Sani Pakkush: Welfringer und Fine gelingt Gewinnschlag mit der Rückhand

Symon Welfringer (r.) and Pierrick Fine (l.)
Symon Welfringer (r.) und Pierrick Fine (l.) am Sani Pakkush

Manchmal kommt es eben anders. Eigentlich hatten die französischen Bergsteiger Symon Welfringer und Pierrick Fine, beide Mitte 20, für diesen Herbst ein Projekt in Nepal geplant. Doch wegen der Corona-Pandemie war lange Zeit ungewiss, ob der Himalaya-Staat überhaupt für ausländische Besucher offen sein würde. Kurz entschlossen planten die beiden um und reisten nach Pakistan zum Sani Pakkush.

Der formschöne 6953 Meter hohe Berg liegt im Batura-Muztagh-Massiv im Nordwesen des Karakorum. Zuvor war er erst einmal bestiegen worden, 1991 von einer deutschen Expedition: Hubert Bleicher, Arnfried Braun, Daniel Ketterer und Leo Klimmer waren über den steilen Nordwestgrat aufgestiegen. Welfringer und Fine – sie hatten bereits 2019 im Karakorum am 5960 Meter hohen Risht Peak eine neue Route eröffnet – hatten ein anderes Ziel: die noch jungfräuliche 2500 Meter hohe Südwand des Bergs.

Wenig erholsame Biwaknächte

Sani Pakkush Couloir
Im Couloir

Nach zweiwöchiger Akklimatisierung brechen Symon und Pierrick am 16. Oktober von ihrem Basislager auf – bei perfektem Wetter, auch wenn das Thermometer nachts bis auf minus 30 Grad Celsius fällt. „Wir verbringen fünf Tage in der Südwand des Sani Pakkush und klettern durch ein teils mehr, teils weniger steiles Couloir, 50 bis 90 Grad, mal mehr, mal weniger beladen mit Schnee, Eis und Fels, auf der linken Seite des Gipfels“, beschreibt Fine die Aufstiegsroute.

Die Rinne, die zum Gipfelgrat führt, habe kaum Plätze für Biwaks geboten. „Am dritten Tag waren wir nach zwei schlechten Biwaks wirklich erschöpft“, berichtet Welfringer. „Wir beschlossen, unser Zelt auf einer Höhe von 6400 Metern auf dem Gipfelgrat aufzustellen, wo wir eine schöne und bequeme Gletscherspalte fanden, um uns richtig auszuruhen.“

Pierrick (l.) und Symon (r.) am Gipfel

Am nächsten Tag steigen die beiden – „zwischen prächtigen baiserartigen Wechten hindurch“, so Pierrick – zum höchsten Punkt. „Bei ständig wechselnden Verhältnissen wurde der Aufstieg härter und härter“, schreibt Symon. „Aber nach sieben Stunden harter Arbeit, bei der wir uns teilweise durch Pulverschnee wühlen mussten, erreichten wir um 14 Uhr Ortszeit völlig erschöpft den Gipfel des Sani Pakkush auf 6953 Metern.“ Am folgenden Tag, dem 20. Oktober, kehren die beiden Franzosen nach dem Abstieg durch die Südwand wieder wohlbehalten in ihr Basislager zurück.

Großes Stück Alpinismus

Ihre Route taufen Welfringer und Fine „Revers gagnant“ – so wird im Tennis ein Gewinnschlag mit der Rückhand genannt. „Dieser Name weist darauf hin, dass wir allen Widerständen zum Trotz gespielt haben – indem wir uns, ohne lange nachzugrübeln, entschieden, nach Pakistan zu gehen, in einer Jahreszeit, die angeblich schlecht für Alpinismus sein sollte“, schreibt Symon. Mit der ersten Durchsteigung der Sani-Pakkush-Südwand sei ihnen aber ein „großes Stück Alpinismus“ gelungen. In der Tat.

„Dieses pakistanische Abenteuer hat uns gezeigt, dass es vor allem auf organisatorische Flexibilität und Anpassungsfähigkeit ankommt, wenn man Spaß in den Bergen haben will“, bilanziert Pierrick. Manchmal kommt es eben anders.