Gipfelerfolge an der Annapurna I – Hans Wenzls zehnter Streich

Hans Wenzl (2017 im Everest-Basislager)

Gipfeltag an der Annapurna I. Rund 20 Bergsteigerinnen und Bergsteiger aus drei kommerziellen Teams erreichten heute nach Angaben des Internetportals ExplorersWeb den Gipfel des zehnthöchsten Bergs der Erde auf 8091 Metern: etwa die eine Hälfte Climbing Sherpas, die andere Hälfte zahlende Kunden. In der letztgenannten Gruppe befand sich auch der Österreicher Hans Wenzl, der damit seinen zehnten Achttausender bestieg.

Das ist aus zwei Gründen besonders bemerkenswert. Zum einen ist Hans kein Profibergsteiger – und auch kein Krösus: Der 51-Jährige verdient sein Geld als Polier eines österreichischen Baukonzerns, für seine Expeditionen nimmt er sich Urlaub. Wenzl lebt im 2500-Einwohner-Ort Metnitz im Norden Kärntens, mit seiner Frau Sonja hat er zwei erwachsene Söhne.

Zum anderen hat er seine ersten neun Achttausender vor der Annapurna allesamt ohne Flaschensauerstoff bestiegen. Und ich habe keinen Grund anzunehmen, dass es diesmal anders war.

Immer „oben ohne“

Annapurna I

„Wenn, dann wieder ohne zusätzlichen Sauerstoff“, hatte mir Hans 2019 nach seinem Gipfelerfolg am K2 in Pakistan auf die Frage geantwortet, ob er schon an seinen zehnten Achttausender denke. Und das ist seine Achttausender-Liste: Broad Peak (2007), Nanga Parbat (2009), Gasherbrum I und II (2011), Manaslu (2012), Cho Oyu (2013), Makalu (2016), Mount Everest (2017), K2 (2019) und jetzt die Annapurna I. Außerdem erreichte er 2005 an der Shishapangma den 8008 Meter hohen Zentralgipfel, der 19 Meter niedriger ist als der Hauptgipfel.

Tseng angeblich auch ohne Atemmaske

Nach Angaben des Veranstalters Dolma Outdoor Expedition erreichte auch die Taiwanesin Grace Tseng heute ohne Flaschensauerstoff den Gipfel der Annapurna, begleitet von den Sherpas Nima Gyalzen und Ningma Dorje. Es war Tsengs sechster Achttausender, der erste ohne Atemmaske – sollte dies bestätigt werden. Die 29-Jährige hatte sich im vergangenen Winter als einzige Kundin von einem siebenköpfigen Unterstützerteam auf den K2 führen lassen wollen – „vollbetreutes“ Winterbergsteigen hatte ich den Stil genannt. Das schlechte Wetter hatte einen Gipfelversuch jedoch nicht zugelassen.

Mingmas Team am Kangchendzönga zurück im Basislager

Der 8586 Meter hohe Kangchendzönga im Osten Nepals

Das galt jetzt auch für den ersten Vorstoß Richtung Gipfel des Kangchendzönga in diesem Frühjahr. Das Team von Mingma Gyalje Sherpa, Chef des Veranstalters Imagine Nepal, gelangte nach eigenen Angaben bis auf eine Höhe von 8450 Meter, ehe es wegen des schlechten Wetters umkehren musste. Der Gipfel des dritthöchsten Bergs der Erde liegt auf 8586 Metern. „Jetzt sind sie wieder im Basislager. Sie werden sich ein paar Tage ausruhen und dann den nächsten Gipfelvorstoß planen“, schreibt mir Dawa Futi Sherpa, Managerin von Imagine Nepal.

Update 29. April: Laut dem Veranstalter Seven Summit Treks war Hans Wenzl nicht nur ohne Flaschensauerstoff, sondern auch ohne Sherpa-Unterstützung unterwegs (wobei nicht verschwiegen werden sollte, dass die Sherpas die Fixseile legten). Gleiches – keine Atemmaske, keine Sherpa-Unerstützung – habe auch für den Italiener Giampaolo Corona und den Schweden Tim Bogdanov gegolten. Um Corona gab es vorübergehend Sorge, weil der Kontakt zu ihm während des Abstiegs abgerissen war. Heute wurde er auf einer Höhe von rund 7400 Metern gesichtet. Giampaolo ließ wissen, dass er keine Hilfe benötige und selbstständig absteigen könne.

Update 30. April: Giampaolo Corona und Tim Bogdanov wurden heute per Longline von einem Rettungshubschrauber aus über 7000 Metern ins Annapurna-Basislager gebracht.

3 Antworten auf „Gipfelerfolge an der Annapurna I – Hans Wenzls zehnter Streich“

  1. Gratuliere Hans, wir freuen uns aufs Wiedersehen auf dem Hirnkopf, Greti und Reinhard

Kommentare sind geschlossen.

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