Er gehörte zur aufstrebenden jungen Generation pakistanischer Bergsteiger. „In den hohen Bergen ist es entscheidend, die richtige Entscheidung zu treffen, aber noch wichtiger ist es, an sich selbst zu glauben“, schrieb Shah Doulat im Sommer 2024, nachdem er am Gasherbrum II erstmals hauptverantwortlich eine Achttausender-Expedition zu einem erfolgreichen Ende geführt hatte. Am Freitag stürzte Shah in den Tod.
Wie die pakistanische Zeitung „The Dawn“ berichtet, war der 29 Jahre alte Bergführer nahe dem Dorf Khyber im Hunza-Tal beim Eisklettern mit einem ausländischen Kunden. Doulat habe den Halt verloren und sei 400 Meter abgestürzt, heißt es in dem Bericht. Einheimische hätten ihn nur noch tot bergen können. Der Bergsteiger wurde nur 29 Jahre alt.
Samina Baig: „Ein Juwel in unserer Familie“
Shah stammte aus dem Shimshal-Tal in der Hunza-Region. Er sei „ein wahres Juwel in unserer Familie“ gewesen, schreibt seine Cousine, die bekannte pakistanische Bergsteigerin Samina Baig auf Instagram.
Sie war 2013 die erste Frau aus Pakistan, die den Mount Everest bestieg und ein Jahr später die Erste aus ihrem Land, die auf den Seven Summits stand, den höchsten Bergen aller Kontinente.
2022 bestieg Samina auch den K2, den zweithöchsten Berg der Erde – gemeinsam mit ihrem Cousin Shah Doulat. „Als junger Bergsteiger hat er in seinem kurzen Leben so viel erreicht und mit seinem Mut und seiner sanften Art viele Herzen berührt“, schreibt Baig.
Seinen ersten Achttausender widmete er den verstorbenen Cousins
Den Gipfelerfolg am K2, seinem ersten an einem Achttausender, widmete Doulat seinen Cousins Jehan Baig und Karim Meherban, die 2008 am selben Berg ums Leben gekommen waren.

Mit insgesamt elf Toten war es eine der größten Tragödien am zweithöchsten Berg der Erde. Wegen des Unglücks verbot Shahs Familie dem damals Elfjährigen zunächst, weiter bergzusteigen. Doch seine Leidenschaft für die Berge ließ sich nicht auf Dauer zügeln.
Ohne Atemmaske auf Nanga Parbat und Gasherbrum I
Ende 2021 gründete Shah sein eigenes Expeditionsunternehmen Summit Experts. 2023 bestieg er auch den Nanga Parbat – ohne Flaschensauerstoff. „Ein epischer Aufstieg, der mich über meine Grenzen hinausgetrieben hat“, schrieb er anschließend. „Diese Reise war eine echte Bewährungsprobe für wahren Alpinismus. Wir haben uns jeder Herausforderung gestellt und bewiesen, dass wir in den Bergen unsere Stärke finden.“
2024 bestieg Doulat den Gasherbrum II. 2025 stand er auf dem Gasherbrum I, seinem vierten Achttausender, diesmal wieder ohne Atemmaske.
Für diesen Sommer hatte er sich eine Doppelexpedition zum K2 und zum Broad Peak vorgenommen. Letzterer fehlte ihm noch in seiner Sammlung der fünf Achttausender Pakistans. Sie bleibt unvollendet.
Shah Doulats demütiges Credo am Berg, das er vor gut einem Jahr auf Instagram formulierte, wird hoffentlich auch nach seinem frühen Tod weiterleben: „Bewege dich lautlos. Lass deine Taten sprechen.“



