Auf der Everest-Rekordspur

Kami Rita Sherpa

Der Weg ist bereit für die kommerziellen Expeditionen auf der nepalesischen Südseite des Mount  Everest. Die „Icefall Doctors“ melden Vollzug. Das Team aus acht auf ihre Aufgabe spezialisierten Sherpas hat die Route durch den gefährlichen Khumbu-Eisbruch bis hinauf nach Lager 2 auf rund 6400 Metern mit Fixseilen und Leitern gesichert. Die Gipfelanwärter können also kommen. Gewissermaßen en passant, nämlich bei der Arbeit, werden wohl einige Bergsteiger aus Nepal ihre Bestmarken noch einmal steigern. Kami Rita „Topke“ Sherpa wird mit einer Expedition des nepalesischen Veranstalter Seven Summit Treks unterwegs sein und – wenn alles nach Plan läuft – zum 23. Mal den höchsten Punkt der Erde auf 8850 Metern erreichen.

„Ich will die Sherpas stolz machen“

Seit dem vergangenen Jahr ist der 49 Jahre alte Bergführer aus dem Dorf Thame im Everest-Gebiet mit 22 Aufstiegen alleiniger Rekordhalter. „Ausländische Bergsteiger auf den Everest zu führen, ist mein Job“, sagt Kami Rita lapidar. „Damit verdiene ich meinen Lebensunterhalt. Aber es bringt mir natürlich auch Anerkennung.“ Er freue sich schon auf seinen nächsten Aufstieg und sei auch ein bisschen aufgeregt. „Ich versuche einmal mehr, Geschichte zu schreiben, um die gesamte Sherpa-Gemeinschaft und mein Land stolz zu machen“, so Kami Rita.

Nr. 22 über die tibetische Nordseite?

Ngima Nuru Sherpa am Gipfel

Gewissermaßen auf seinen Fersen ist Ngima Nuru Sherpa . Der 38-Jährige aus dem Dorf Teso nahe Namche Bazar, dem Hauptort des Khumbu-Gebiets, hat im Frühjahr 2018 mit seinem 21. Everest-Aufstieg zum legendären Apa Sherpa und zu Phurba Tashi aufgeschlossen.  Der 59 Jahre alte Apa Sherpa hatte seine Bergschuhe schon 2011 an den Nagel gehängt. Der 48-jährige Phurba Tashi betreut Everest-Expeditionen nur noch vom Basislager aus – aus Rücksicht auf seine Familie. Ngima Nuru wird, wie er mir schrieb, am Mittwoch kommender Woche mit einer Gruppe des Veranstalters Arun nach Tibet aufbrechen, um den höchsten Berg der Erde über die tibetische Nordseite zu besteigen. Auch bei seinem ersten Everest-Erfolg – 2001 als 20-Jähriger mit einer australischen Expedition – war Ngima über den Nordostgrat aufgestiegen.

Alleinerziehende inspirieren

Lhakpa Sherpa und ihre Urkunden

Dort könnte er auch Lhakpa Sherpa treffen, die Frau mit den meisten Everest-Besteigungen. Neunmal stand die gebürtige Nepalesin, die mit ihren beiden Töchtern – zwölf und 17 Jahre alt – in den USA lebt, bereits auf dem 8850 Meter hohen Gipfel. Die 45-Jährige wird versuchen, Kunden auf den höchsten Punkt zu führen. Lhakpa träumt davon, ihre Bergleidenschaft zum Beruf machen zu können. Sie arbeitet 40 Stunden in der Woche in einem Supermarkt in West Hartford im Bundesstaat Connecticut. Mit ihren Everest-Besteigungen wolle sie „andere alleinerziehende Mütter und Väter inspirieren“, sagt Lhakpa Sherpa – und fügt hinzu: „Ich möchte, dass mein Rekord schwer zu schlagen ist.“