Trauer um Everest-Besteiger Lhakpa Nuru Sherpa

Lhakpa Nuru Sherpa (1978 – 2021)

Lhakpa Nuru Sherpa ist der fünfte Tote der in der vergangenen Woche abgeschlossenen Frühjahrssaison am Mount Everest. Am 3. Juni starb Lhakpa Nuru im Khangri International Hospital in Kathmandu. In diesem Monat wäre er 43 Jahre alt geworden. Der Sherpa sei an Herz-Lungen-Versagen in Folge eines schweren Höhenlungenödems gestorben, steht auf dem Totenschein des Krankenhauses.

Chhang Dawa Sherpa, Vorstand des größten nepalesischen Expeditionsveranstalters Seven Summit Treks, bestätigte mir den Todesfall. Lhakpa Nuru sei am 29. Mai mit einem Rettungsflug aus dem Everest-Basislager gebracht und direkt in das Krankenhaus eingeliefert worden, wo er wegen des Lungenödems behandelt worden sei – am Ende vergeblich. Der 42-Jährige hinterlässt seine Ehefrau und ihren gemeinsamen Sohn.

„Tate Lhakpa“

Südseite des Mount Everest

„Er war ein sehr erfahrener Bergsteiger und hat in diesem Jahr auch den Gipfel des Mount Everest erreicht, am 11. Mai“, schreibt mir Chhang Dawa.

Lhakpa Nuru Sherpa wurde auch „Tate Lhakpa“ gerufen. Tate ist ein kleines Dorf im Solukhumbu, das auf knapp 2800 Meter Höhe liegt, gegenüber von Lukla, dem Einfallstor zum Everest-Gebiets: auf der anderen Seite des Flusses Dudh Kosi. Dort erblickte Lhakpa Nuru Sherpa 1978 das Licht der Welt.

2008 bestieg er erstmals den Gipfel des Mount Everest. Wie oft genau er den höchsten Punkt der Erde auf 8849 Metern erreichte, lässt sich (wegen der Häufigkeit seines Namens) nur schwer rekonstruieren. In der Bergsteiger-Chronik Himalayan Database sind drei weitere Gipfelerfolge von ihm verzeichnet, aus den Jahren 2011 bis 2013.

Auch auf Manaslu, Lhotse und Annapurna

R.I.P.

Lhakpa Nuru war 2014 auch unter den Sherpas, die die Chinesin Wang Jing bei ihrer umstrittenen Everest-Besteigung begleiteten. Nachdem wegen des Lawinenunglücks im Khumbu-Eisbruch mit 16 Toten die Everest-Saison in Nepal abgebrochen worden war, hatte sich Wang Jing mit dem Hubschrauber nach Lager 2 fliegen lassen und war von dort aus mit ihrem Sherpa-Team zum Gipfel aufgestiegen. Laut Himalayan Database gehörte Lhakpa Nuru jedoch nicht zu den drei Sherpas, die mit der Chinesin ganz oben waren.

Im Winter 2016/17 unterstützte er den Spanier Alex Txikon bei dessen gescheitertem Everest-Versuch ohne Flaschensauerstoff. Die Chronik des Bergsteigens im Himalaya listet zudem fünf weitere Achttausender-Erfolge Lhakpa Nuru Sherpas auf: drei am Manaslu (2014,2017 und 2018), je einen am Lhotse (2016) und an der Annapurna (2016).

Am Mount Everest waren zuvor in der abgelaufenen Klettersaison vier Bergsteiger ums Leben gekommen: ein Schweizer, ein US-Amerikaner und ein Sherpa am oder oberhalb des Südsattels (7950 Meter), ein weiterer Sherpa durch einen Spaltensturz beim Abstieg von Lager 2 (6400 Meter) nach Lager 2 (6100 Meter).