Everest-Legende Doug Scott unheilbar krank

Doug Scott

Die internationale Bergsteigerszene ist geschockt. Doug Scott, die lebende Legende des Bergsteigens im Himalaya und Karakorum, ist unheilbar an Krebs erkrankt. Der 79 Jahre alte Engländer habe einen nicht operablen Tumor des Lymphgewebes im Gehirn, berichtete am Wochenende die „Sunday Times“ unter Berufung auf Scotts Ehefrau Patricia. Die Diagnose habe Doug am ersten Tag des Corona-Lockdowns in Großbritannien Mitte März erhalten, so die Times. Seitdem halte er sich nur noch im Erdgeschoss seines Hauses im Lake District in der Grafschaft Cumbria auf.

„Everest Challenge 2020“

Obwohl schwer krank, quälte sich Scott in der vergangenen Woche noch einmal die Treppe seines Hauses hinauf – im selben Daunenanzug, in dem er 1975 mit Dougal Haston erstmals die extrem schwierige Südwestwand des Mount Everest gemeistert hatte. „Höllisch“ sei der Treppenaufstieg gewesen, ließ Doug hinterher wissen. Er tat es für die „Everest Challenge 2020„, eine Spendenaktion der Hilfsorganisation „Community Action Nepal“ (CAN), die er vor 30 Jahren gegründet hatte.

Dafür sollen so viele Menschen wie möglich je 20-mal eine Treppe hinauflaufen, ein originelles Foto davon in den sozialen Netzwerken posten, andere dazu animieren, es ihnen gleichzutun – und, am wichtigsten, Geld spenden. Es soll der armen Bergbevölkerung Nepals zugutekommen, die von der Corona-Krise wirtschaftlich besonders hart getroffen wurde. An der „Everest Challenge 2020“ beteiligten sich auch andere Mitglieder der bahnbrechenden Expedition vor 45 Jahren, wie der inzwischen 86 Jahre alte damalige Expeditionsleiter Sir Chris Bonington und der heute 74-jährige Pertemba Sherpa, seinerzeit der Sirdar, der Chef der Sherpas im Team.

Biwak auf 8760 Metern  

Everest-Südwestwand

Die Durchsteigung der Everest-Südwestwand, damals eines der „letzten großen Probleme“ des Alpinismus, gilt als Meilenstein im Himalaya-Bergsteigen. Zuvor waren fünf Expeditionen an der mehr als 2000 Meter hohen Wand gescheitert. Auch nach 1975 gelang es nur rund 30 weiteren Bergsteigern, die Südwestwand zu durchklettern.

Scott und Haston erreichten am 24. September 1975 den höchsten Punkt. Nach ihrem Gipfelerfolg überlebten sie ein Biwak auf 8760 Metern. „Wir fanden den einfachsten Weg, beinahe in Serpentinen den Berg hinauf. Es war die einzig mögliche Linie, die natürliche Linie“, sagte mir Doug vor einigen Jahren. Er und Haston benutzten bei ihrem Aufstieg Atemmasken. “Als ich auf 8700 Metern ohne Flaschensauerstoff biwakierte, wusste ich, dass es auch ohne möglich gewesen wäre“, so Scott.

Drama am Ogre mit glücklichem Ausgang

Doug Scott (l.) überreicht 2015 Chris Bonington für dessen Lebenswerk den Piolet d’Or, Scott selbst erhielt den „Oscar der Bergsteiger“ 2011

Doug Scott gelangen mehr als 20 Erstbegehungen im Himalaya und Karakorum. Legendär war auch seine Erstbesteigung des 7285 Meter hohen Ogre I (auch Baintha Brakk genannt) im Karakorum, die ihm am 13. Juli 1977 gemeinsam mit Bonington gelang. Der Abstieg wurde zum Drama mit glücklichem Ausgang: Scott brach sich beide Knöchel, Bonington zwei Rippen. Dennoch erreichten beide, unterstützt von den anderen Teammitgliedern, eine Woche nach dem Gipfelerfolg das Basislager. Eine der großen Überlebensgeschichten an den höchsten Bergen der Welt.

Doch auch Dougs Leben ist endlich. Meine Gedanken sind bei ihm. Ich glaube, wir können ihm eine große Freude machen, wenn sich möglichst viele an seiner Hilfsaktion „Everest Challenge 2020“ beteiligen. Also, ab auf die Treppe!