Trauer um Extrembergsteiger Lama, Auer und Roskelley

David Lama, Jess Roskelley, Hansjörg Auer (v.l.)

Offiziell gelten David Lama, Hansjörg Auer und Jess Roskelley noch als vermisst. Doch es gibt eigentlich keine Hoffnung mehr, dass die drei Extrembergsteiger das Lawinenunglück am 3295 Meter hohen Howse Peak überlebt haben. Die weiterhin hohe Lawinengefahr in den kanadischen Rocky Mountains ließ bisher eine Bergung nicht zu. Parks Canada, die Nationalpark-Behörde der kanadischen Regierung, hat das Gebiet gesperrt.

Der Schock sitzt tief in der Bergsteiger-Szene. „Wir haben drei der besten Alpinisten der Welt bei einem tragischen Unglück verloren“, schreibt US-Kletterstar Alex Honnold. „Die drei vermissten Bergsteiger waren zweifellos eine große Bereicherung unserer Gemeinschaft“, ergänzt der pakistanische Top-Bergsteiger Muhammad Ali „Sadpara“, derzeit unterwegs am Achttausender Makalu in Nepal. „Die Lücke kann nicht geschlossen werden.“

Das Risiko gehört dazu

Bei aller Trauer sind sich die Kletterer jedoch einig, dass Lama, Auer und Roskelley konsequent ihre Träume und ihre Leidenschaft für die Berge lebten und dass sie sich des Risikos bei ihren Grenzgängen durchaus bewusst waren. „Die Intensität des hochalpinen Geländes, bewacht von Wind und Schnee, regiert von der Schwerkraft, ist es, wo wir die Augenblicke finden, die uns als Menschen definieren“, schreibt der US-Kletterer Conrad Anker.

I don't find words for the loss of our friends. Thankful that I had the opportunity to spend great times in the…

Gepostet von Thomas Huber am Samstag, 20. April 2019

Ähnlich äußert sich der Italiener Simone Moro. Jeder Kletterer versuche, das „kostbare Geschenk des Lebens“ zu schützen, so Simone: „Aber der Mensch ist Teil der Natur, nicht ihr Herrscher und Schöpfer. Er akzeptiert von Beginn an, dass alles Können, alle Erfahrung, alle Kniffe und alle Umsicht möglicherweise nicht ausreichen, um die Risiken zu beseitigen und das Schlimmste zu verhindern. Aber wir können uns entscheiden, ob wir einfach nur um des Lebens willen existieren oder ob wir versuchen, dem Geschenk des Lebens einen Sinn zu geben.“

„Ich kann es nicht lassen“

Die Familie und die Freunde Hansjörg Auers lassen ihn auf Facebook noch einmal selbst zu Wort kommen. „Klettern und Bergsteigen im Grenzbereich ist kein Spiel ohne Risiko – aber eines, ohne das ich nicht leben kann“ , sagte der Österreicher einmal. „Das Spiel ist relativ einfach, die Regeln sind immer die gleichen. Das einzige was zählt ist der Moment. Ich will etwas tun, das mich fordert. Ganz oder gar nicht. Je intensiver, umso mehr bekomme ich retour und umso mehr spüre ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

R.I.P.

Aber manchmal beginne ich dann doch nachzudenken. Besonders wenn ich verletzt bin oder wenn es wieder einmal knapp hergegangen ist. Ich denke an meine Freunde. Ich denke daran, wie es wäre, wenn ich einmal nicht mehr zurück käme, wenn ich den Preis für die Berge bezahlen müsste. Und doch kann ich es dann nicht lassen, mich der Herausforderung das eine ums andere Mal zu stellen. Ich werde nie aufhören zu suchen, weil das, was ich finde, mich jedes Mal aufs Neue fasziniert.“