Mikroplastik auf dem Mount Everest

Nepalesische Südseite des Mount Everest mit Khumbu-Gletscher

Die traurige Erkenntnis lautet: Mikroplastik ist wirklich überall – auch auf dem Mount Everest. Nachdem bereits Mikrofasern in der Schneeauflage der Arktis und in der Tiefsee im Marianengraben nachgewiesen worden waren, fanden Wissenschaftler jetzt auch Mikroplastik in der Schneeauflage des so genannten „Balkons“ am Everest, auf 8440 Meter Höhe, rund 400 Meter unterhalb des Gipfels.

Und nicht nur dort, sondern auch an allen Lagerplätzen der Normalroute auf der nepalesischen Südseite des Bergs, wo Proben entnommen wurden – außerdem am Lobuche East, der in den vergangenen Jahren immer mehr zum „Akklimatisierungsberg“ der Everest-Anwärter geworden ist. Wenig überraschend ermittelten die Forscher die größte Mikroplastik-Dichte in Proben vom Basislager. Dort halten sich schließlich in der Frühjahrssaison gleichzeitig bis zu 1000 Menschen auf.  

Wasserdicht, aber umweltschädlich

Im Frühjahr 2019 hatten sich mehr als 30 Wissenschaftler aus unterschiedlichen Forschungsbereichen am Everest versammelt. Jetzt präsentierten sie ihre ersten Ergebnisse. Noch nie wurden an höherer Stelle systematisch Schneeproben gesammelt. Bei dem am Everest gefundenen Mikroplastik handelte es sich vor allem um Fasern – bis zu einer Länge von 3,8 Millimeter. „Ein wichtiges Ergebnis dieser Studie ist, dass es sich bei dem Mikroplastik in erster Linie um Polyesterfasern handelt, die (im Umfeld des Mount Everest) hauptsächlich für Kleidung, Seile, Flaggen und Zelte verwendet werden“, ließen die Wissenschaftler um die Britin Imogen E. Napper wissen.

Mikroplastik Everest
Mikroplastik-Konzentration in den Proben vom Everest (© cell.com/Imogen E. Napper et. al.)

Seit einigen Jahren wird bereits darüber diskutiert, dass Outdoor-Textilien und -Ausrüstung, in denen Kunststoffe verarbeitet sind, zwar robust und wasserdicht sind. Andererseits belasten sie aber die Umwelt, weil sich aus ihnen winzige Plastikpartikel lösen. Das gilt zum Beispiel für Fleece-Produkte oder auch viele Windbreaker und Wandersocken.

„Gegenwärtig konzentriert sich der Umweltschutz auf die Reduzierung, Wiederverwendung und das Recycling größerer Abfallprodukte“, heißt es in der Studie. „Obwohl diese Maßnahmen notwendig und wichtig sind, liegt es auf der Hand, dass tiefgreifende technologische Neuerungen nötig sind, mit dem Fokus auf Mikroplastik.“ Einige Unternehmen der Outdoor-Industrie haben sich bereits den Kampf gegen Mikroplastik auf die Fahnen geschrieben.

Mikroplastik „allgegenwärtig“

Mikrofasern im Schnee am Everest
Mikrofasern im Schnee

Die Wissenschaftler, die am Everest geforscht haben, weisen darauf hin, dass durch die zunehmende Gletscherschmelze infolge des Klimawandels wahrscheinlich auch zunehmend Mikroplastik in die Flüsse der Khumbu-Region gespült werden und damit auch in den Nahrungskreislauf der dort lebenden Menschen gelangen.  

„Mit der steigenden Zahl von Trekkingtouristen und Bergsteigern pro Jahr dürfte auch die Ansammlung von sichtbarem Müll und Mikroplastik in der gesamten Khumbu-Region zunehmen. Es liegt auf der Hand, dass Mikroplastik so gut wie allgegenwärtig ist.“ Die Empfehlung der Wissenschaftler: Weiter forschen und Lösungen finden! Letzteres gilt auch für die Bergsportler: Müll vermeiden und bei der Auswahl von Kleidung und Ausrüstung ganz genau hinsehen!