Skibergsteiger Bargiel und Speedspezialist Jornet wollen auf den Everest

Mount Everest

Fast neun Jahre lang war der Gipfel des Mount Everest im Herbst verwaist. Das könnte sich jetzt ändern. Die in Kathmandu erscheinende Zeitung „The Himalayan Times“ berichtet, dass zehn Bergsteiger für die anstehende Saison Permits für den höchsten Berg der Erde erhalten hätten. Darunter sind auch der polnische Skibergsteiger Andrzej Bargiel und sein älterer Bruder Grzegorz.

„Es wird kompliziert“

Andrzej Bargiel beim Trekking zum Everest-Basislager

Andrzej hatte im Sommer 2018 Geschichte geschrieben, als ihm die erste komplette Skiabfahrt vom K 2, dem zweithöchsten Berg der Erde, gelungen war. Beim Aufstieg zu dem 8611 Meter hohen Gipfel in Pakistan hatte Bargiel auf Flaschensauerstoff verzichtet. Gleiches plant der 31-Jährige jetzt auch für die nepalesische Südseite des Mount Everest. Der Slovene Davo Karnicar war im Jahr 2011 als erster Mensch vom höchsten Punkt bis zum Basislager abgefahren, ohne die Ski abzuschnallen. Davo hatte jedoch beim Aufstieg zusätzlichen Sauerstoff verwendet.

„Ich denke es wird sehr kompliziert“, sagte Bargiel vor der Expedition. Er rechne mit großen Schneemengen auf der Route. Außerdem sei es kühler, windig und es gebe weniger Wetterfenster als im Frühjahr. Auch im Vergleich zum K2 werde der Everest „definitiv eine Herausforderung“, sagte Andrzej: „Er ist fast 250 Meter höher, und der Gipfel liegt schließlich fast 9000 Meter über dem Meeresspiegel.“

In einer Woche zweimal Everest ohne Atemmaske

Kilian Jornet am Everest (2017)

Auf der Liste der Everest-Anwärter in diesem Herbst steht auch der Spanier Kilian Jornet, der sich auf Speedbesteigungen spezialisiert hat. Zunächst will der 31-Jährige laut der „Himalayan Times“ jedoch den benachbarten Achttausender Lhotse besteigen.

Jornet hatte im Frühjahr 2017 innerhalb von sieben Tagen zweimal im Eiltempo den Everest über die tibetische Nordseite bestiegen, beide Male ohne Flaschensauerstoff. Beim ersten Mal hatte er für den Weg vom Chinese Base Camp bis zum Gipfel lediglich 26 Stunden benötigt, beim zweiten Mal 17 Stunden.

Den bisher letzten Erfolg in der Nach-Monsun-Saison feierte der US-Amerikaner Eric Larsen, als er im Oktober 2010 mit den Sherpas Chhering Dorje, Pasang Dawa, Dawa Gyalzen, Pasang Temba und Nima Dorje den höchsten Punkt auf 8850 Metern erreichte. Larsen komplettierte damals seine Sammlung der „drei Pole“: Innerhalb von neun Monaten und 13 Tagen erreichte er den Südpol, den Nordpol (beide mit Skiern) und den Gipfel des Mount Everest.

Zuletzt zwei Jahre ohne Herbst-Expeditionen am Everest

Nobukazu Kuriki (1982-2018) war sechsmal im Herbst am Everest

Danach gab es nur noch wenige Everest-Expeditionen im Herbst, die letzten beiden 2016, damals jeweils über die Nordseite: Jornet drehte am Nordostgrat wegen zu großer Lawinengefahr auf 8000 Metern um, Nobukazu Kuriki in der Nordwand auf 7400 Metern. Der Japaner, der den Everest insgesamt sechsmal im Herbst versuchte, kam im Frühjahr 2018 ums Leben, nachdem er solo in die Südwestwand eingestiegen war.

Die meisten der laut der Chronik „Himalayan Database“ bislang 287 erfolgreichen Everest-Besteigungen  während der Herbstsaison trugen sich in den drei Jahrzehnten vor der Jahrtausendwende zu (251). Erstmals im Nach-Monsun standen am 26. Oktober 1973 die beiden Japaner Hisashi Ishisaro und Yasuo Kato auf dem höchsten Gipfel der Erde. Die erste Besteigung der bislang 31 Herbst-Besteigungen des Mount Everest ohne Flaschensauerstoff gelang 1978 dem Deutschen Hans Engl.

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