Lawinenunglück in Kanada: So gut wie keine Hoffnung mehr für Lama, Auer und Roskelley

Ostwand des Howse Peak

Die internationale Bergsport-Szene ist geschockt. Bei einem Lawinenunglück am 3295 Meter hohen Howse Peak in den kanadischen Rocky Mountains sind höchstwahrscheinlich die Topkletterer David Lama und Hansjörg Auer aus Österreich und Jess Roskelley aus den USA ums Leben gekommen. „Auf der Basis der Einschätzung am Unglücksort wird angenommen, dass alle drei Mitglieder des Teams verstorben sind“, teilte Parks Canada mit, die Nationalpark-Behörde der kanadischen Regierung. In einem riesigen Lawinenkegel seien bei einem Erkundungsflug Ausrüstungsgegenstände entdeckt worden. „Die Untersuchungen werden fortgesetzt, aber aufgrund weiterer Lawinen sowie der gefährlichen Bedingungen vor Ort sind derzeit keine Rettungsmaßnahmen möglich.“

Aus der Wand gerissen

Jess‘ Vater John Roskelley – einer der besten Bergsteiger weltweit in den 1970er und 80er Jahren – hatte am Mittwoch die Rettungskräfte alarmiert, nachdem er nichts mehr von seinem Sohn und seinen Begleitern gehört hatte. Laut dem 70-Jährigen hatten Roskelley, Lama und Auer die schwierige Route „M16“ versuchen wollen, die Steve House, Barry Blanchard und Scott Backes 1999 in der Ostwand des Howse Peak eröffnet hatten und die seitdem noch nie wiederholt worden war. „Es muss dort eine Menge Schnee gelegen haben, der herunterkam und sie aus der Wand gerissen hat“, vermutete John Roskelley in einem Gespräch mit der US-Zeitung „The Spokesman – Review“.  Er habe keine Hoffnung, dass sein Sohn und die beiden Österreicher das Unglück überlebt haben könnten.

Erstbesteigung des Lunag Ri

David Lama

Mit dem 28 Jahre alten David Lama, dem 35 Jahre alten Hansjörg Auer und dem 36 Jahre alten Jess Roskelley verliert die Kletterszene drei ihrer Besten. Zu den größten Erfolgen Lamas gehörte die erste freie Begehung der so genannten „Kompressor-Route“ am Cerro Torre in Patagonien 2012, zusammen mit seinem Landsmann Peter Ortner. Im vergangenen Herbst setzte David, Sohn eines nepalesischen Vaters und einer österreichischen Mutter, im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet mit der Erstbesteigung des technisch anspruchsvollen 6895 Meter hohen Lunag Ri im Alleingang ein weiteres Glanzlicht.

Free-Solo-Spezialist

Hansjörg Auer

Hansjörg Auer sorgte zunächst mit spektakulären Free-Solo-Klettereien in den Alpen (etwa auf der Route „Weg durch den Fisch“ in der Marmolata-Südwand) für Furore, dann auch mit Erstbegehungen im Himalaya und Karakorum. So gelang ihm 2013 mit seinem Bruder Matthias Auer und dem Schweizer Simon Anthamatten die Erstbesteigung des 7400 Meter hohen Kunyang Chhish East in Pakistan.  2015 kletterte er  mit seinen Landsleuten Alexander Blümel und Gerry Fiegl erstmals durch die Südwand des 6839 Meter hohen Nilgiri South im Westen Nepals – beim Abstieg stürzte der höhenkranke Fiegl in den Tod. Im Sommer 2018 schaffte Hansjörg im Alleingang die Erstbegehung der Westwand am selten versuchten 7157 Meter hohen Lupghar Sar West im Karakorum.

Mit dem Vater auf den Everest

Jess Roskelley

Jess Roskelley bestieg 2003 gemeinsam mit seinem Vater John den Mount Everest. Damals war er mit 20 Jahren der jüngste Amerikaner, der jemals auf dem höchsten Berg der Erde stand. Später eröffnete Jess zahlreiche Kletterrouten in Alaska. So gelang ihm 2017 mit Clint Helander die Erstbegehung des kompletten Südgrats am 3731 Meter hohen Mount Huntington.

Ci sono dei giorni nei quali, anche per un alpinista, rivolgere lo sguardo verso le montagne è molto difficile e…

Gepostet von Hervé Barmasse am Freitag, 19. April 2019

Der Teufel schläft nie

R.I.P.

„Wenn du Berge besteigst, ist die Gefahr nicht weit entfernt“, sagte John Roskelley zum Tod seines Sohnes. Auch David Lama und Hansjörg Auer wussten um die Gefahren. „Das Risiko ist immer präsent“, schrieb Lama auf seiner Homepage. Und Hansjörg Auer sagte mir nach seinem Erfolg am Lupghar Sar West: „Ich denke mir, der Teufel schläft nie.“

Update, 19. April, 17.30 Uhr: Die Eltern David Lamas haben sich zu dem Unglück geäußert: „David lebte für die Berge und seine Leidenschaft für das Klettern und Bergsteigen hat uns als Familie geprägt und begleitet. Er folgte stets seinem Weg und lebte seinen Traum. Das nun Geschehene werden wir als Teil davon akzeptieren.“

2 Antworten auf „Lawinenunglück in Kanada: So gut wie keine Hoffnung mehr für Lama, Auer und Roskelley“

  1. Ich bin zu tiefst über diese Nachricht betroffen, will es einfach nicht glauben! Möchte den Hinterbliebenen meine tiefste Verbundenheit aussprechen!
    Wünsche Ihnen in diese so schweren Stunden und Tage Gottes Begleitung!

  2. Ich kann es auch nicht glauben. Als zuerst die Meldung kam man wisse nicht wo David Lama ist, das wirkte alles so unwirklich.. Die Jungs haben Millionen inspiriert. Ich bin dankbar die Erfolge in derselben Zeit miterleben zu könnten wo sie passierten und nicht als Legendenerzählung in Geschichtsbüchern.

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