Mount Everest und Manaslu: Mit dem Heli ins Hochlager?

Hubschrauberlandung in Lager 1 am Manaslu

Das Video, das in den sozialen Netzwerken kursiert, lässt eigentlich keinen Raum für Interpretationen: Ein Hubschrauber landet in Lager 1 auf 5700 Metern am Achttausender Manaslu im Westen Nepals. Auf der einen Seite des Helikopters wird ein Rucksack ausgeladen, den sich jemand holt, auf der anderen Seite steigt ein Bergsteiger aus und wird von einem anderen per Handschlag begrüßt.

Entstanden ist das Video angeblich im vergangenen Herbst bei der Manaslu-Expedition der Königlichen Garde Bahrains, die vom nepalesischen Veranstalter Seven Summit Treks organisiert wurde. Sollte sich die Datierung des Videos bestätigen, wäre beim Gipfelerfolg des Teams aus Bahrain „Heli-Doping“ mit im Spiel gewesen und mindestens ein, möglicherweise auch mehrere Bergsteiger hätten sich die erste Gipfeletappe vom Basislager bis Lager 1 gespart. Meine Anfrage dazu bei Seven Summit Treks blieb bisher unbeantwortet.

Der Fall Wang Jing

Mount Everest

Neu ist das Phänomen nicht. So ließ sich im Frühjahr 2014 die chinesische Bergsteigerin Wang Jing am Mount Everest vom Basislager nach Lager 2 auf 6400 Metern fliegen. Von dort aus stieg sie mit ihrem Sherpa-Team zum Gipfel.

Es war die einzige Besteigung in jenem Frühjahr von der nepalesischen Südseite aus. Eigentlich war die Everest-Saison in Nepal abgesagt worden, nachdem bei einer Lawine im Khumbu-Eisbruch 16 einheimische Bergsteiger ums Leben gekommen waren. Elizabeth Hawley (1923-2018) notierte Wangs Gipfelerfolg in ihrer Chronik Himalayan Database seinerzeit mit dem Vermerk „helicopter-assisted ascent and descent“ – Auf- und Abstieg mit Hubschrauberunterstützung.

Nur Rettungsflüge zugelassen

Wang Jing mit Everest-Zertifikat (2014)

Dies ist eigentlich in Nepal untersagt. Nach den Richtlinien der nepalesischen Luftfahrtbehörde (CAAN) sind Hubschrauberflüge oberhalb des Basislagers nur für Rettungsaktionen erlaubt. Doch offenkundig nehmen es die staatlichen Stellen mit der Überwachung der Richtlinie nicht so genau. So verliefen die Ermittlungen gegen Wang Jing 2014 im Sande, und sie erhielt im Sommer desselben Jahres bei einer Feierstunde der Regierung in Kathmandu ihr Everest-Gipfelzertifikat – ohne jede Einschränkung.

Khumbu-Eisbruch gespart

Gefährlicher Khumbu-Eisbruch

Ein einmaliger Ausrutscher? Offenbar nicht. Nach der Frühjahrssaison 2019 am Mount Everest sagte die renommierte nepalesische Bergsteigerin und Bergführerin Dawa Yangzum Sherpa in einem Interview des Magazins „National Geographic“: „Es gab eine Menge unerfahrener Bergsteiger – und sogar solche, die einen Hubschrauber nehmen, um sich die Überquerung des Khumbu-Eisfalls zu ersparen. Das ist nicht erlaubt, aber ein bestimmtes Unternehmen hat es mit chinesischen Bergsteigern gemacht.“

Konsequenzen gab es offenbar auch in diesen Fällen nicht. Nach ihrem Gipfelerfolg im Herbst am Manaslu versuchen sich Scheich Mohamed Hamad Mohamed Al Khalifa, ein Mitglied der Königsfamilie von Bahrain, und die anderen Bergsteiger aus dem Golfstaat in diesem Frühjahr übrigens am Mount Everest.