Alle 8000er in sieben Monaten? Die Zeit läuft

Nirmal Purja an der Annapurna

Wie möglich ist das Unmögliche? „Project possible“ hat Nirmal, genannt „Nims“ Purja sein Vorhaben getauft. In nur sieben Monaten will der 36-Jährige alle 14 Achttausender besteigen. Das klingt abgefahren, wenn nicht gar verrückt. Bis Anfang Juni will der Nepalese sechs in seinem Heimatland gelegene Achttausender besteigen: Annapurna, Dhaulagiri, Mount Everest, Lhotse, Makalu und Kangchendzönga. Im Sommer sollen dann die fünf pakistanischen Achttausender folgen: Nanga Parbat, K 2, Broad Peak, Gasherbrum I und II. Und im Herbst will er seine Sammlung mit dem Manaslu, der Shishapangma und dem Cho Oyu abschließen. „Ich bin fest davon überzeugt, dass alles im Leben möglich ist, alleine mit Entschlossenheit und einer positiven Einstellung“, sagt Nims.

„Nicht ins Schlachthaus des Scheiterns“

Nims auf dem Everest (2017)

Er werde so lange weitermachen, bis er Erfolg habe, gibt sich Purja kämpferisch: „Ich wurde nicht in diese Welt geboren, um zu verlieren. Ich bin kein Schaf, das darauf wartet, vom Hirten getrieben zu werden. Ich bin ein Löwe und ich weigere mich, mit dem Schaf zu reden, zu gehen, zu schlafen. Ich werde nicht auf die hören, die rumjammern und sich beschweren, denn ihre Krankheit ist ansteckend. Sie sollen sich den Schafen anschließen. Das Schlachthaus des Scheiterns ist nicht mein Schicksal.“ Der etwas martialische Tonfall kommt nicht von ungefähr. Gerade erst hat Nims nach 16 Jahren seinen Dienst in der Gurkha-Brigade der britischen Armee beendet.

Mit Flaschensauerstoff

2014 bestieg Purja seinen ersten Achttausender, den Dhaulagiri. 2016 stand er erstmals auf dem Gipfel des Mount Everest. Damals rettete Nims auch eine indische Bergsteigerin, die von ihrer Gruppe zurückgelassen worden war. Er brachte die entkräftete Inderin aus einer Höhe von 8450 Metern hinunter zum Südsattel. Damals habe er sich von seinem Traum verabschiedet, den Everest ohne Flaschensauerstoff zu klettern, sagt Purja (s. Video unten). Ihm sei klar geworden, dass eine Rettungsaktion wie diese ohne Atemmaske nicht möglich gewesen wäre: „Damals habe ich mir geschworen, dass es mir beim Bergsteigen am Everest oder anderen Achttausendern nicht um mein Ego gehen darf, sondern darum gehen muss, mir selbst treu zu bleiben. Deshalb habe ich beschlossen, nur mit Sauerstoff zu klettern.“

Drei 8000er-Gipfel in fünf Tagen

2017  bestieg Nirmal den Everest gleich doppelt. Als Leiter einer (erfolgreichen) britischen Gurkha-Expedition erreichte er mit dem Team, das die Fixseile bis zum höchsten Punkt legte, am 15. Mai den Gipfel auf 8850 Metern. Knapp zwei Wochen später redete die ganze Welt über ihn: Innerhalb von nur fünf Tagen stand Purja auf drei Achttausendern: am 27. Mai auf dem Everest, noch am selben Tag – exakt 10 Stunden und 15 Minuten später – auf dem Lhotse und am 1. Juni auf dem Makalu. Das bescherte ihm gleich drei Einträge ins Guinness-Buch der Rekorde.

Immer 100 Prozent

Im Lhotse-Couloir (2017)

Sollte Nims Purja sein „Project possible“ erfolgreichen abschließen können, würde er in den Rekordlisten den Südkoreaner Kim Chang-ho ablösen, der für die 14 Achttausender sieben Jahre, zehn Monate und sechs Tage gebraucht hatte. „Es geht nicht darum, mit irgendwem in Konkurrenz zu treten oder besser als irgendwer zu sein”, sagt Purja. „Es geht einfach nur darum zu zeigen, was du kannst. Und du kannst immer 100 Prozent geben.”

Knapp bei Kasse

Der Ghurka hat die Kosten seines Projekts auf insgesamt 750.000 britische Pfund (rund 880.000 Euro) veranschlagt. Um loslegen zu können, hat er eine Hypothek auf sein Haus aufgenommen. Eine Crowdfunding-Aktion im Internet hat bisher nur etwas mehr als ein Zehntel der angestrebten Summe eingebracht. Deshalb arbeitet Nims aktuell an der Annapurna – dem ersten der 14 Achttausender, die er innerhalb von sieben Monaten besteigen will – auch als Expeditionsleiter, um die Kosten gering zu halten. Es ist also nicht nur ein Wettlauf gegen die Zeit, sondern auch gegen die Pleite.

2 Antworten auf „Alle 8000er in sieben Monaten? Die Zeit läuft“

  1. Ja dann Viel Erfolg im Kampf um’s täglich‘ Brot.
    Hoffentlich müssen weder Frau und noch Kinder in seinem Haus drauf warten und zusehen, wie die Bänker kommen…

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