Bergtourismus in Pakistan liegt am Boden

Träger auf dem Baltoro-Gletscher

Die Corona-Krise lässt die Schere zwischen dem, was sein könnte und tatsächlich ist, weit auseinandergehen. Theoretisch wäre die Bergsteigersaison im Karakorum jetzt in vollem Gange. Anfang des Jahres hatten noch 25 Expeditions-Teams Permits für die fünf Achttausender Pakistans und andere Berge im Norden des Landes beantragt. Gekommen ist niemand.

„Pakistan ist komplett offen, auch die Flughäfen, aber es gibt überhaupt keinen Tourismus“, schreibt mir Mirza Ali Baig, Chef des Veranstalters Karakorum Expeditions. „Der Sommer-Abenteuertourismus steht vor dem Aus. Es gibt keine Möglichkeit zum Bergsteigen, auch Trekking findet nicht statt. Nicht einmal eine einzige lokale Gruppe.“

COVID-19-Kurve steigt weiter

Die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus steigt in Pakistan immer noch an, mehr als 213.000 wurden nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität bisher registriert, rund 4400 Menschen starben an COVID-19 (Stand: 1. Juli). Die Staaten der Europäischen Union warnen weiter „vor nicht notwendigen, touristischen Reisen“ in das Land. Im Norden Pakistans leben viele Menschen direkt oder indirekt vom Bergtourismus.

Hilfsaktion für 700 Familien

Mirza Ali (l.) und Samina Baig (r.)

„Da der Sommer bald zu Ende geht, gibt es keine Arbeit für Bergführer, Köche und Träger“, schreibt Mirza Ali. Zusammen mit seiner Schwester Samina Baig – sie war 2013 die erste pakistanische Frau auf dem Mount Everest und bestieg wie Mirza die Seven Summits, die höchsten Berge aller Kontinente – hat der 36-Jährige eine Crowdfunding-Aktion (auf diesen Link klicken) gestartet. Ziel ist es, rund 700 Familien von Trägern für etwa ein halbes Jahr mit Grundnahrungsmitteln zu versorgen, vor allem für den Winter. Mirza hofft, bis Oktober die angestrebte Summe von 70.000 US-Dollar einzusammeln. „Sonst werden diese Menschen sehr leiden.“

Billigere Permits als in Nepal

K2

Im vergangenen Jahr nahm Pakistan mit den Gebühren für Permits rund 40 Millionen Rupien (rund 213.000 Euro) ein. Das liegt deutlich unter dem, was Nepal 2019 für Besteigungsgenehmigungen kassierte: rund 3,5 Millionen Euro. Um mehr Bergsteiger anzulocken, hatte die pakistanische Regierung die Gebühren um 40 Prozent gesenkt: So kostet ein Permit für den 8611 Meter hohen K2, den zweithöchsten Berg der Erde, 7200 Dollar für ein siebenköpfiges Expeditionsteam, 1200 Dollar für jede zusätzliche Person. Zum Vergleich: Für ein Everest-Permit in Nepal muss man 11.000 Dollar berappen – pro Bergsteiger.