Gipfelvorstoß an der Annapurna unterbrochen

Die Nordseite der Annapurna I

Eigentlich wurden für den heutigen Donnerstag die ersten Gipfelerfolge in dieser Frühjahrssaison an einem Achttausender in Nepal erwartet. Doch der Vorstoß an der Annapurna I endete auf einer Höhe von rund 7400 Metern. „Zurück in Lager 4“, ließ die Mexikanerin Viridiana Alvarez Chavez via GPS-Tracker wissen. „35 Leute und keiner schaffte den Gipfel.“ D

Die Fixseile seien ausgegangen. Nach ihren Angaben soll es am Freitag einen weiteren Versuch geben, zum höchsten Punkt vorzudringen. Das wurde auch von den beiden pakistanischen Bergsteigern Sirbaz Khan und Abdul Joshi bestätigt. Sie ließen wissen, dass mit dem Hubschrauber zusätzliches Material (800 Meter Seil, Flaschensauerstoff, Lebnsmittel und Gas) nach Lager 4 auf 7300 Metern geflogen wurde.

Heli-Doping

Hubschrauberlandung in Lager 1 am Manaslu

Normalerweise ist das Terrain oberhalb von Lager 4 nicht so steil, dass zwingend Fixseile erforderlich wären. Doch angeblich hat der vergangene niederschlagsarme Winter zu unerwartet viel Blankeis im oberen Bereich der Route geführt.

Dass bei einem Gipfelversuch an einem Achttausender zu wenig Fixseile mitgenommen wurden, ist schon vorgekommen – zum Beispiel im Frühjahr 2017 am Kangchendzönga. Damals führte dies jedoch zum Abbruch des Versuchs. Dass jetzt mit dem Hubschrauber mittels langer Leine Material nachgeliefert wurde, hat eine neue Qualität. Eine weitere Form von Heli-Doping.

Für Freitag wird im Gipfelbereich der Annapurna wenig Wind erwartet. Allerdings soll ab Mittag Ortszeit Schneefall einsetzen.

P.S.: Für den Begriff „Heli-Doping“ beanspruche ich übrigens das Copyright. 😉

Eine Antwort auf „Gipfelvorstoß an der Annapurna unterbrochen“

  1. Hallo Stefan, ja, „Heli-Doping“ hat Einzug gehalten, und wird sicher weiter wachsen. Es ist eine Win-win-Situation: es erleichtert zahlungskräftigen Bergsteigern den Aufstieg, macht ihn sicherer, und so können einheimische Flugfirmen in Nepal (und künftig sicher auch in Pakistan, wo bisher ja quasi nur Militär fliegt) gutes Geld verdienen. Die Grenzen zwischen Komfortsteigerung und Überlebenshilfe sind dabei fließend… Sehr wahrscheinlich wird der Heli irgendwann auch regelmäßig Bergsteiger zum Everest-Südsattel bringen, die dann noch 850 hm zum Gipfel haben werden – sicher Zukunftsmusik, denn das gibt der durchschnittliche Heli noch nicht her… Bergsteigerethisch ist es natürlich bedenklich, dass die Technik alles immer mehr erleichtert. Es profitieren aber von den neuen Möglichkeiten auch ethisch saubere Bergsteiger, bzw. Könner, wie Humar am Nanga, oder Göttler und Kollege an der Ama Dablam. So sehr ich den ständig weiter wachsenden Hype um den Everest verstehe (er ist nunmal der höchste Berg der Welt, und es lässt sich super für den Rest des Lebens damit angeben, oben gewesen zu sein – darum geht es ja, und den Everest kennt jeder), so wenig verstehe ich es bei Bergen wie Annapurna-I-Nord, K2-Abruzzi und einer handvoll vergleichbaren: das sind sicher Routen, die auch mit ständig verbesserter Technologie, allen Arten von Doping, und unter Leitung erfahrener Bergführer, einfach grenzwertig gefährlich bleiben. Ich komme deshalb nicht umhin, den 35 Leuten derzeit an der Annapurna, wie den 70 Leuten letzten Winter am K2, Respekt auszusprechen. Ich denke, an solchen Routen, an diesen Bergen, überhaupt Bergsteigen zu gehen, setzt in allererster Linie Mut voraus. Bergsteiger sind oft eher vernünftige, rationale Menschen – wer sich also in Gefahren dieser Dimension begibt, beweist Mut. Mutig auch die Anbieter kommerzieller Expeditionen an diesen Routen. Das ist kein leicht verdientes Geld, und der Bergführer vor Ort steht an exponiertester Stelle, da er über Wochen in derart gefährlichem Gelände Verantwortung für sich und andere trägt… So hoffe ich, dass die 35 an der Annapurna ihren Gipfel erreichen, und vor allem heil und zufrieden ins Basecamp zurückkehren werden. Grüße

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