Achttausender sind keine Mülldeponien!

Alte Fixseile am House-Kamin

Nach mir die Sintflut. Nach dieser Maxime scheinen leider inzwischen viele Bergsteiger an den höchsten Bergen der Welt unterwegs zu sein. Anstatt ihre Fixseile wieder abzuziehen, lassen sie sie hängen, anstatt ihren Müll mitzunehmen, lassen sie ihn liegen. So berichtete Vassily Pivtsov, Leiter der K2-Winterexpedition aus Kasachstan, Russland und Kirgisien, dass er und seine Teamkollegen unterhalb des House-Kamins, einer der Schlüsselstellen der Route über den Südostgrat, jede Menge gebrauchte und volle Sauerstoffflaschen vorgefunden hätten, außerdem weiteren Unrat wie alte Zelte.

Fixseilknäuel, vermüllte Hochlager

Auch an anderen Achttausendern oder stark frequentierten Siebentausendern bietet sich ein ähnliches Bild. Zu Zeiten der Pioniere in den 1950er, 60er und 70er Jahren, als nur hin und wieder mal eine Bergsteigergruppe am Berg auftauchte, mag das noch als Folklore durchgegangen sein. Da freute man sich unter Umständen sogar darüber, in einem zurückgelassenen alten Zelt im Hochlager eine Dose Thunfisch zu finden oder eine Tafel Schokolade. Heute jedoch, im Zeitalter des kommerziellen Achttausender-Bergsteigens, sind die Hinterlassenschaften früherer Expeditionen ein einziges Ärgernis. An den Schlüsselstellen finden sich ganze Knäuel an Fixseilen, die Hochlagerplätze vermüllen.  

Müllvorschriften

Müll im Everest-Hochlager

Für die Basislager gibt es Müllvorschriften, die – mehr oder weniger streng – kontrolliert werden. In den Hochlagern ist das Problem dagegen noch nicht befriedigend gelöst. Immerhin gibt es erste Ansätze: So verlangen die chinesisch-tibetischen Behörden von diesem Frühjahr an pro Everest-Anwärter eine „Müll-Sammelgebühr“ von 1500 US-Dollar, an Cho Oyu und Shishapangma müssen je 1000 Dollar berappt werden. Alle Expeditionsteilnehmer sind zudem verpflichtet, pro Person acht Kilogramm Müll vom Berg bei den zuständigen chinesischen Verbindungsoffizieren im Basislager abzugeben. Auf der nepalesischen Südseite des Everest erhalten Sherpas Prämien pro Kilogramm Müll, den sie vom Berg herunterbringen. Das führt allerdings dazu, dass z.B. zerrissene Zelte und Planen eher oben bleiben, weil sie vergleichsweise wenig wiegen.

Kein Kavaliersdelikt

K 2

Nicht nur am Everest gab es in den vergangenen Jahren so genannte Clean-Up-Expeditionen, sondern auch am K 2, wo unter Leitung des italienischen Bergsteigers Maurizio Gallo tonnenweise Unrat ins Tal gebracht wurde. Diese Einsätze sind ehrenwert, bleiben jedoch ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn sich die Einstellung der großen Masse der Bergsteiger nicht ändert. Sie müssen endlich kapieren, dass es kein Kavaliersdelikt ist, wenn sie Seile hängen und Müll liegen lassen. Vielleicht sollte man die extrem zugemüllten Berge einfach sperren und erst dann wieder freigeben, wenn alle Fixseile und anderer Unrat von ihren Hängen beseitigt sind. Es wäre spannend zu beobachten, wie viele Bergsteiger sich an solchen Aktionen beteiligen würden.

Eigentlich

Eigentlich kokettieren Bergsteiger und Kletterer doch schon fast damit, wie sehr sie die Natur lieben. Eigentlich müsste ihnen doch klar sein, dass sie der Natur schaden, wenn sie ihren Unrat zurücklassen. Eigentlich müssten sie doch wissen, dass sie auch eine Verantwortung für ihre Kinder und Kindeskinder tragen, die in einer lebenswerten Umwelt groß werden sollen. Eigentlich müsste man doch gar nicht betonen müssen, dass Achttausender und auch alle andere Berge (das Problem existiert nicht nur im Himalaya und Karakorum!) keine Mülldeponien sind. Eigentlich sollte man doch davon ausgehen, dass Menschen vernunftbegabt sind. Eigentlich.

P.S. Ihr verpasst derzeit bei den Winterexpeditionen an K 2 und Nanga Parbat nichts. An beiden Achttausendern schneit es. Erst am Samstag soll sich das Wetter bessern, allerdings nur vorübergehend. Die Bergsteiger sind also wieder einmal gezwungen, sich in den Basislagern in Geduld zu üben.  

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