meagan Martin beim Bouldern

„Adventure Gap“, die Abenteuer-Lücke. So nennt der schwarze Journalist und Buchautor James Edward Mills das Phänomen, dass schwarze Bergsteiger und Kletterer in der Abenteuer-Szene immer noch die Ausnahme sind. „Es geht nicht um die Frage, ob Afroamerikaner hohe Berge besteigen können oder nicht“, schrieb Mills im Magazin „National Geographic“: „Was zählt, ist, dass wir als Gruppe dazu neigen, es nicht zu tun. Und aus einer Vielzahl unterschiedlicher sozialer und kultureller Gründe ist die Welt des Bergsteigens fast ausschließlich den weißen Männern vorbehalten.“

Doch es tut sich etwas. Die „Black Lives Matter“-Bewegung führe auch in der Outdoorbranche zu einem Umdenken, schreibt mir US-Kletterin Meagan Martin. Die Erkenntnis, dass Rassismus immer noch weit verbreitet sei, habe die Szene zunächst überrascht. Inzwischen hinterfragten sich jedoch Unternehmen, wo sie es versäumt hätten, ein „Verbündeter der schwarzen Bevölkerung“ zu sein und wie sie es in Zukunft besser machen können: „Auch viele Athleten nehmen sich jetzt die Zeit nachzudenken, Verantwortung zu übernehmen und sich zu einem besseren Verbündeten zu erziehen.“

Rassismus war und ist ein Thema

Auf den nächsten Kletterzug fokussiert

Meagan ist Profikletterin, hat für die USA Weltcup-Wettkämpfe bestritten. „Ich hoffe, dass der Rassismus eines Tages nicht mehr existiert, aber im Moment ist er immer noch ein Thema. Und er ist immer ein Thema gewesen“, sagt die 30-Jährige. Für die meisten Menschen sei Rassismus „etwas, das sie nicht regelmäßig erleben. Aber nur weil man ihn nicht immer sieht, heißt das nicht, dass er nicht da ist. Als schwarze Kletterin war mir das Vorhandensein von Rassismus immer bewusst. Aber ich habe mich entschieden, mich davon nicht unterkriegen zu lassen, sondern mich stattdessen stärker zu machen.“

Die Unterstützung der Szene tue gut, sagt die Kletterin. „Ich bin für diesen Weg geboren. Das ist das Leben, für das ich mich entschieden habe. Und ich bin stolz darauf, eine Schwarze Frau in der Klettergemeinschaft zu sein. Aber es ist auch beruhigend zu wissen, dass meine Kletterkollegen sich einen Augenblick Zeit nehmen, um die Welt durch meine Brille zu sehen und die Unterschiede zu erkennen, die es gibt.“

„Heute würde ich vieles nicht mehr akzeptieren“

Molly Thompson-Smith

Von diesen Unterschieden kann auch Molly Thompson-Smith ein Lied singen. Die 22-Jährige zählt zu den größten Talenten im britischen Klettersport zählt und stand bereits bei einem Weltcup-Wettbewerb auf dem Podium: 2017 wurde sie in Kranj in Slowenien Dritte im Leadklettern. Die Britin hofft auf einen Start beim ersten olympischen Kletterwettbewerb, 2021 in Tokio.

Molly, warum sind schwarze Sportlerinnen und Sportler deiner Meinung nach in der Kletterszene immer noch unterrepräsentiert?

Erstens kann ein Mangel an Diversität weiteren Monokulturalismus fördern. Ich bin mir ständig bewusst, wie ich „heraussteche“. Für einige Leute könnte dies ein Grund sein, nicht mit dem Klettern anzufangen – weil sie sich unwohl fühlen oder einfach keine Verbindung zu diesem Sport haben. Außerdem fehlt es an schwarzen Vorbildern in unserem Sport. Daher überrascht es mich nicht, dass People of Color Probleme damit haben, sich als Teil dieser Gemeinschaft zu fühlen.

Zweitens ist Klettern selektiv – unabhängig davon, ob man ganz scharf darauf ist, sich der Szene anschließen zu wollen oder nicht. Ich würde sagen, es ist ein ziemlich teurer Sport, vor allem, wenn man eine gute Ausrüstung haben und zu Felswänden und Kletterwettbewerben reisen will. Das hat Einfluss darauf, wer Teil der Gemeinschaft sein kann. Das wird zu einer Barriere für Menschen aus weniger privilegierten Verhältnissen.

Hast du selbst schon einmal Rassismus am Berg oder in der Kletterhalle erlebt?

Im Wettkampf

Ich hatte das Glück, im Leben nur ein paar Mal Rassismus zu erleben. Und wenn es in einer Kletterhalle passiert ist, dann waren es „harmlose“ Kommentare oder Witze, die ich einfach abgetan habe. Ich habe karibische Wurzeln und eine ziemlich helle Haut. Es sind meine Haare, die das „Giveaway“ sind. Witze von Freunden über meine Hautfarbe oder Leute, die fasziniert mein Haar berühren wollten, waren in meiner Kletter-Kindheit normal.

Ich habe den Leuten nie erzählt, wie es sich wirklich anfühlte, Gegenstand dieser Worte oder Handlungen zu sein. Es war vielleicht nicht beleidigend gemeint, aber heutzutage würde ich diese Kommentare nicht mehr so akzeptieren.

Wie erlebst du die aktuelle Debatte über Rassismus? Glaubst du, dass sie Auswirkungen auf den Klettersport haben wird?

Ich fand die letzte Zeit emotional sehr anstrengend, aber sie hat mich auch sehr hoffnungsvoll gestimmt. Ich gebe zu, ich hätte besser sein können – und sollen, wenn es um Rassismus geht. Ich hätte die Menschen darüber aufklären können, dass ihre ‚Witze‘ oder ‚Beobachtungen‘ über People of Color nicht angebracht waren. Künftig will ich mich stärker für mehr Diversität in der Kletterszene einsetzen und dafür sorgen, dass sie sich wie ein sicherer und einladender Ort anfühlt, an dem Menschen jeglicher Herkunft willkommen sind.

Viele berühmte Kletterer sind an die Öffentlichkeit gegangen und haben ihre Plattformen genutzt, um ihre Fans darüber aufzuklären, wie sie sich besser verhalten zu können. Gleichzeitig haben sie eingeräumt, dass sie selbst auch besser werden müssen. Ich hoffe, dass die Klettergemeinschaft aktiv wird, um sicherzustellen, dass sie ihrem Ruf, herzlich, integrativ und freundlich zu sein, auch wirklich gerecht wird.