Ukrainern gelingt Paukenschlag an der Annapurna III

Viacheslav Polezhaiko, Nikita Balabanov und Mikhail Fomin (v.l.n.r.)
Erfolgreiches Trio: Viacheslav Polezhaiko, Nikita Balabanov und Mikhail Fomin (v.l.n.r.)

Dieses Ziel fehlte so gut wie nie, wenn wer auch immer eine Liste der noch verbliebenen ultimativen alpinistischen Herausforderungen im Himalaya und Karakorum aufstellte: der Südostgrat der 7555 Meter hohen Annapurna III im Westen Nepals. Jetzt kann man dieses Projekt von den Listen streichen. Die Ukrainer Nikita Balabanov, Mikhail Fomin und Viacheslav „Slava“ Polezhaiko haben nach eigenen Angaben die Route vollständig geklettert und den Gipfel erreicht. Inzwischen kehrte das Trio wohlbehalten nach Kathmandu zurück.

Für die drei Ukrainer war es der zweite Anlauf an der Annapurna III. Im Herbst 2019 waren sie auf gut 6300 Meter Höhe umgekehrt, weil sich Balabanov Erfrierungen zugezogen hatte. Schon damals sprach der Ukrainer von einer „einzigartigen Linie“: „Denn es sind drei vertikale Kilometer, vollgepackt mit absolut verschiedenen Arten von schwierigem Gelände: Wasserfall-Eis, vertikaler Schnee, durchbrochene Schneekämme, ein steiler Mix.“

Piolet-d’Or-Preisträger

Annapurna III Südostgrat
Klettern am Grat

Das ukrainische Trio gehört zur Crème de la Crème im Bergsteigen an den höchsten Bergen der Welt. Im Herbst 2014 gelang ihnen am 6427 Meter hohen Langshisa Ri im Langtang in Nepal die Erstbegehung des Nordwestpfeilers. Ein Jahr später kletterten Balabanov und Fomin erstmals den Nord-Nordwestpfeiler des 7348 Meter hohen Talung, der in der Nähe des Achttausenders Kangchendzönga liegt. Für ihre Route, die sie im Alpinstil bewältigten, wurden sie 2016 mit dem Piolet d’Or ausgezeichnet, dem „Oscar der Bergsteiger“.

Viele gescheiterte Versuche

Südostgrat der Annapurna III
Südostgrat der Annapurna III (von der Bildmitte links ansteigend)

In den vergangenen 30 Jahren hatten sich einige Top-Bergsteiger an dem Südostgrat der Annapurna III die Zähne ausgebissen. Schon der Zustieg ist so schwierig, dass einige frühe Expeditionen gar nicht das Basislager erreichten. Heute fliegen die Bergsteiger meist mit dem Hubschrauber dorthin.

Die ersten, die sich vergeblich am Südostgrat versuchten, waren 1981 die Briten Nick Colton und Tim Leach. Nach eigenen Angaben erreichten sie eine Höhe von rund 6700 Metern, ehe sie wegen zu starken Windes umkehrten. „Die Route ist möglich, wird aber im Alpinstil oberhalb von 20.000 Fuß (ca. 6100 Meter) schwierig“, urteilte Tim Leach anschließend. 2010 gelangte ein britisches Trio unter Leitung von Nick Bullock bis auf 6100 Meter, ehe die Kletterer das Handtuch warfen. Wieder wehte der Wind zu stark.

2016 schafften es die Österreicher David Lama, Hansjörg Auer und Alexander Blümel auf eine Höhe von etwa 6500 Metern, auch sie wurden von schlechtem Wetter gestoppt. „In fast allen Seillängen zwang uns die anspruchsvolle Mixed-Kletterei dazu, die Eisgeräte an den Gurt zu hängen und uns an unseren Sicherungen hinaufzuziehen“, schrieb Lama später.

Ihr Film „Annapurna III – Unclimbed“ (s.u.) über die gescheiterte Expedition wurde 2017 vom Bergsteiger-Weltverband UIAA als bester Bergfilm des Jahres ausgezeichnet. Lama und Auer starben 2019 in einer Lawine am Howse Peak in den kanadischen Rocky Mountains.