Mount Everest nur noch für Reiche?

Nordseite des Mount Everest

„Nur noch Millionäre, die erwarten, dass man ihnen alles hinterherträgt.“ So in etwa beschrieb mir vor einiger Zeit ein Expeditionsleiter, der häufig im (wegen des Klimawandels leider nicht mehr ganz so) ewigen Eis der Arktis unterwegs ist, seine Kundschaft. Der Grund liegt auf der Hand: Der Preis für Last-Degree-Expeditionen – vom 89. Breitengrad zum Nordpol – hat sich wegen der immer teureren Logistik in den letzten zehn Jahren nahezu verdreifacht, auf aktuell rund 60.000 Euro. Auch die Preise für Expeditionen in die Antarktis – ob zum Südpol oder zum höchsten Berg des Kontinents, dem Mount Vinson – bewegen sich inzwischen in dieser Größenordnung und liegen damit für Normalverdiener außer Reichweite. Das gilt inzwischen ebenfalls für den „dritten Pol“, den Mount Everest – spätestens seit der drastischen Erhöhung der Permitgebühren auf der tibetischen Nordseite des Bergs, die ab 1. Januar 2020 in Kraft tritt.

Höhere Gebühren werden umgelegt

Everest (l.) und Lhotse

Wie berichtet, verlangen die chinesisch-tibetischen Behörden vom 1. Januar 2020 an für die Besteigung des höchsten Bergs der Erde 15.800 statt bislang 9950 Dollar pro Expeditionsteilnehmer, ein sattes Plus von 58 Prozent. Auch für nepalesische Climbing Sherpas wurden die Preise kräftig angezogen: 4500 statt bisher 3300 Dollar (plus 36 Prozent). Dass die kommerziellen Expeditionsveranstalter diese Mehrkosten auf den Gesamtpreis umlegen werden, liegt auf der Hand. Und nach allem, was man in der Szene hört, ist es auch wohl nur eine Frage der Zeit, bis die nepalesische Regierung die Preisschraube für den Everest ebenfalls kräftig anziehen wird: wenn nicht 2020, dann ziemlich sicher 2021.

Weniger Sponsorengelder

Schon jetzt kosten Expeditionen im Schnitt zwischen 50.000 rund 60.000 Dollar pro Nase, nach oben reicht die Spanne bis 160.000 Dollar. Wer kann und will sich den Everest noch leisten? Mit dem Geld, wenn man es denn überhaupt hat, könnte man sich schließlich auch ein schickes neues Auto kaufen oder die Summe als Grundstock für den Erwerb einer Immobilie nutzen.

Menschenschlange am Everest-Gipfelgrat (am 22. Mai)

„Das Traurige ist, dass der Everest in Zukunft ein Berg für Reiche oder Gesponserte wird“, schreibt mir ein Expeditionsveranstalter. Wobei auch die Zahl der Gesponserten rückläufig sein dürfte. Selbst Profibergsteiger beklagen in jüngster Zeit zunehmend, dass es immer schwieriger werde, Geldgeber für Bergprojekte zu finden. So werden am Ende dann wohl nur noch die Reichen am Everest übrig bleiben – und im Stau am Gipfelgrat stehen. Denn Millionäre, die auf ihre Visitenkarten den Zusatz „Everest-Besteiger“ drucken lassen wollen, gibt es weltweit immer noch viele. Wetten?

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