Simone Moro und Tamara Lunger planen Gasherbrum-Doppelüberschreitung im Winter

Tamara Lunger (l.) und Simone Moro

Die 33 Jahre alte Südtirolerin Tamara Lunger und der 52-jährige Italiener Simone Moro begeben sich auf die Spuren von Reinhold Messner und Hans Kammerlander. Im Sommer 1984, also vor 35 Jahren, hatten die Südtiroler Messner und Kammerlander im Karakorum in Pakistan Alpingeschichte geschrieben, als sie beiden Achttausender Gasherbrum II  (8034 Meter) und Gasherbrum I (8080 Meter) überschritten hatten: im Alpinstil, in einem Zug, sprich ohne abzusteigen – eine bis heute an diesen beiden Achttausendern nicht wiederholte Pioniertat. Zuletzt waren die Spanier Alberto Inurrategi, Juan Vallejo und Mikel Zabalza 2016 und 2017 an der Doppelüberschreitung der beiden Gasherbrum-Gipfel gescheitert. „Wir setzen noch eins drauf“, sagt Simone Moro. „Wir wagen uns an beide Achttausender inklusive Überschreitung als Winterexpedition.“

In der Klimakammer

Tamara bei einer Untersuchung in Bozen

Mitte Dezember wollen Lunger und Moro Richtung Pakistan aufbrechen. Zuvor akklimatisieren sich die beiden auf für sie ungewöhnliche Weise:  Die Profibergsteiger sind „Versuchskaninchen“ für eine wissenschaftliche Studie des privaten Forschungsinstituts Eurac Research in Bozen. Die erste Phase liegt bereits so gut wie hinter Simone und Tamara. In den vergangenen beiden Wochen haben sie außerhalb des Instituts trainiert und dann die Nächte im „terraXcube“ verbracht. In dieser Klimakammer können extreme äußere Bedingungen simuliert werden, z.B. dünne Luft und extreme Kälte wie auf einem Achttausender.  

In der zweiten Phase, die am Freitag beginnt, verlagern  Moro und Lunger auch ihr Training in die Kammer: auf Laufband und Fahrradergometer. Ziel ist es, eine gute Akklimatisierung bis auf eine Höhe von rund 6400 Metern zu erreichen. Die Wissenschaftler in Bozen erhoffen sich neue Erkenntnisse über die physiologischen Abläufe der Akklimatisierung sowie darüber, wie lange die Anpassung an die große Höhe vorhält und wie genau die De-Akklimatisierung verläuft. Dazu werden sich die beiden Bergsteiger auch nach ihrer Winterexpedition im Karakorum zahlreichen Untersuchungen unterziehen.

Eingespieltes Winterteam

Blutprobe von Simone (r.)

Simone Moro ist der einzige Bergsteiger, dem gleich vier Wintererstbesteigungen von Achttausendern gelangen: Shishapangma (2005 mit dem Polen Piotr Morawski), Makalu (2009 mit dem Kasachen Denis Urubko), Gasherbrum II (2011 mit Urubko und dem US-Amerikaner Cory Richards) und Nanga Parbat (2016 mit dem Spanier Alex Txikon und dem Pakistander Muhammad Ali „Sadpara“).

Zum Nanga Parbat war Moro mit Tamara Lunger aufgebrochen. Nur 70 Meter unterhalb des Gipfels musste die Südtirolerin umdrehen müssen, weil es ihr schlecht ging. Ein Jahr zuvor, im Winter 2015, scheiterten Simone und Tamara am Achttausender Manaslu an den Schneemassen. 2018 gelang dem Duo  im eiskalten Osten Sibiriens bei Temperaturen um minus 50 Grad Celsius die erste Winterbesteigung des 3003 Meter hohen Gora Pobeda (auch Pik Pobeda genannt). „Unsere Erfahrung mit Winterbegehungen wird hilfreich sein“, sagt Moro mit Blick auf das anstehende Projekt an Gasherbrum I und II.

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8 Antworten auf „Simone Moro und Tamara Lunger planen Gasherbrum-Doppelüberschreitung im Winter“

  1. Da bin Ich aber mal sehr gespannt ob es Ihnen gelingen wird. Ich bin dabei um die Italienische Sprache zu lernen damit Ich direkt mitkriegen werde wass Simone und Tamara schreiben.

  2. Alles klar. Nach der Kantsch-Traverse im Alpinstil ohne Flaschensauerstoff und der Manaslu-Traverse im Winter sollte das für die zwei kein Problem sein. Oder waren das auch nur leere Worte um deren Social Media Content zu pushen?!

  3. Ist das die selbe Überschreitung – zumindest in Teilen -, die Gerfried
    Göschl , Cedric Hählen und ein Pakistani imWinter 2015 unternommen haben und seither vermisst sind?

    Das wäre dann kein gutes Omen!

    1. Göschl, Hählen und Nisar Hussain hatten sich 2012 die damals noch nicht geschaffte Wintererstbesteigung des Gasherbrum I vorgenommen. Sie wollten den Gipfel überschreiten – auch das wäre eine Premiere in der kalten Jahreszeit gewesen. Bis heute ist das Trio verschollen. Ob das ein schlechtes Omen ist? Ich hoffe nicht.

    1. Lafaille kehrte zwar nicht ins Basislager zurück, benutzte aber für Auf- und Abstieg nicht bei beiden Gipfeln unterschiedliche Routen, insofern war es keine Überschreitung, sondern eine Doppelbesteigung. Ein solcher Solo-„Double header“ ohne Flaschensauerstoff gelang 2008 auch der Französin Elisabeth Revol.

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