Kommerzielle Expeditionen in Zeiten von Corona

Ankunft am Flughafen Kathmandu

Nepal verschärft wegen der Corona-Epidemie die Einreisebestimmungen. Vom 10. März an erhalten Reisende aus den fünf Staaten, in denen bisher die meisten Erkrankungen nachgewiesen wurden, an den Grenzen Nepals keine Einreisevisa mehr. Das gilt für Staatsbürger Chinas, Südkoreas, Italiens, Irans und Japans. Nach Angaben der Regierung in Kathmandu bedeutet dies jedoch kein komplettes Einreiseverbot. Wer aus den genannten Staaten nach Nepal kommen wolle, könne bei der nepalesischen Botschaft in seinem Heimatland ein Visum beantragen, müsse aber dafür auch ein aktuelle Gesundheitszeugnis beibringen. 

Das dürfte auch Auswirkungen auf die anstehende Frühjahrssaison am Mount Everest und den anderen hohen Bergen Nepals haben. Schon vor der Entscheidung der Regierung hatten nepalesische Expeditionsveranstalter berichtet, dass chinesische Kunden ihre Anmeldungen wegen der Corona-Epidemie storniert hätten. Auch aus Italien habe es schon Absagen gegeben.

Immer mehr Chinesen in Nepal

Sonnenaufgang am Everest

In Nepal wurde bisher nur ein Coronafall registriert. Dass der Himalayastaat von der Epidemie verschont bleibt, erscheint, objektiv betrachtet, jedoch extrem unwahrscheinlich. Schließlich ist China ein Nachbarland Nepals, und die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Staaten sind in den vergangenen Jahren immer enger geworden. 2019 stellte China mit rund 169.500 Touristen die zweitmeisten Besucher Nepals. Das entspricht einem Anteil von 14,2 Prozent an allen Einreisen. Nur aus Indien (etwa 254.000 Touristen; 21,4 Prozent) kamen mehr Touristen in den Himalayastaat. Seit Jahren steigt die Zahl der chinesischen Urlauber in Nepal kontinuierlich an. Die nepalesische Regierung hat sie auch gezielt angelockt: Seit 2011 müssen Urlauber aus China im Gegensatz zu Reisenden aus anderen Staaten keine Visagebühren zahlen. Auch bei den Expeditionen zu den höchsten Bergen der Welt ist die Zahl chinesischer Bergsteiger in den vergangenen Jahren gestiegen.

Europäische Veranstalter sind (noch) gelassen

Dominik Müller

„Eigenartigerweise hat bei uns noch kein Kunde wegen Corona nachgefragt oder storniert“, schreibt mir Dominik Müller, Chef des deutschen Expeditions- und Trekkinganbieters Amical alpin. „Ich denke, unser Kundenstamm, der aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol kommt, ist reiseerprobt, gut informiert und lässt sich von der aktuellen Aufregung nicht anstecken.“ Er rechne jedoch damit, dass im Himalaya „der chinesische Gast ausbleiben wird“.

Von den chinesisch-tibetischen Behörden habe es bisher noch keinen Hinweis gegeben, dass die geplanten Everest-Expeditionen auf der tibetischen Nordseite des Mount Everest durch die Corona-Epidemie gefährdet sein könnten, schreibt Dominik. „Aber das kann natürlich bei den Chinesen mal ganz schnell gehen.“ Amical ist in diesem Frühjahr nicht am Everest unterwegs.

Einreise nach Tibet über Nepal statt China

Nordseite des Mount Everest

Beim Schweizer Veranstalter Kobler & Partner  geht man bisher davon aus, dass die Everest-Expedition in diesem Frühjahr wie geplant über die Bühne gehen kann. „Die Tibeter sagen, man könne hereinkommen“, sagt mir Kari Kobler. Es habe dort bisher nur einen Corona-Fall gegeben, der betroffene Chinese habe Tibet verlassen. „Allerdings wird empfohlen, nicht über (das chinesische) Chengdu einzureisen, wie wir es sonst immer machen. Deshalb werden wir über Kathmandu und Lhasa zum Everest fahren.“

Preiserhöhung für Climbing Sherpas heruntergehandelt

Kari Kobler

Einige wenige seiner Kunden hätten ihre Expeditionspläne wegen der aktuellen Entwicklung um ein Jahr verschoben, berichtet der 64 Jahre alte Gründer der Agentur, der Mitte März Richtung Himalaya aufbrechen will. „Ich gehe davon aus, dass es auf der Nordseite des Everest leerer wird – nicht nur wegen Corona, sondern auch wegen der höheren Permitpreise in Tibet.“

So sei der russische Veranstalter 7 Summits Club wegen der Teuerung auf die nepalesische Seite gewechselt. Immerhin, so Kobler, sei erreicht worden, dass die Preiserhöhung für nepalesische Climbing Sherpas in diesem Jahr nicht ganz so drastisch ausfalle wie zunächst angekündigt: „Wir konnten den Permitpreis pro Sherpa von 4500 auf 3500 Dollar herunterhandeln.“ Bisher hatten die kommerziellen Teams 3300 Dollar pro Sherpa bezahlen müssen.

Lukas Furtenbach, Chef des österreichischen Anbieters Furtenbach Adventures, weist darauf hin, dass der einzige Land-Grenzübergang Keruang zwischen China und Nepal schon seit Wochen in beide Richtungen geschlossen sei. „Es ist und bleibt also alles ungewiss auf der Nordseite (und Süd sowieso).“

Update 10. März: Die verschärften Einreisebedingungen gelten jetzt auch für Reisende aus Deutschland, Frankreich und Spanien.

Wenn dir der Artikel gefallen hat, teile ihn: