Was du zur Frühjahrssaison am Mount Everest wissen musst

Südseite des Mount Everest
Nepalesische Südseite des Mount Everest (2002)

Erst wenn es in der Nepal Gazette steht, ist es auch wirklich offiziell. Das solltest du dir immer wieder vor Augen halten, wenn du irgendwo etwas über Reformen in dem Himalaya-Staat liest.

Denn laut nachgedacht wird in Nepals Politik häufig. Anschließend kommunizieren es die Medien dann meistens so, als sei es schon beschlossene Sache. Viele Vorschläge landen jedoch so schnell wieder in den Schubladen, wie sie daraus hervorgekrochen sind.

Das gilt auch für viele politische Ideen rund um das Bergsteigen an den Achttausendern Nepals. Sie kommen und verschwinden. Was also hat die Regierung in Kathmandu vor der anstehenden Frühjahrsklettersaison in der Gazette veröffentlicht und ist damit offiziell?

Permits sind teurer

Verabschiedet wurde die sechste Novelle der Regeln für Bergsteiger-Expeditionen, die bereits zum 1. September 2025 in Kraft trat. Das bedeutet vor allem, dass die Besteigungsgenehmigungen (Permits) nun teurer sind. So kostet der Aufstieg auf den Mount Everest über die nepalesische Normalroute für ausländische Bergsteigerinnen und Bergsteiger 15.000 statt vorher 11.000 US-Dollar pro Person.

Dhaulagiri
Auch am Dhaulagiri wird es teurer

Auch an den anderen Achttausendern des Landes steigen die Permit-Preise. Für Kangchendzönga, Lhotse, Makalu, Dhaulagiri und Annapurna I klettert er im Frühjahr von bisher 1800 auf 3000 Dollar. Für den Herbst-Modeberg Manaslu galt dieser neue Tarif bereits in der vergangenen Herbstsaison.

Ende für Solo-Aufstiege?  

In der Gazette nachzulesen ist zudem, dass bei Achttausender-Expeditionen nun mindestens ein Bergführer oder Climbing Sherpa auf zwei Kunden kommerzieller Expeditionen kommen muss. Am Everest wird das so gut wie nichts ändern, ist es am höchsten Berg der Erde doch inzwischen bei vielen Expeditionsteams gang und gäbe, dass jedem Kunden zwei „persönliche“ Sherpas an die Seite gestellt werden.

Streng ausgelegt würde die neue Regel Solo-Aufstiege an den Achttausendern ausschließen. Doch nepalesische Veranstalter haben bereits im Vorfeld öffentlich erklärt, wie Profibergsteiger die Vorschrift umgehen können: Sie bezahlen einen Guide, klettern aber alleine. Die Regierung hat diesen Aussagen übrigens bislang nicht widersprochen.   

Höhere Versicherungssummen und Tagespauschalen für Personal

Deutlich gestiegen – um mindestens das Vierfache – sind die Versicherungssummen für nepalesisches Expeditionspersonal. So werden künftig für einen Bergführer zwei Millionen Rupien (rund 13.800 Dollar) fällig, statt vorher 500.000 Rupien (3450 Dollar).   

Blick auf Mount Everest (l.) und Lhotse (2019)
Blick auf Mount Everest (l.) und Lhotse (2019)

Die Tagespauschalen für das nepalesische Expeditionspersonal wurden mehr als verdreifacht. Das klingt spektakulärer als es ist, da sich die Summen auf niedrigem Niveau bewegen. So wurde etwa die neue Pauschale für einen Climbing Sherpa auf 1200 Rupien pro Tag festgelegt, umgerechnet 8,25 Dollar.

Neues Tourismusgesetz muss noch durchs Unterhaus

Nicht nur in nepalesischen, auch in internationalen Main-Stream-Medien wurde in den vergangenen Wochen das angestrebte neue Tourismusgesetz Nepals berichtet. Die darin enthaltenen neuen Regelungen sind jedoch noch nicht – wie in vielen Berichten suggeriert wird – beschlossene Sache.

Lediglich die Nationalversammlung – das Oberhaus Nepals, in dem die acht Provinzen des Landes vertreten sind – hat bislang die sogenannte „Integrated Tourism Bill“ verabschiedet. Das Repräsentantenhaus muss der Gesetzesvorlage noch zustimmen, was als die größere Hürde gilt.

Am morgigen Donnerstag (5. April) wird erst einmal das Unterhaus neu gewählt. Erfahrungsgemäß wird es danach eine Weile dauern, bis die Regierung gebildet und das Parlament wieder voll arbeitsfähig ist. Für die anstehende Frühjahrssaison an den Achttausendern gilt also noch das Tourismusgesetz in seiner bisherigen Form.

Vor dem Everest mindestens ein Siebentausender in Nepal?

Die geplante Reform sieht unter anderem vor, dass jemand, der ein Permit für den Mount Everest beantragt, vorher mindestens einen Siebentausender in Nepal bestiegen haben muss. Wohlgemerkt in Nepal, damit die Kassen nicht auch in anderen Ländern mit Siebentausendern klingeln – wie in Pakistan, Indien, China, Kirgisien oder Tadschikistan.

Wie gesagt, beschlossen ist es das Paket noch nicht. Da das Oberhaus die Vorlage des bisherigen Tourismusministers einstimmig abgesegnet hat, spricht jedoch einiges dafür, dass die neue Tourism Bill auch das neu gewählte Parlament passiert.

Putha Hiunchuli (Herbst 2011)
Vor dem Everest der Putha Hiunchuli? Das Bild ist vom Herbst 2011

„Teammitglieder, die eine Mount Everest-Expedition im Jahr 2027 planen, sollten diese Änderungen bereits berücksichtigen“, schrieb der österreichische Expeditionsanbieter Furtenbach Adventures auf Facebook. Das Unternahmen empfahl solchen Everest-Aspiranten, sich im kommenden Herbst den Furtenbach-Teams am 7246 Meter hohen Putha Hiunchuli oder dem 8163 Meter hohen Manaslu anzuschließen, beide im Westen Nepals gelegen.

Ang Sarki Sherpa leitet die Icefall Doctors

Derweil dürfte das Team der sogenannten Icefall Doctors das Basislager auf der nepalesischen Südseite des Mount Everest erreicht haben. Die acht nepalesischen Bergsteiger, ausgewählt und bezahlt vom Sagarmatha Pollution Control Committee (SPCC), richten alljährlich die Aufstiegsroute durch den gefährlichen Khumbu-Eisbruch mit Leitern und Fixseilen ein und „verarzten“ sie während der ganzen Saison bis Ende Mai. Die Passage gilt auf dem Weg zum Gipfel als jene mit den größten objektiven Gefahren.

Icefall Doctors 2026
Die Icefall Doctors 2026 um ihren Chef Ang Sarki Sherpa (hinten 2.v.l.)

Der Eisbruch ist ständig in Bewegung, jederzeit kann einer der mächtigen Eistürme zusammenbrechen kann. Wegen des Klimawandels haben die Sherpas zunehmend mit sehr breiten Gletscherspalten zu kämpfen.

Teamchef ist erneut Ang Sarki Sherpa, der Dienstälteste unter den diesjährigen Icefall Doctors. Bereits seit 2008 verdient der 54-Jährige sein Geld im Gletscherbruch oberhalb des Everest-Basislagers. Außerdem übernehmen in dieser Saison Dawa Jangbu Sherpa, Tendu Sherpa, Ngima Tenji Sherpa, Phura Chheten Sherpa, Dawa Chhirri Sherpa, Sonam Geljen Sherpa und Mingma Gyaljen Sherpa den risikoreichen Job. Basecamp-Manager ist Tshering Tenzing Sherpa.

Everest-Nordseite bleibt geschlossen

Trotz der höheren Permitgebühren dürfte es auch in diesem Frühjahr im Basislager auf der Everest-Südseite voll werden. Denn ein Aufstieg über die tibetischen Nordseite des höchsten Bergs der Erde wird in diesem Frühjahr – außer für chinesische Teams – nicht möglich sein.

Nordseite des Mount Everest
Tibetische Nordseite des Mount Everest (im Frühjahr 2005)

Lukas Furtenbach, Chef von Furtenbach Adventures, bestätigte mir gegenüber, dass Tibet für ausländische Bergsteigerinnen und Bergsteiger geschlossen bleibe – auch wenn es noch keine offizielle Verlautbarung dazu gebe.

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