„Wenn du einen Traum hast, dich ihm voll und ganz widmest und niemals aufgibst, kannst du alles erreichen – egal, was das Leben dir auch vor die Füße wirft.“ Mit diesen Worten kommentierte Hari Budha Magar auf Instagram seine Besteigung des 4892 Meter hohen Mount Vinson in der Antarktis.
Damit hat der beidseitig beinamputierte nepalesische Bergsteiger seine Sammlung der Seven Summits komplettiert – zumindest jene, die im Augenblick für ihn möglich ist.
Mont Blanc statt Elbrus
Wegen des seit Februar 2022 andauernden russischen Angriffskriegs in der Ukraine konnte Hari Budha nämlich in den vergangenen fast vier Jahren den höchsten Berg Europas, den 5642 Meter hohen Elbrus, nicht besteigen. Es gibt Reisewarnungen für den russischen Teil des Kaukasus. Magar führt in seiner Auflistung der höchsten Berge aller Kontinente deshalb für Europa den 4806 Meter hohen Mont Blanc in Frankreich auf.
Den höchsten Berg der Alpen hatte er 2019 bestiegen. Es folgten 2020 der Kilimandscharo (Afrika, 5895 Meter), 2023 der Mount Everest (Asien, 8849 Meter), 2024 der Denali (Nordamerika, 6,190 Meter), 2025 der Aconcagua (Südamerika, 6,961m) und der Puncak Jaya (Ozeanien, 4994 Meter), auch als Carstensz-Pyramide bekannt – sowie jetzt der Mount Vinson.
Hari Budha wurde beim Aufstieg am vergangenen Dienstag von seinen nepalesischen Landsleuten Abiral Rai, Mingma Sherpa und Jangbu Sherpa begleitet. Der Aufstieg bei minus 25 Grad Celsius und viel Wind sei sehr anstrengend gewesen, sagte Magar: „Ich kroch buchstäblich auf allen Vieren und kämpfte mich den Berg hinauf.“
Bombenexplosion in Afghanistan
Als Soldat des britischen Gurkha-Regiments hatte Hari Budha bei einer Bombenexplosion 2010 in Afghanistan beide Beine oberhalb der Knie verloren. Er überlebte knapp, verfiel danach in eine tiefe Depression und begann, exzessiv Alkohol zu trinken. „Mein Sohn war drei Jahre, als ich in sein unschuldiges Gesicht sah“, erinnerte sich der Bergsteiger in einem Interview des deutschen Magazins „Outdoor“ an diese Lebenskrise. „In dem Moment war mir klar, dass ich mit dem Trinken aufhören musste.“ Mit neuem Elan stürzte er sich in seine Bergabenteuer.

Hari Budha steigt mit Spezialprothesen des deutschen Medizintechnik-Unternehmens Ottobock. Für Fels, Eis und Schnee hat er unterschiedliche Aufsätze, die er in Windeseile austauschen kann. „Es dauert nur Sekunden“, sagt der 46-Jährige. „Das kann man sich fast so schnell wie einen Reifenwechsel in der Formel-1 vorstellen.“
Mit seinem Erfolg am Mount Vinson habe er gezeigt, so Hari Budha auf Instagram, „dass Menschen mit Behinderungen mit Unterstützung, Anpassung und Ausdauer das Unmögliche erreichen können.“


