Nepals Regierung verkündet Corona-Vorschriften für Bergtouristen

Der Sechstausender Ama Dablam im Everest-Gebiet

„Unsinn!“ – „Müll!“ – „Was zum Teufel soll das?“ So oder ähnlich reagieren Vertreter der gebeutelten nepalesischen Trekkingbranche in den sozialen Medien auf die Vorschriften für Bergtouristen, die jetzt vom Tourismusministerium in Kathmandu veröffentlicht wurden und damit für die Herbstsaison bindend sind.

Danach muss jeder nach Nepal einreisende Trekkingtourist oder Bergsteiger einen negativ ausgefallenen Corona-Test vorweisen, der nicht älter als 72 Stunden sein darf. Anschließend muss sich der ausländische Gast für mindestens sieben Tage in einem Hotel in Kathmandu in Quarantäne begeben. An Tag fünf muss er sich einem neuerlichen COVID-19-Test unterziehen – wo, ist unklar. Nur wenn dieser Test ebenfalls negativ ausfällt, darf der Tourist zwei Tage später das Hotel verlassen.

Zudem muss der Gast bei der Einreise eine Versicherung über mindestens 5000 US-Dollar (rund 4280 Euro) vorweisen – gemeint ist wohl eine Auslandskrankenversicherung. Zudem werden die Expeditions- und Trekkinganbieter verpflichtet, jeden ihrer Kunden mit 100.000 nepalesischen Rupien (rund 730 Euro) für den Fall einer Infektion mit dem COVID-19-Virus zu versichern. Nur dann sollen Permits ausgestellt werden.

Mehr als 1000 Neuinfektionen pro Tag

Trekking im Khumbu

Vor allem an der einwöchigen Zwangsquarantäne entzündet sich der Unmut der Branche. Die Veranstalter fragen: Welcher Trekkingtourist, der nur zwei oder drei Wochen Urlaub hat, ist bereit, sich trotz eines negativ ausgefallenen Corona-Tests eine Woche lang tatenlos ins Hotel setzen? Die Frage beantwortet sich wohl von selbst.

Ohnehin dürfte sich die Bereitschaft von Touristen, bei der aktuellen Corona-Lage in Risikogebiete zu reisen, in Grenzen halten. Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität in den USA sind inzwischen mehr als eine Million Menschen weltweit an COVID-19 gestorben sind. In Nepal wurden bisher (Stand 29. September) mehr als 76.000 Infektionen mit dem Coronavirus registriert, 491 Menschen starben daran. Seit Anfang September wurden in dem Himalayastaat fast durchgängig mehr als 1000 Neuinfektionen pro Tag registriert, an diesem Dienstag sogar rund 1500. Und die Dunkelziffer dürfte hoch sein.

Für viele Agenturen geht es um die Existenz

Expeditionsteam aus Bahrain

Nachdem wegen der Corona-Krise bereits die Frühjahrssaison komplett weggebrochen war, wird sich vor dem Hintergrund der nun verkündeten Regeln wohl auch in diesem Herbst nichts an der dramatischen Lage der Tourismusbranche ändern. Beim nepalesischen Bergsteigerverband NMA sind aktuell rund 1500 Trekkingagenturen und mehr als 10.000 Bergsteiger registriert. Vielen von ihnen droht der Ruin. Ein Expeditionsteam aus Bahrain, das sich inzwischen im Everest-Gebiet akklimatisiert und anschließend den Achttausender Manaslu besteigen will, sowie eine für Oktober geplante nepalesische Expedition zum Siebentausender Baruntse sind nicht mehr als Tropfen auf den heißen Stein.

Update 2. Oktober: Die in Kathmandu erscheinende Zeitung „The Himalayan Times“ berichtet unter Berufung auf einen Beamten des Tourismusministeriums, man erwäge nach den heftigen Protesten der Branche, auf die verpflichtende einwöchige Quarantäne im Hotel zu verzichten. Stattdessen solle direkt am Flughafen ein Antikörper-Test gemacht werden. Mal sehen, was daraus wird!

2 Antworten auf „Nepals Regierung verkündet Corona-Vorschriften für Bergtouristen“

  1. News aus Nepal: Wie die Himalayan Times heute berichtet, verzichtet die nepalesische Regierung auf eine siebentägige Quarantäne für Touristen. Proteste der Trekking Agencies Association Nepal und der Tourism Recovery Task Force führten vernünftigerweise zum Umdenken bei der nepalesischen Regierung.
    Hier der Link zur Meldung und darunter eine Übersetzung des Textes mit Google Translator.
    https://thehimalayantimes.com/…/government-to-waive…/
    Die nepalesische Regierung verzichtet auf eine siebentägige Quarantäne für Touristen
    Veröffentlicht: 02. Oktober 2020, 7:28 Uhr Am: Nepal
    Himalaya-Nachrichtendienst
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    KATHMANDU, 1. OKTOBER
    Das Ministerium für Kultur, Tourismus und Zivilluftfahrt plant, auf die siebentägige Quarantäne für Touristen zu verzichten, die ab dem 17. Oktober in Nepal eintreffen sollen. Nach Kritik von Interessengruppen bereitet sich das Ministerium auf die Überprüfung seiner Protokolle für Ausländer vor, die an einem Besuch in Nepal interessiert sind zum Bergsteigen und Trekking.
    Laut einem Beamten, der mit der Überprüfung der Protokolle bei MoCTCA beauftragt ist, arbeitet das Ministerium daran, bei der Ankunft am Tribhuvan International Airport einen sofortigen Antigentest für COVID-19 für ausländische Touristen durchzuführen.
    „Touristen, die einen Testbericht über eine negative Polymerasekettenreaktion tragen, können nach Durchführung des Antigentests frei laufen“, sagte er und fügte hinzu, dass dies sicherlich die Bedenken der Interessengruppen ansprechen würde.
    Am Dienstag hatte MoCTCA Protokolle veröffentlicht, die besagten, dass Ausländer nach ihrer Landung nach dem 17. Oktober sieben Tage lang in der Hotelquarantäne bleiben müssen, wenn die kommerziellen internationalen Flüge wieder aufgenommen werden.
    „Wenn alles nach Plan läuft, öffnet sich Nepal nach dem 17. Oktober vollständig für den Tourismus“, sagte der Beamte.
    Beamte des Ministeriums für Tourismus, das Klettergenehmigungen für Bergsteiger ausstellt, haben dem Ministerium bereits mitgeteilt, dass es Bergsteigern keine Genehmigungen erteilen könne, wenn strenge Bestimmungen wie eine COVID-Versicherung in Höhe von 5.000 USD und eine einwöchige Quarantäneregelung angewendet würden.
    Laut einem Beamten des DoT hat die Abteilung vorgeschlagen, dass das Ministerium Touristen, die Nepal nach dem 17. Oktober besuchen, gestattet, wenn sie einen negativen PCR-Testbericht vorlegen.
    „Es ist unmöglich zu überwachen, ob Touristen eine Woche in einem bestimmten Hotel übernachtet haben“, sagte der Beamte und fügte hinzu, dass es besser sei, die obligatorischen Lebens- und Krankenversicherungen zu überprüfen, als im Namen von COVID eine zusätzliche finanzielle Belastung von 5000 US-Dollar aufzuerlegen Versicherung.
    Die Tourism Recovery Task Force hat dem MoCTCA bereits ein Antragsschreiben vorgelegt, in dem sie sich gegen die Entscheidung des letzteren zur einwöchigen Quarantäne für Ausländer ausspricht.
    Die Task Force forderte die Regierung außerdem auf, Touristen, die mit einem negativen PCR-Testbericht anreisen, die Möglichkeit zu geben, ihre geplanten Aktivitäten im Land fortzusetzen, ohne in Quarantäne bleiben zu müssen.
    Kein Tourist wird gerne sieben Tage auf seine Kosten in der Hotelquarantäne bleiben, selbst nachdem er einen negativen PCR-Bericht erstellt hat, sagte Damber Parajuli, Präsident der Expedition Operators Association of Nepal, und fügte hinzu, dass die Regierung die jüngsten Protokolle überprüfen sollte.
    „MoCTCA kann seine eigenen Protokolle erstellen, um die Tourismusaktivitäten zu fördern. Sie sollten jedoch gemäß den Richtlinien des COVID-19 Crisis Management Center erstellt werden, die den Gesundheits- und Sicherheitsprotokollen entsprechen“, sagte CCMC-Sekretär Mahendra Guragai.
    Eine Version dieses Artikels erscheint am 2. Oktober 2020 in der Himalayan Times

    1. Danke für den Hinweis. Noch sagt es nur eine Quelle aus dem Tourismusministerium. Die Erfahrung in Nepal lehrt: Es gilt nur, was offiziell ist. Also: Mal sehen, was daraus wird …

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