Nepals Bergtourismus droht der Kollaps

Namche Bazaar im Everestgebiet lebt vom Tourismus

Der nepalesische Bergsteigerverband NMA schlägt Alarm. „Die Krise verschärft sich und wird noch schlimmer werden“, sagte NMA-Präsident Santa Bir Lama der in Kathmandu erscheinenden Zeitung „The Himalayan Times„: „Es sieht so aus, als gäbe es in der kommenden Herbst- oder Wintersaison keine Trekking- und Bergsteigeraktivitäten. Tausende von Menschen, die von touristischen Aktivitäten und Produkten abhängig sind, werden nicht in der Lage sein, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.“ Mehr als 3500 Reise- und 2600 Trekkingagenturen hätten wegen des landesweiten Lockdowns ihre Arbeit eingestellt.

Keine Einnahmen mehr

Trekking im Khumbu

Auch Lamas Vorgänger als NMA-Chef, Ang Tshering Sherpa, hatte kürzlich  – wie berichtet – vor dem Kollaps des Bergtourismus in Nepal gewarnt. Nach seinen Worten wurden rund 80 Prozent der Buchungen für den kommenden Herbst storniert. Sollten nach der Frühjahrssaison, die wegen des Lockdowns komplett ausfiel, nun auch im Herbst die ausländischen Touristen ausbleiben, stünden viele der nepalesischen Expeditionsveranstalter und Trekkingagenturen vor dem Konkurs. Ganz zu schweigen von den Tausenden Guides und Trägern, die als Freischaffende davon abhängig sind, von den Agenturen gebucht zu werden. Auch für die Besitzer von Lodges, Restaurants oder Geschäften in den Regionen um Mount Everest und Co. würde es eng.

Noch kein Hilfsprogramm der Regierung

Touristenviertel Thamel in Kathmandu (2016)

In immer kürzeren Abständen wird in Nepal der Ruf nach staatlicher Hilfe laut. So schlugen Tourismus-Unternehmer der Regierung vor, das ursprünglich für „Visit Nepal 2020“ gedachte Budget – die Werbekampagne wurde wegen der Pandemie eingestellt – zu nutzen, um den einheimischen Tourismus anzukurbeln. Andere schlugen vor, Kredite zu stunden, bis die Krise ausgestanden ist.

Die Regierung verhält sich bisher zurückhaltend, gleichzeitig aber dünnhäutig, wenn sie kritisiert wird. So verurteilte Tourismusminister Yogesh Bhattarai die Ankündigung des nepalesischen Hotelverbands HAN, die von ihnen vertretenen Hotels bis Mitte November zu schließen und den Angestellten 12,5 Prozent ihres Lohns zu zahlen, als übereilt: „Die Regierung ist sich bewusst, welche Sektoren unter der Krise leiden und wird Anstrengungen unternehmen, um ihnen unter die Arme zu greifen.“ Doch das ist eben bisher nicht geschehen.

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