Everest-Nordseite wohl weiter gesperrt

Everest-Nordseite

Solange COVID-19 die Welt im Griff hat, bleibt es einsam auf der tibetischen Nordseite des Mount Everest. Offiziell ist es zwar noch nicht, aber kaum jemand in der Szene zweifelt noch daran, dass China wegen der Pandemie das dritte Frühjahr in Serie keine ausländischen Bergsteiger nach Tibet lässt.

„Keine Änderung. Auf Wiedersehen im Jahr 2023!“ – so fasst Kari Kobler, Chef des Schweizer Expeditionsveranstalters Kobler & Partner, die Reaktionen der Verantwortlichen in Tibet auf seine Anfragen in puncto Everest zusammen. „Ich denke, im Frühling sind Expeditionen zu den Achttausendern Tibets unmöglich“, schreibt mir Kari, der seit drei Jahrzehnten Expeditionen in den Himalaya veranstaltet. Für die Herbstsaison 2022 in Tibet sieht er eine Chance von höchstens 50/50, „aber auch das sieht aus meiner Sicht zurzeit chancenlos aus.“

Infektionen auf nepalesischer Seite vertuscht

Maskenpflicht im Everest-Basislager
Maskenpflicht im Everest-Basislager (Frühjahr 2021)

Im Frühjahr 2021 hatten die chinesisch-tibetischen Behörden nur 21 einheimischen Bergsteigern die Erlaubnis erteilt, den höchsten Berg der Erde zu besteigen. Die einzige Expedition wurde jedoch abgebrochen, bevor es zu einem Gipfelversuch kommen konnte.

Angeblich fürchteten die Behörden, dass sich die Bergsteiger am Gipfel des Everest auf 8849 Metern mit COVID-19 anstecken könnten, wenn sie dort auf andere Bergsteiger träfen, die von der nepalesischen Südseite aus aufstiegen. Wie viele Menschen sich während der Saison im Basislager auf der Südseite infizierten, vertuscht die Regierung in Kathmandu bis heute. Die Zahl wird auf rund 150 geschätzt.

Alpenglow sagt Everest-Expedition ab

Südseite des Mount Everest
Nepalesische Südseite des Mount Everest

Der US-Veranstalter Alpenglow Expeditions blies an Weihnachten seine für dieses Frühjahr geplante Everest-Expedition auf der Everest-Nordseite ab. „Leider ist es unwahrscheinlich, dass Tibet in der kommenden Saison geöffnet wird“, begründete Alpenglow seinen Schritt. Das Unternehmen werde auch nicht auf die nepalesische Südseite ausweichen. Von dort habe man sich nach den Tragödien 2014 (bei einem Lawinenunglück im Khumbu-Eisbruch kamen 16 nepalesische Bergsteiger ums Leben) und 2015 (Erdbeben-Katastrophe in Nepal) verabschiedet, „um unsere Sherpas, Bergführer und Kunden vor den objektiven Gefahren und der Überfüllung auf der Südseite zu schützen“.

Der österreichische Veranstalter Furtenbach Adventures hat für 2022 beide Everest-Seiten im Angebot. Lukas Furtenbach, Chef des Unternehmens, glaubt nach eigenen Worten nicht, dass China im kommenden Frühjahr ausländische Bergsteiger ins Land lässt. Eine offizielle Mitteilung der chinesisch-tibetischen Behörden solle es aber erst Ende Januar geben, schreibt mir Lukas: „Falls die Nordseite doch noch öffnet, sind wir bereit.“