Keine Chance. „Die klirrende Kälte und der starke Wind machten es unmöglich, voranzukommen“, sagte Sanu Sherpa nach Angaben des nepalesischen Portals „The Tourism Times“ . Das Rettungsteam unter Sanus Führung sei aus Lager IV auf rund 7900 Metern ins Basislager zu Füßen des Makalu zurückgekehrt.
Die Retter aus Reihen der kommerziellen Expeditionsanbieter Makalu Adventure und 8K Expeditions würden nach dem nunmehr zweiten erfolglosen Versuch in den kommenden Tagen nach Kathmandu zurückkehren, hieß es. Weitere Aufstiege seien angesichts des fortdauernd schlechten Wetters und der großen Höhe zu gefährlich.
Team trennte sich nach tödlichem Absturz
Wie berichtet, hatten am vergangenen Donnerstag ( 15. Januar) Sanu Sherpa und der iranische Kunde Abolfazl Gozali sowie Sanus jüngerer Bruder Phurba Ongel Sherpa und Lakpa Rinji Sherpa etwa gleichzeitig den Gipfel auf 8485 Metern erreicht. Beim Abstieg dann die Tragödie. Wie sie ablief, schilderte Sanu später der Tourism Times.

Phurba Ongel und Lakpa Rinji seien ein Stück vor den beiden anderen gewesen. „Ich sah Lakpa Rinji ein paar Meter unter mir weinen und fragte ihn, was passiert sei. Er erzählte mir, dass Phurba Ongel von dort abgestürzt sei“, sagte Sanu. Er und Lakpa Rinji hätten beschlossen, nach Phurba Ongel zu suchen, und Gozali gebeten, an Ort und Stelle zu bleiben. „Aber Gozali sagte, er würde langsam alleine absteigen“, so Sanu. „Wir fanden Phurba Ongel dann auf etwa 7500 Metern, nachdem wir etwa eine Stunde lang in dem Gebiet geblieben waren.“ Sie hätten erwartet, Gozali in Lager 3 anzutreffen, doch er sei weder dort noch in Lager 2 gewesen.
Hoher Preis
Von dem Iraner fehlt nach Angaben des Expeditionsveranstalters Makalu Adventure jede Spur. Dass der Iraner eine Woche am Berg bei Temperaturen um minus 30 Grad Celsius und teilweise orkanartigen Windböen überlebt hat, ist nach menschlichem Ermessen ausgeschlossen.
Damit hat das Team für die zweite Winterbesteigung des fünfthöchsten Bergs der Erde einen hohen Preis gezahlt. Zwei der vier Bergsteiger, die am Gipfel waren, verloren ihr Leben: der 45 Jahre alte Phurba Ongel Sherpa und der 42 Jahre alte Abolfazl Gozali.
Die kommerziellen Veranstalter sollten meiner Meinung nach in sich gehen und darüber nachdenken, ob es wirklich verantwortbar ist, im Winter Kunden auf Achttausender zu führen. In früheren Zeiten waren Winterbesteigungen an den höchsten Bergen der Welt nur den besten und leidensfähigsten Bergsteigern vorbehalten – und das nicht ohne Grund.
Update 23. Januar: Makalu Adventure hat bestätigt, dass die Suche nach Abolfazl Gozali und die Versuche, den Körper des rund 200 Meter abgestürzten Phurba Ongel Sherpa zu bergen, endgültig eingestellt wurden. „Weitere Versuche waren aufgrund des Geländes, der Höhe, des Wetters und der Sicherheitsrisiken nicht durchführbar“, teilt das Unternehmen mit und spekuliert, was Gozali zugestoßen sein könnte: „Es wird vermutet, dass er die Orientierung verlor und vom Grat zwischen Lager 4 und Lager 3 abstürzte.“


