Roger Schaeli und Simon Gietl: Sechs Nordwände in zwei Wochen

Roger Schaeli (l.) und Simon Gietl (am Gipfel der Großen Zinne)

„Für mich war dies wohl mein schönstes Bergsteigererlebnis“, schrieb Roger Schaeli heute auf Instagram, nachdem er mit seinem Teampartner Simon Gietl auch durch die Nordwand der Grandes Jorasses geklettert war. Auch Simon schwärmte von einer „neuen Dimension an Erlebnissen, Abenteuern und Eindrücken“. 

Es war die sechste und letzte klassische Alpennordwand, die der 43 Jahre alte Schweizer Schaeli und der 36 Jahre alte Südtiroler Gietl in den vergangenen zweieinhalb Wochen gemeistert hatten – und das nach dem Prinzip „fair zum Berg“: Die Distanzen zwischen der Großen Zinne (2.999 Meter) in Südtirol, Piz Badile (3.308 Meter), Eiger (3.967 Meter) und Matterhorn (4.478 m) in der Schweiz sowie Petit Dru und Grandes Jorasses in Frankreich legten die beiden mit dem Rennrad zurück. Am Piz Badile und Eiger nutzten die beiden Top-Kletterer Gleitschirme, um nach ihren Anstiegen wieder ins Tal zu kommen. „North6“ hatten sie ihr Projekt getauft.

Widrige Bedingungen

Schaeli klettert eine Schlüsselstelle der Petit-Dru-Nordwand

„Wir hatten 14 aktive Tage, einen Pausentag und drei Schlechtwettertage mit Regen und Schnee (über 2000 Metern)“, schreibt Roger. „30.770 Höhenmeter im Aufstieg, 29.470 Höhenmeter im Abstieg. 1011 Rennradkilometer liegen hinter uns.“ Teilweise waren die Bedingungen hart. So lag in der klassischen Schmid-Route in der Matterhorn-Nordwand – benannt nach den Erstbegehern von 1931, den deutschen Brüdern Franz und Toni Schmid – viel Neuschnee. „Die Tour ist bei diesen widrigen Bedingungen intensiv“, urteilte Simon. Auch die Kletterei in der Petit-Dru-Nordwand war alles andere als ein Zuckerschlecken. „Gleich in den ersten Seillängen Spindrift. Wir mussten minutenlang stoppen, damit der Schnee vorbei zischen konnte“, schilderte Roger die schwierigen Verhältnisse. Letztlich, so Simon, habe das Projekt North6 aber „unter einem hell leuchtenden Stern“ gestanden. 

Feste Größen unter Europas Topkletterern

Mit dem Rennrad von Berg zu Berg

Roger Schaeli wird in der Szene häufig „Mr. Eiger“ genannt: Mehr als 50 Mal hat der Schweizer bereits die legendäre Nordwand durchstiegen, teilweise auf neuen Routen oder frei kletternd. Erstbegehungen gelangen dem Profibergsteiger zudem unter anderem im indischen Himalaya, in Patagonien, Alaska und auf Grönland. Einige davon machte er mit seinem Freund Simon Gietl. Der Südtiroler ist wie Schäli eine feste Größe in der europäischen Topklettererszene. Zweimal war Simon auch mit Thomas Huber, dem älteren der „Huberbuam“, auf Expeditionen im Karakorum in Pakistan.