Seine Expertise und seine Stimme werden fehlen. Wie seine Familie gestern via Facebook mitteilte, ist Michael Beek „nach plötzlicher schwerer Krankheit“ gestorben. Beek galt als der deutschsprachige Experte für die Bergwelt Pakistans schlechthin. Nur wenige Westler dürften sich in den Bergen im Norden des Landes so gut ausgekannt haben wie er. Beek liebte die Region, die Menschen dort und ihre Kultur.
Mehr als vierzig Jahre lang verbrachte der 1955 in der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Solingen geborene und in Wuppertal aufgewachsene Deutsche mit wenigen Ausnahmen jährlich mehrere Monate in Pakistan. Dreimal – 1981, 1983 und 2001 – führten ihn Expeditionen auf die Rupal-Seite des 8125 Meter hohen Nanga Parbat, jeweils über die sogenannte Schell-Route. 1983 und 2001 leitete Michael die Unternehmungen. Sein höchster erreichter Punkt blieb Lager 3 am Südwestgrat auf rund 7100 Metern.
Trekking-Pionier
Bekannter aber wurde Beek durch seine Trekking-Abenteuer. Insgesamt fünfmal durchquerte er den Karakorum, teilweise auf Routen, die noch niemand vor ihm begangen hat. 1985 umrundete er mit einer kleinen Gruppe erstmals den Nanga Parbat über den Mazeno-Pass, die Tour gehört heute zu den Trekking-Klassikern in Pakistan.

1992 flog Beek mit einem Gleitschirm entlang der Nanga-Parbat-Südwand. 1996 erschien die erste Auflage seines Pakistan-Trekkingreiseführers. Er fehlt wohl in keinem Bücherregal von Abenteuerreisenden aus dem deutschen Sprachraum, die es nach Pakistan gezogen hat oder zieht – mich eingeschlossen. Bis zuletzt führte Beek für den deutschen Veranstalter Hauser Exkursionen Trekkinggruppen durch die faszinierende Bergwelt Pakistans.
Kämpfer für nachhaltigen Bergtourismus
Er setzte sich für einen nachhaltigen Bergtourismus ein und warnte davor, in Pakistan nicht dieselben Fehler zu begehen wie in den Alpen oder auch in Nepal. Die zunehmende Verschmutzung der Region um den Nanga Parbat, den „Berg, der mein Leben seit 1981 beherrscht“, mache ihn „sehr traurig“, klagte Michael 2022 auf Facebook.

Das Problem beschränke sich nicht auf den Nanga Parbat, schrieb er mir damals: „Was sich in den letzten Jahren im Karakorum abspielt, ist nur schwer zu ertragen. Wenn die Regierung nicht einschreitet, wird das rücksichtslos weitergehen. Der Nanga Parbat, die Märchenwiese (zu Füßen dieses Achttausenders), Concordia (Gletscherzusammenfluss nahe dem K2) und Karimabad (Stadt im Hunza-Tal) sind Hotspots geworden. Wenn die Regierung nicht bald etwas unternimmt, wird immer mehr zerstört, und dann gibt es kein Zurück mehr.“
„Legende des Karakorum“
In Pakistan hatte Beek zahllose Freunde und genoss den Ruf eines „Tourismusbotschafters“ für das Land, obwohl er dies offiziell nie war. Die Einheimischen rechneten ihm seine über fast 45 Jahre gelebte Liebe zu den Bergen des Landes hoch an.
„Michael war ein wahrer Pionier. Er erkundete und dokumentierte abgelegene Routen, die zuvor kaum oder gar nicht begangen worden waren“ schrieb Nasir Hussain vom pakistanischen Verband der Reiseveranstalter (PATO) in einem Nachruf über Beek, den er eine „Legende des Karakorum“ nannte: „Sein Vermächtnis wird in jeder von ihm erschlossenen Route, jeder von ihm geleiteten Expedition und in den Herzen all jener weiterleben, die das Privileg hatten, mit ihm durch die Berge zu wandern.“

