Studie: Mindestens ein Drittel der Himalaya-Gletscher bis 2100 weg

Flip schlägt Alarm. „Das ist die Klimakrise, von der Sie noch nie gehört haben“, sagt Philippus, genannt „Flip“ Wester. Der niederländische Wissenschaftler ist ein weltweit anerkannter Experte für Wasserressourcen-Management. Im Auftrag des „International Centre for Integrated Mountain Development (ICIMOD)“ in Kathmandu hat Wester die bisher wohl umfangreichste Studie über den Zustand der Bergregionen Himalaya und Hindukush geleitet. Mehr als 350 Wissenschaftler waren eingebunden. Ihre Prognosen sind alarmierend: Selbst wenn es gelänge, das ehrgeizigste Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens von 2015 – den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen – zu erfüllen, würde bis zum Jahr 2100 ein Drittel der Gletscher im Himalaya und Hindukush abschmelzen. Für den Fall, dass die Klimaschutz-Politik scheitert, sagt die Studie einen globalen Temperaturanstieg von fünf Grad voraus, zwei Drittel der Gletscher an den höchsten Bergen der Welt Region wären dann bis zum Ende des Jahrhunderts verschwunden.

Nackte Felsen

Bald blanker Fels?

„Die globale Erwärmung ist auf dem besten Weg, die kalten, mit Gletschern bedeckten Berggipfel des HKH (Hindukusch-Himalaya), die sich durch acht Länder ziehen, in etwas weniger als einem Jahrhundert in nackte Felsen zu verwandeln“, sagt Wester. Die rund 250 Millionen Bewohner der Bergregionen in Afghanistan, Pakistan, Nepal, Indien, China, Bhutan, Bangladesch und Myanmar sowie 1,65 Milliarden weitere Menschen, die in den Flusstälern darunter lebten, müssten mit weitreichenden Folgen rechnen: von zunehmender Luftverschmutzung bis zu häufigeren Extremwetter-Ereignissen. „Am schlimmsten zuschlagen werden jedoch die prognostizierten Rückgänge der Vor-Monsun-Wassermengen in den Flüssen und die Veränderungen des Monsuns. Die städtische Wassersysteme sowie die Nahrungsmittel- und Energieproduktion werden aus den Fugen geraten.“

Konflikte zwischen Ländern drohen

Die Studie weist daraufhin, dass diese Veränderungen vor allem die Ärmsten der Armen träfen. Mehr als 30 Prozent der Menschen im Hindukusch und Himalaya hätten nicht genug zu essen. Rund 50 Prozent zeigten Symptome von Unterernährung, besonders davon betroffen seien Frauen und Kinder. „Die Region steht vor einem steinigen Weg“, sagt Eklabya Sharma, stellvertretender Generaldirektor von ICIMOD. „Da sich viele der Katastrophen und plötzlichen Veränderungen über die Landesgrenzen hinweg auswirken werden, könnte es leicht zu Konflikten zwischen den Ländern der Region kommen. Aber die Zukunft muss nicht düster sein, wenn die Regierungen dabei zusammenarbeiten, das Blatt der Gletscherschmelze und die unzähligen Folgen, die sie lostritt, zu wenden.“ Die ICIMOD-Studie sollte Leugnern des Klimawandels wie Donald Trump als Pflichtlektüre auf den Nachttisch gelegt werden.

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