Glückwunsch, Ralf Dujmovits, zum 60. Geburtstag!

Ralf Dujmovits

Wenn ein Extrembergsteiger seinen 60. Geburtstag feiert, ist das entgegen der Wahrscheinlichkeit. Viele, die auf schmalem Grat in den Bergen unterwegs sind, erleben diesen Tag leider nicht mehr. Weil eben doch jeder kleine Fehler tödlich enden kann. Oder die Natur zuschlägt, ob in Form eines Wettersturzes, einer Lawine oder von Steinschlag. Selbst bei aller Vorsicht bleibt eben immer noch ein Rest-Risiko, das manchmal auch nicht kalkulierbar ist.

Ralf Dujmovits hat heute die sechs Jahrzehnte voll gemacht – nach über 50 Expeditionen im Himalaya und Karakoram in den vergangenen 36 Jahren. Irgendetwas muss er also richtig gemacht haben. Vielleicht liegt das Geheimnis darin, dass er klare Prioritäten setzt. „Meine Gesundheit ist für mich das allerhöchste Gut“, sagte mir Ralf einmal. „Ich kenne mich sehr gut. Ich weiß auch, dass ich umdrehen kann. Das habe ich oft bewiesen.“

Auf allen Achttausendern

Ralf am Everest

Etwa am Mount Everest. Achtmal hat er versucht, den höchsten Berg der Erde ohne Flaschensauerstoff zu besteigen, achtmal kehrte er mit leeren Händen in seine Heimatstadt Bühl im Schwarzwald zurück. 2009 trug sich Ralf als erster und bis heute einziger Deutscher in die Liste der Bergsteiger ein, die alle 14 Achttausender bestiegen haben. 13 schaffte er ohne Atemmaske, lediglich 1992 am Mount Everest griff er oberhalb des Südsattels zu Flaschen-Sauerstoff. „Ich war damals noch sehr jung“, sagt Ralf. „Es war ein Fehler.“ Zu gerne hätte er ihn ausgemerzt, doch es sollte nicht sein. Dujmovits hat seinen Frieden mit dem höchsten Berg der Erde gemacht. „Ich habe für mich diese Geschichte abgeschlossen“, sagte er mir vor zwei Jahren.

Freundschaft ist wichtiger als der Gipfel

2005 am Everest mit Hirotaka und Gerlinde

Wir kennen und schätzen uns seit dem Jahr 2000, also seit über zwei Jahrzehnten. 2005 waren wir gemeinsam am Everest – es war meine erste Expedition im Himalaya. Damals wollte Ralf mit Gerlinde Kaltenbrunner und Hirotaka Takeuchi die „Supercoloir-Route“ durch die Nordwand klettern. Ich berichtete aus dem Basislager auf dem zentralen Rongbuk-Gletscher über die Expedition. Die Verhältnisse am Berg ließen den geplanten Aufstieg nicht zu, das Trio stieg zum Nordsattel auf, um von dort aus über die Normalroute den Gipfel zu erreichen – doch Hiro (der später der erste Japaner wurde, der auf allen Achttausendern stand) erlitt ein Höhenhirnödem. Ralf, der einst als junger Mann acht Semester Medizin studierte, und die gelernte Krankenschwester Gerlinde, retteten ihrem japanischen Freund das Leben. Das war tausendmal wichtiger als der Gipfel. 2007 erlebte ich Ralf auch als umsichtigen Leiter einer kommerziellen Expedition zum Manaslu, der das richtige Maß zwischen Risikobereitschaft und Vorsicht fand.

Ehrliche Haut

Ralf und Nancy (2018)

Apropos Manaslu: Ralf ist einer der wenigen Spitzenbergsteiger, die offen eingeräumt haben, dass sie nicht den „wirklichen“ Gipfel am Ende des Gipfelgrats erreichten, sondern einer der Vorgipfel für den Hauptgipfel hielten. „Jetzt wissen wir, dass ich nicht auf dem höchsten Punkt stand. Ich kann das problemlos eingestehen“, sagte mir Ralf 2019. „An jenem Tag wehte ein starker Wind. Ich habe nicht an der vermeintlichen Gipfelwechte vorbei nach hinten sehen können. Der Himmel war voll mit Spindrift. Ich war noch mal drei Meter weiter, habe aber keinen höheren Punkt gesehen.“ Ralf ist eben eine ehrliche Haut. Einer der offen eingesteht, wenn er etwas falsch eingeschätzt hat und der nicht – wie leider in den vergangenen Jahren in der Szene keine Seltenheit – die Wahrheit verdreht oder beugt. Auch deshalb hat Ralfs Wort im Bergsteigen immer noch großes Gewicht.

Helfen, ohne viel Aufhebens darum zu machen

Ralf und ich vor der neuen Schule in Thulosirubari

Obwohl er der erfolgreichste deutsche Höhenbergsteiger ist, sind ihm Starallüren völlig fremd. Ralf ist bescheiden, offen, freundlich und dabei immer authentisch. Und er hilft, ohne viele Worte darüber zu verlieren. In Nepal hat er mehrere Schulen gebaut – unser gemeinsames Projekt „School up!“, den Bau einer Schule im Bergdorf Thulosirubari“ nach dem Erdbeben 2015, wäre ohne sein Engagement niemals erfolgreich gewesen.

Am wohlsten fühlt sich Ralf immer noch, wenn er klettert – am liebsten mit seiner Frau Nancy Hansen. Mit ihr war er auch schon mehrfach auf Expedition, zuletzt im vergangenen Sommer in Pakistan. Aus der erhofften Erstbesteigung des Biarchedi I wurde wegen des schlechten Wetters zwar nichts. Aber die beiden genossen es einfach, wieder an den hohen Bergen unterwegs zu sein. Das wünsche ich ihm auch für das nächste Jahrzehnt: Viele Bergabenteuer mit Menschen, die ihm wichtig sind.

Einen ganz herzlichen Glückwunsch, lieber Ralf! Ich freue mich auf das nächste Wiedersehen.

2 Antworten auf „Glückwunsch, Ralf Dujmovits, zum 60. Geburtstag!“

  1. Lieber Ralf, habe dich persönlich nur einmal bei der Besprechung für die Cho Oyu Expedition 2007 als Leiter von Amical kennen – und schätzen gelernt – kann mich den treffenden Worten von Stefan nur anschließen!

    “ Älter werden ist wie bergsteigen:
    Je höher man kommt,
    desto langsamer wird der Schritt,
    aber umso mehr weitet sich der Horzont und das Verstehen!
    herzlichste Gratulation!“
    Josef “ Churchy“ Kirchner

Kommentare sind geschlossen.