Everest-Winterexpeditionen: Kobusch runter, die anderen rauf

Jost Kobusch im Aufstieg

War es das? Wie der GPS-Tracker von Jost Kobusch heute zeigte, stieg er von der Everest-Westschulter zum Lho La ab. Auf dem 6000 Meter hohen Pass zwischen Nepal und Tibet hatte er sein Lager 1 aufgestellt. Am gestrigen Montag hatte der 27 Jahre alte deutsche Bergsteiger eine Höhe von rund 7300 Metern erreicht, war dann aber wieder in sein Lager 2 auf etwa 6800 Metern abgestiegen.

Kobusch hatte sich das äußerst ambitionierte Ziel gesetzt, den höchsten Berg der Erde im Alleingang und ohne Flaschensauerstoff zu besteigen, über den eher selten begangenen Westgrat und das Hornbein-Couloir in der Nordwand. Vor seinem aktuellen Vorstoß hatte er vom „finalen Versuch“ gesprochen. Das passte auch zu seiner Ankündigung vor der Expedition, seine Zelte am Everest spätestens zum Ende des kalendarischen Winters am kommenden Samstag, abzubrechen.

Sherpa-Winterteam wie aus dem Nichts

Alex Txikon vor dem morgendlichen Aufbruch

Auch Alex Txikons Winter-Permit endet am kommenden Samstag. Der Spanier brach heute zu seinem angekündigten letzten Gipfelversuch auf. Der GPS-Tracker des 31-Jährigen zeigt als letzten Aufenthaltsort Lager 1 auf der Normalroute auf etwa 6000 Metern. Auch Alex verzichtet auf Flaschensauerstoff. Er selbst sprach vor dem Aufbruch von neun nepalesischen Begleitern: fünf aus seinem eigenen Team – und den vier Sherpas des Teams „Breathless Winter Everest“. 

Das Sherpa-Team war wie aus dem Nichts aufgetaucht. Erst am Sonntag war angekündigt worden, dass Expeditionsleiter Tashi Lakpa Sherpa, ein achtmaliger Everest-Besteiger, sowie seine ebenfalls erfahrenen Mitstreiter Mingtemba („Mikel“) Sherpa, Pasang Nurbu Sherpa und Halung Dorchi („Sanu“) Sherpa mit dem Hubschrauber ins Basislager fliegen würden, um einen Speed-Winteraufstieg zu versuchen. Bis zum 29. Februar wollen sie den Gipfel erreichen, Tashi Lakpa nach eigenen Worten ohne Flaschensauerstoff. Vorakklimatisiert haben sich die Sherpas in den argentinischen Anden.

„Kein Recht, Veto einzulegen“

Halung Dorchi Sherpa, Tashi Lakpa Sherpa, Mingtemba Sherpa, Pasang Nurbu Sherpa (v.l.n.r.)

Das wirkt ein wenig, als würde sich das nepalesische Team ins gemachte Nest setzen. Schließlich haben Txikon und seine Mitstreiter in wochenlanger mühsamer Arbeit die Route bis auf eine Höhe von rund 7000 Metern vorbereitet. Sein Team sei von der Nachricht aus Kathmandu ziemlich überrascht worden, sagte der Spanier, gab sich anschließend aber kooperationsbereit. „Ich habe nicht das Recht, ein Veto einzulegen. Der Everest gehört weder mir noch irgendjemandem. Aber wir werden versuchen, die Sache zu regeln und zusammenzuarbeiten, denn ein größeres Team hat mehr Möglichkeiten“, schrieb Alex. „Auf jeden Fall müssen wir jetzt unsere ganze Energie auf den Berg konzentrieren. Darauf, so hoch wie möglich zu kommen und vor allem, sicher nach Hause zu  gelangen.“

Update 26. Februar, 15.00 Uhr MEZ: Nach den Angaben seines GPS-Tracker hat Alex Txikon heute Lager 2 auf 6479 Metern erreicht. In der vergangenen Nacht habe es jede Menge Neuschnee am Berg gegeben, teilte Txikons Team mit. Deshalb seien die Bergsteiger erst später aufgebrochen als eigentlich geplant. Letzte Position von Jost Kobusch: am Rand des Lho La.

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