Marc Batard: Annapurna als nächste Etappe vor dem Mount Everest

Marc Batard und Pasang Nuru Sherpa
Marc Batard (l.) und Pasang Nuru Sherpa (r.)

Mehr als 20 Jahre nach seinem letzten Gipfelerfolg an einem Achttausender will es Marc Batard wieder wissen. Für dieses Frühjahr hat sich der 69-Jährige vorgenommen, die Annapurna besteigen – durch die Nordwand, über den sogenannten „Holländer-Sporn“, ohne Flaschensauerstoff. Batard und sein Team erreichten gestern auf ihrem Weg zur 8091 Meter hohen Annapurna I im Westen Nepals die Ortschaft Tatopani.

„Ich freue mich sehr, wieder in einer Gegend zu sein, die ich gut kenne, und die Chance zu haben, mich trotz meines Alters in guter Form zu präsentieren“, schreibt mir Marc. Zweimal versuchte er sich in den 1980er-Jahren erfolglos an der Annapurna. Beide Male stoppte ihn schlechtes Wetter: 1986 am Ostgrat auf 7100 Metern, 1989 in der Südwand auf 5800 Metern.

Gipfel der Annapurna

Begleitet wird der Franzose von seinem nepalesischen Seilpartner, dem achtmaligen Everest-Besteiger Pasang Nuru Sherpa, dem französischen Bergführer Yorick Vion (der eine Skiabfahrt von der Annapurna plant), dem Filmemacher Bertrand Delapierre und dem in Frankreich lebenden Brasilianer Deny de Almeida. Mit der Annapurna-Besteigung will sich Batard weiter auf sein großes Ziel vorbereiten: Im Frühjahr 2022 strebt Marc seine dritte Everest-Besteigung ohne Atemmaske an, über die tibetische Nordseite des Bergs – mit dann 70 Jahren!

Trauer um Muhammed Ali Sadpara

Muhammad Ali Sadpara und Marc Batard
Muhammad Ali Sadpara (l.) wird seit Februar am K2 vermisst und wurde für tot erklärt

Ende Juli 2020 sprang Batard dem Tod von der Schippe, als in seinem Kopf ein Aneurysma platzte. Fünf Monate später gab sein Neurologe bereits wieder grünes Licht für eine Trekkingreise zum K2 in Pakistan.

Marc traf sich im vergangenen Januar im Basislager zu Füßen des zweithöchsten Bergs der Erde mit Muhammad Ali Sadpara, der neben Pasang Nuru eigentlich als Dritter im Everest-Team für 2022 eingeplant war. Doch der erfolgreichste Höhenbergsteiger Pakistans kehrte Anfang Februar nicht von seinem Gipfelversuch am K2 zurück. „Ich bin sehr traurig über den Tod von Ali, mein Freund Pasang Nuru Sherpa auch“, sagt Marc. „Wir werden an der Annapurna viel an Ali Sadpara denken und im nächsten Jahr das Projekt mit seinem Sohn Sajid fortsetzen.“

In 22,5 Stunden auf den Everest

Vor allem Ende der 1980er-Jahre hatte Marc Batard im Himalaya für Schlagzeilen gesorgt. Damals trug er den Spitznamen „Sprinter“. Batard war der erste Mensch, der den Everest in weniger als 24 Stunden bestieg – und das ohne Flaschensauerstoff. Im Herbst 1988 benötigte Marc für die Strecke vom Basislager auf der nepalesischen Südseite des Bergs bis zum höchsten Punkt auf 8850 Metern nur 22,5 Stunden, was ihm einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde eintrug.

Mit US-Bergsteiger David Callaway (l.) im Everest-Basislager (1990)

Zu jener Zeit war er auf dem Zenit seiner Leistungsfähigkeit: Innerhalb von knapp zehn Monaten bestieg er vier Achttausender, allesamt ohne Flaschensauerstoff. Zunächst gelang Batard im Dezember 1987 eine Winterbesteigung des Dhaulagiri. Im April 1988 legte er die erste Überschreitung des Makalu nach: Marc stieg im Alleingang über den Westpfeiler zum Gipfel und dann über die Normalroute, den Nordwestgrat, hinunter ins Basislager. Für den Aufstieg benötigte er nur 18 Stunden. Zur Vorbereitung auf den Everest bestieg Batard Anfang September 1988 in nur 19 Stunden den Cho Oyu. Nach seinem Rekordcoup am Mount Everest wog der 1,67 Meter große Franzose nur noch 46 Kilogramm.

Seinen ersten Achttausender hatte Marc bereits 1975 bestiegen, den Gasherbrum II in Pakistan, erstmals über den Südgrat. Mit 23 Jahren war Batard damals der jüngste Bergsteiger, der jemals einen Achttausender ohne Flaschensauerstoff bestiegen hatte. Insgesamt achtmal war Marc am Mount Everest: sechsmal auf der nepalesischen Südseite, zweimal auf der tibetischen Nordseite. Stets verzichtete er auf eine Atemmaske. Nach 1988 gelang ihm 1990 ein zweiter Everest-Gipfelerfolg. Später zog sich Batard komplett aus dem Höhenbergsteigen zurück, um sich der Malerei zu widmen.

In drei Tagen zweimal auf den Aconcagua

Marcs Ziel für 2022: Die tibetische Nordseite des Mount Everest

Jetzt ist Marc wieder zurück und zuversichtlich, dass er trotz seines fortgeschrittenen Alters im dritten Anlauf an der Annapurna erfolgreich sein kann: „Was mich optimistisch macht, ist, dass ich letztes Jahr innerhalb von drei Tagen zweimal den Aconcagua bestiegen habe, vom Basislager zum Gipfel und zurück.“ Am höchsten Berg Südamerikas (6982 Meter) hat der „Sprinter“ von einst gezeigt, dass er immer noch die dünne Luft gut verträgt – und dass er schnell ist.

P.S.: Sollte Marc Batard im Frühjahr 2022 wirklich den Everest besteigen, wäre der Franzose aller Voraussicht nach der mit Abstand älteste Bergsteiger ohne Atemmaske auf dem Dach der Welt. Bisher hält diesen Everest-Rekord der Italiener Abele Blanc, der 2010 im Alter von 55 Jahren und 264 Tagen den höchsten Punkt der Erde erreichte.

Eine Antwort auf „Marc Batard: Annapurna als nächste Etappe vor dem Mount Everest“

  1. Sehr geehrter Hr. Nestler,
    Marc war damals ein sehr starker und engagierter Himalaya Bergsteiger. In der Leistungsfähigkeit seiner Zeit weit voraus und sehr wagemutig, entschlossen uns fast schon besessen.
    Bei den letzten, damaligen Unternehmungen war er auch immer mit dem Durchführen der Touren vor dem Genehmigungsprozess, den er schlicht vergessen hatte.
    So hatte das Ministry of Tourismen damals entschlossen, er soll doch für mehrere Jahr in Nepal pausieren. Das war der eigentliche Grund, wieso er sich so schlagartig aus der Szene verabschiedet hat. Ich hoffe für ihn, dass er noch einen späten Erfolg hat und gesund wieder runter kommt.
    Peter Guggemos

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