Chinese Base Camp nur noch für Everest-Bergsteiger geöffnet

Blick auf den Everest vom Basislager aus

„Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los“, schrieb Johann Wolfgang von Goethe 1797 in seiner Ballade „Der Zauberlehrling“. Daraus wurde im deutschen Sprachraum ein geflügeltes Wort, das auch ganz gut die aktuelle Situation im so genannten „Chinese Base Camp“ (CBC) beschreibt, dem 5200 Meter hoch gelegenen Basislager auf der tibetischen Nordseite des Mount Everest. Mehrere zehntausend Touristen besuchten das Lager zuletzt Jahr für Jahr – und hinterließen dabei jede Menge Müll.

Aus diesem Grund haben die chinesisch-tibetischen Behörden jetzt die Reißleine gezogen und das Basislager für Nicht-Bergsteiger gesperrt. Wenige Kilometer weiter talwärts, nahe dem Kloster Rongbuk, soll jetzt ein Lager für „normale“ Touristen entstehen, die kein Everest-Permit besitzen. „Die Maßnahmen richten sich hauptsächlich an Touristen, aus Umweltschutzgründen. Wir haben den Berg auf der chinesischen Seite nicht geschlossen“, stellte Nyima Tsering, Chef des „Tibet Sport Bureau“, gegenüber dem staatlichen Sender CGTN klar. „Wir heißen die Bergsteiger-Enthusiasten weiterhin willkommen.“

„Eine der coolsten Straßen“

Chinese Base Camp (2005)

Das CBC hat sich in den letzten drei Jahrzehnten zu einem Touristenmagneten entwickelt – nicht zuletzt deshalb, weil es im Vergleich zum Basislager auf der nepalesischen Südseite viel leichter zu erreichen ist. Vor einigen Jahren ließen die Behörden in Tibet die Straße von der Hauptstadt Lhasa bis ins Everest-Basislager – früher auf vielen Abschnitten nicht mehr als eine Piste – vollständig asphaltieren. Reisen mit dem Bus oder Minivan zum Basislager entwickelten sich zum Renner. „Als Touristenattraktion ist es eine der coolsten Straßen, die ich auf diesem Planeten bisher gesehen habe“, schwärmte der US-Expeditionsveranstalter Adrian Ballinger im Frühjahr 2016.

Attraktives Paket

Everest-Poststelle (2005)

Am Ende dieser Straße öffnet sich ein wirklich beeindruckender Blick auf den gerade mal knapp 20 Kilometer entfernten höchsten Berg der Erde, der zum Everest-Selfie einlädt. Bisher konnten die Touristen im Basislager auch von der „höchsten Poststelle der Welt“ aus Everest-Postkarten mit Sonderstempel in alle Welt verschicken – und so ganz nebenbei im Frühjahr noch den Everest-Bergsteigern auf den Bauch sehen, die im CBC ihre Zelte aufschlugen. Ein attraktives Paket, das Besucher in Scharen anzog und damit auch die Kassen klingeln ließ, aber eben auch die Schattenseiten des Massentourismus mit sich brachte.

Auch Leichen sollen hinuntergebracht werden

Dass die chinesisch-tibetischen Behörden jetzt das Basislager aus Umweltschutzgründen nur noch für Bergsteiger öffnen, passt in ihre neue Everest-Politik. Von diesem Frühjahr an müssen Everest-Gipfelanwärter eine „Müllsammel-Gebühr“ von 1500 US-Dollar entrichten. Nicht nur der Müll soll von den Hängen des Bergs verschwinden, auch die Leichen von Bergsteigern, die ihr Everest-Abenteuer mit ihrem Leben bezahlt haben, sollen heruntergebracht werden. Zudem wollen die Behörden in diesem Jahr nicht mehr als 300 Permits (Besteigungsgenehmigungen) ausstellen.

Ob die Everest-Poststelle jetzt vom CBC in das neue „Touristenlager“ nahe dem Rongbuk-Kloster verlegt wird oder bei den Bergsteigern verbleibt, wurde übrigens noch nicht bekanntgegeben.

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