Manaslu: Höchster Punkt oder Vorgipfel?

Gipfelgrat des Manaslu

„Herzlichen Glückwunsch an alle unsere Teammitglieder zur erfolgreichen Besteigung des Manaslu (wirklicher Gipfel) um ca. 9:40 Uhr Ortszeit.“ Das verkündete heute Mingma Gyalje Sherpa, Expeditionsleiter und Chef des nepalesische Veranstalters Imagine Nepal. Er selbst und alle 21 weiteren Teammitglieder hätten den höchsten Punkt auf 8163 Metern erreicht. Gipfelfotos liegen noch nicht vor.

Mingma Gyalje – im vergangenen Januar einer der nepalesischen Wintererstbesteiger des K2 in Pakistan – hatte seine Expedition damit beworben, dass er sich, anders als bei seinen bis dahin vier Manaslu-Besteigungen, diesmal nicht mit einem der Vorgipfel begnügen wolle.

Bild von Guy Cotter von 2012: Bergsteiger auf dem höchsten Punkt des Manaslu

„Viele Bergsteiger haben den Gipfel für sich beansprucht, aber nur wenige (wahrscheinlich weniger als 15 Bergsteiger) haben es bis zum eigentlichen Hauptgipfel geschafft“, schrieb der 35-Jährige im Juni auf Facebook. „In den letzten Jahren kehrten alle Bergsteiger vom Vorgipfel zurück und beanspruchten den Gipfel für sich. Die meisten dieser Bergsteiger wussten nicht, dass es hinter dem Vorgipfel noch einen weiteren oder echten Gipfel gibt, und noch immer ist der Hauptgipfel vielen gar nicht bewusst. Keine der kommerziellen Expeditionen zieht es vor, Kunden zum Hauptgipfel zu führen, da das Gelände sehr knifflig ist.“

Am Vorgipfel umgekehrt

Gyaltsen Norbu Sherpa am Hauptgipfel - bei der Erstbesteigung 1956 durch ein japanisches Team
Gyaltsen Norbu Sherpa am Hauptgipfel – bei der Erstbesteigung 1956 durch ein japanisches Team

In den vergangenen Tagen wurden bereits einige Gipfelerfolge vom Manaslu vermeldet. Da dort nicht vom true summit, dem „wirklichen Gipfel“, die Rede war, ist davon auszugehen, dass diese Teams – wie gewohnt – an einem der Vorgipfel umdrehten.

Vor zwei Jahren hatten der Chronist Eberhard Jurgalski und einige Mitstreiter nach langen Recherchen enthüllt, dass nur sehr wenige Bergsteiger wirklich am höchsten Punkt ganz am Ende des Grats angekommen waren. Auch an den Achttausendern Annapurna und Dhaulagiri hatten sie zahlreiche Fehleinschätzungen von Bergsteigern nachgewiesen, die sich am Gipfel wähnten, in Wahrheit aber an einem etwas tieferen Punkt angelangt waren.

Jurgalski und Co. schlugen vor, „Elitelisten“ für Bergsteiger zu führen, die den Hauptgipfel erreichen, und eine „Toleranzzone“ mit einigen Metern unter und neben dem höchsten Punkt zu definieren, innerhalb derer ein Achttausender als bestiegen gelten könne. Eine breite Diskussion darüber hatte allerdings nicht eingesetzt – vielleicht auch weil viele, die sich als Achttausender-Besteiger hatten feiern lassen, eine schlechte Außenwirkung fürchteten.

Update 28. September: Heute Mingma Gyalje Sherpa auf Facebook und Instagram ein Gipfelvideo veröffentlicht: