Felix Berg: „Sehr spezielle Saison“ am Mount Everest

Felix Berg (r.) und Renji Sherpa (l.) auf dem Gipfel des Mount Everest

„Es erinnerte an einen Apokalypse-Film“, beschreibt Felix Berg den Augenblick, als er am 29. Mai mit seinem Kunden Robert Westreicher per Hubschrauber im Everest-Basislager landete. „Die ganze Zeit über sind permanent mindestens drei Helikopter gelandet und dann wieder gestartet. Es war schon speziell: Wir sind zu zweit rein, während gefühlte Hundertschaften aufbrachen, um nicht zu sagen flüchteten.“ Der deutsche Expeditionsleiter vom Veranstalter Summit Climb kam erst zum Mount Everest, als diese Frühjahrssaison, die unter dem Schatten des Corona-Ausbruchs lag, eigentlich schon so gut wie vorbei war.

Ab 8400 Metern mit Maske

Mount Everest
Mount Everest

Voll akklimatisiert von ihrem gescheiterten Versuch ohne Flaschensauerstoff am Achttausender Makalu, starteten Felix und Robert, begleitet von Renji und Tashi Dawa Sherpa, am 30. Mai zu einem Last-Minute-Gipfelversuch. An jenem Tag stiegen sie vom Basislager direkt nach Lager 3 auf 7200 Metern, am nächsten Tag zum Südsattel auf knapp 8000 Metern. „Der Sturm hatte dort viele Zelte zerstört, Lager 4 sah schon ziemlich düster aus“, sagt Felix.

Westreicher nutzte ab Lager 3 Flaschensauerstoff, Berg griff kurz unterhalb des so genannten „Balkons“ auf etwa 8400 Metern zur Atemmaske. Alle vier Teammitglieder erreichten am Morgen des 1. Juni den Gipfel auf 8849 Metern. Für Berg war es das zweite Mal nach 2004, als er als 23-Jähriger, ebenfalls mit Flaschensauerstoff, über die tibetische Nordseite auf das Dach der Welt gestiegen war.

Zu windig, zu müde

Eigentlich hatte der 40-Jährige diesmal ohne Atemmaske aufsteigen wollen. „Mit der Zeit wurde mir kalt, der Wind blies mit 40 bis 50 Stundenkilometern, und das nicht nur in Böen. Es war kein toller Tag, um ohne Maske zu gehen“, sagt Felix. „Aber wer weiß, vielleicht hätte es jemand mit ein bisschen mehr Biss geschafft. Ich war doch ein wenig müde von den Vortagen.“ Nach den mir vorliegenden Informationen nutzten alle mehr als 400 Menschen, die im Frühjahr 2021 den Gipfel des Everest erreichten, Flaschensauerstoff.

Hygienisch schwierige Umstände

Felix (im Hintergrund Mount Everest und Makalu)

Es sei eine „sehr spezielle Saison“ am Mount Everest gewesen, sagt Felix – zum einen wegen Corona, zum anderen wegen des Wetters. „Einigen Teams sind wegen COVID die Sherpas ausgefallen. Aber vor allem war es wegen der zwei Zyklone eine wettertechnisch schlechte Saison.“

Über die Corona-Lage am Everest könne er nicht viel sagen, er sei ja nur fünf Tage dort gewesen, erklärt Berg: „Als wir ankamen, saßen in dem riesigen Dome-Zelt, wo sich vorher wohl 30 Leute reingequetscht hatten, nur noch nur wir und David (Göttler) und Kilian (Jornet), sonst niemand mehr. Aber es ist klar, dass es problematischer ist, wenn sich rund 1000 Leute unter hygienisch schwierigen Umständen im Basislager drängen.“

Von der dramatischen Verschärfung der Corona-Situation in Nepal Ende April, Anfang Mai hätten er und sein Team in den Bergen nicht viel gespürt, sagt Felix Berg. Am Sechstausender Mera Peak und am Siebentausender Baruntse, wo sich sein Team akklimatisierte, hätten sich nur wenige Bergsteiger aufgehalten, ebenso am Makalu: „Dort waren wir insgesamt vielleicht 40 Personen. Der Makalu dürfte COVID-frei geblieben sein.“

In Kathmandu habe sich ihnen ein ganz anderes Bild geboten: „Bei unserer Rückkehr herrschte ein kompletter Lockdown, wie es ihn bei uns noch nicht gegeben hat“, so Felix. „Alles geschlossen, Polizei und Militär auf den Straßen, ohne Genehmigung kamst du nirgendwo hin. Das war schon speziell.“ Mit einem Charterflug habe sein Team schließlich das Land verlassen können.

„Ohne Geld kein Essen auf dem Tisch“

Expeditionen in Zeiten von Corona hält Felix Berg grundsätzlich für verantwortbar, „wenn man sich eine gute Maske aufsetzt, auf seine Hände aufpasst und sich an die Regeln hält“. Probleme entstünden erst dann, wenn sich Menschen undiszipliniert verhielten. „Ich fürchte, daran wird man nichts ändern können. Das persönliche Verhalten ist das Grundproblem bei Reisen und Expeditionen.“ Felix weist darauf hin, dass die Menschen im Himalaya auf die Einnahmen aus dem Bergtourismus angewiesen seien: „In Nepal druckt niemand einfach Geld und verteilt es an die Bevölkerung. Wenn das Geld fehlt, dann gibt es kein Essen auf dem Tisch.“