Tschechen wollen auf den noch unbestiegenen 7000er Muchu Chhish

Muchu Chhish

Drei Tschechen wollen einen weißen Fleck auf der Karte der höchsten Berge der Welt beseitigen. Pavel Korinek, Pavel Bem und Jiri Janak sind in Pakistan eingetroffen, um erstmals den Siebentausender Muchu Chhish zu besteigen. „Wir sind glücklich hier zu sein, nach all den Schwierigkeiten, für die die Covid-Pandemie rund um den Globus gesorgt hat“, sagte Bem nach der Ankunft in Islamabad (siehe Video unten): „Wir hoffen, dass wir das nötige Glück haben, Inshallah!“ Die drei Bergsteiger wollen sich nun erst einmal im Norden des Landes akklimatisieren. Bis zu zwei Gipfelversuche im Alpinstil sind dann für Ende August, Anfang September geplant.

Der 7453 Meter hohe Muchu Chhish im Batura-Massiv im Karakorum gilt als zweithöchster noch unbestiegener Gipfel der Erde – wobei er wegen der niedrigen Schartenhöhe (Höhendifferenz zwischen dem Gipfel und der Einbuchtung zur nächstgelegenen Erhebung) von 263 Metern aus geographischer Sicht eher ein Nebengipfel als ein eigenständiger Berg ist.

Wie auch immer, noch hat kein Mensch seines Fuß auf die höchste Stelle des Muchu Chhish gesetzt. Im August 2014 hatten die britischen Bergsteiger Peter Thompson, Tim Oates und Phil De-Beger einen Versuch in der vereisten Südwand des Bergs auf 6000 Metern abgebrochen.

Drei aus Neun

„Natürlich ist es ein gefährlicher Berg, es gibt Dinge, von denen wir nichts wissen“, sagt Pavel Burda, der Sprecher der Expedition, dem Portal iDnes.cz. „Bei einer Erstbesteigung kann jeder Meter ein großes Abenteuer sein.“ Burda war einer der ursprünglich neun tschechischen Bergsteiger, die eigentlich den Muchu Chhish in diesem Sommer angehen wollten. Wegen der Corona-Pandemie blieben am Ende nur drei übrig.

Muchu-Chhish-Team mit Karrar Haidri, dem Chef des Alpine Club of Pakistan (2.v.r.)

Expeditionsleiter ist der 39 Jahre alte Pavel Korinek. Im Sommer 2018 gehörte er zu sechs tschechischen Bergsteigern, die den Gipfel des 8125 Meter hohen Nanga Parbat bestiegen – ebenso wie Pavel Bem.

Der 57-Jährige, der als Politiker der liberal-konservativen Partei ODP von 2002 bis 2010 Oberbürgermeister von Prag war, hat die meiste Himalaya- und Karakorum-Erfahrung innerhalb des Trios. Neben dem Nanga Parbat bestieg Bem den Mount Everest (2007) und auch die anderen Seven Summits, die höchsten Berge aller Kontinente. 2012 erreichte Pavel zudem den Gipfel des K2, des zweithöchsten Bergs der Erde. Jiri Janak ist in der Höhenbergsteiger-Szene ein noch relativ unbeschriebenes Blatt. 2019 erkundete er mit Korinek den Muchu Chhish.

Zweite ausländische Expedition

Geplante Route des tschechischen Teams

Die Tschechen sind das zweite ausländische Expeditionsteam, das sich nach der Wiederöffnung Pakistans für Touristen am 8. August auf den Weg gemacht hat. Wie berichtet, hält sich bereits eine Gruppe des kommerziellen Veranstalters Summit Climb mit dem deutschen Expeditionsleiter Felix Berg im Karakorum auf. Die fünf Bergsteiger wollen sich an zwei noch unbestiegenen, ungefähr 6000 Meter hohen Bergen im Shimshal-Tal versuchen.

Der Gangkhar Puensum in Bhutan

Der höchste Gipfel der Erde, den noch niemals betreten wurde, ist der 7570 Meter hohe Gangkhar Puensum an der Grenze zwischen Bhutan und China. In den 1980er Jahren gab es einige erfolglose Versuche, den Berg zu besteigen. 1994 sperrte das Königreich Bhutan alle Berge über 6000 Meter, seit 2004 ist in dem Himalaya-Staat Bergsteigen generell verboten, erlaubt ist nur noch Trekking. In Bhutan gelten die Berge als Wohnsitz der Götter und dürfen deshalb nicht mehr bestiegen werden.

P.S.: Wann die Herbst-Saison in Nepal beginnen kann, ist weiter offen. Wegen der zuletzt stark angestiegenen Zahl von Corona-Infektionen hat die Regierung in dieser Woche wieder einen Lockdown für das Kathmandu-Tal verkündet.